Nach den letzten Landtagswahlen in Deutschland reift die Erkenntnis, dass das Thema Islamkritik, isoliert betrachtet, bei den Wählern keinen hohen Stellenwert genießt. Wahlen lassen sich damit nicht gewinnen und auch keine Achtungserfolge erzielen. Es stellt sich die Frage nach den Gründen, denn die Missstände in dieser Religion sind offenkundig und nicht bestreitbar.
Eine Ursache liegt in der einseitigen Betrachtungsweise von Islamkritik, die mit anderen politischen Grundeinstellungen vermengt wird. Es wird übersehen, dass sich in allen politischen Lagern, rechts wie links und in der Mitte Kräfte finden, die dem Islam kritisch gegenüberstehen und seine prinzipielle Grundgesetzfeindlichkeit anprangern. Daraus lässt sich aber keine einheitliche politische Kraft bilden, da in anderen Grundsatzfragen durchaus differenzierte Meinungsbilder bestehen. Der Wähler lässt sich nicht unter das Oberthema Islamkritik eingliedern. Gruppierungen, die nach populistischen Maßstäben vorgehen und außer ihrem Thema wenig anbieten, sind chancenlos. Einigen Gruppierungen fehlt es an einer erkennbaren Abgrenzung zu extremistischen Auffassungen. Damit sind diese Vereinigungen für Demokraten durchweg nicht wählbar.
Die sich zu Wort meldenden Islamkritiker vertreten keine einheitliche Auffassung. Die Meinungen reichen von reiner Kritik der Religion bis zur Vermischung mit anderen Fragen, sprich Migration und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Problemen. Dass in Deutschland Migranten mit islamischem Hintergrund zahlenmäßig dominieren ist eine Tatsache. Daher verdichten sich in dieser Migrantengruppe die Problemstellungen. Trotzdem ist zu differenzieren, ob die Problemstellungen aus Traditionen oder tatsächlich aus der Religion herrühren. Werden diese Dinge nicht getrennt, dann haben die Anhänger des Reformislam in der öffentlichen Debatte keine Chance und finden auch bei eigenen Glaubensgenossen kein Gehör.
Der Begriff Reformislam löst bei einem Teil der Islamkritiker Widerstand aus, allerdings zu Unrecht. Geht man in der europäischen Geschichte rund 400 Jahre zurück, an den Beginn des 30-jährigen-Krieges, und betrachtet man die damalige gesellschaftliche Realität, dann erkennt man, dass eine Trennung von Staat und Kirche trotz anhaltender Aufklärung noch in weiter Ferne lag. Erst die weitgehende Entmachtung des christlichen Klerus ebnete den Weg zur Freiheit der Wissenschaft. Man bedenke, dass noch im 19. Jahrhundert die Schöpfungsgeschichte der Bibel als Datum hingenommen wurde. Die Übersetzung des Gilgamesch-Epos überführte die Sintflut-Saga der Bibel als Plagiat und löste ein theologisches Erdbeben aus. Danach hatte die Bibel als originäres Wort Gottes ausgespielt und konnte, wenigstens von Nicht-Theologen, einer Textkritik unterzogen werden. Kein ernst zu nehmender Theologe stellt heutzutage diese Fakten in Frage.
Betrachtet man den Islam in seiner verbreiteten Prägung, dann hat diese Religion die Aufklärung noch vor sich. Entsprechende Tendenzen würgt der islamische Klerus mit Terror ab. Dabei steht weniger die Religion im Vordergrund, sondern nur der Machterhalt einer politisch-religiösen Clique. Die extreme hohe Analphabetenquote dient dem Machterhalt, da die Volksmassen durch das klerikale Informationsmonopol beeinflussbar sind. Die Bildung ist nicht erwünscht, sieht man von funktionsloser religiöser Schulung ab. Dem latenten Minderwertigkeitskomplex der Funktionsträger im Islam, gefördert durch die uneinholbare Rückständigkeit zu den entwickelten Staaten, wird das archaische Ideal einer Buchreligion gegenübergestellt, die den Menschenrechten diametral gegenübersteht.
Wirft man den Begriff Islamkritik in die Diskussion, dann wird häufig der Einwand erhoben, warum nicht auch Kritik des Christentums. Der Einwand ist berechtigt. Keine Religion musste sich dem Feuer der Aufklärung so stellen, wie das Christentum. Auch heute wird die christliche Religion scharf kritisiert, was man z.B. am unbedingten Heilsanspruch der Katholischen Kirche – vgl. Dominus Iesus, über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche – festmachen kann.
Keine Persönlichkeit in Deutschland wird das Recht zur Religionskritik in Frage stellen. Würde dies ein Politiker auch nur wagen, dann flögen ihm alle Schriften der europäischen Aufklärung um die Ohren. Islamkritik dagegen wird durchaus skeptisch gesehen, weil der Begriff auf eine bestimmte Religion abstellt. Sofort schwingt in der Debatte der erfolgreich eingeführte Begriff Islamophobie mit und diskreditiert den Diskutanten, der sich als Islamkritiker bezeichnet. Daher sollte Religionskritik geübt werden, die naturgemäß alle Religionen einschließt. Wer sich als Christ zu dieser Auffassung nicht durchzuringen vermag, der kann den Islam als Christ kritisieren und theologisch argumentieren. Dies gilt selbstverständlich auch für die Angehörigen anderer Religionen. Gott, Wotan, Allah oder Shiva sind aus dem Blickwinkel des Religionskritikers und des Religionswissenschaftlers gleichwertig. Sie unterscheiden sich nur in ihrer gesellschaftlichen Präsenz.




Zitieren

Lesezeichen