32. Sitzung vom 18. Oktober 2007
(Beginn: 15.38 Uhr Ende: 18.05 Uhr)
01. Antrag der Fraktion pro Köln vom 17.10.2007 auf Durchführung einer Aktuellen Stunde betreffend „Überbezahlung der Kölner Kommunalpolitiker“ AN/1243/2007
AN/1243/2007
Antrag gem. § 5 der Geschäftsordnung des Rates auf Durchführung einer aktuellen
Stunde
Gremium Datum der Sitzung
Rat 18.10.2007
Überbezahlung der Kölner Kommunalpolitiker
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Schramma,
die Fraktion pro Köln beantragt hiermit, in der Sitzung des Rates am 18. Oktober 2007 eine
Aktuelle Stunde zum Thema „Überbezahlung der Kölner Kommunalpolitiker“ durchzuführen.
Begründung:
Ratspolitiker der Altparteien haben kürzlich wieder einmal dem Ansehen der Kölner
Kommunalpolitik schweren Schaden zugefügt. Ihre Rhetorik klingt schrill und ihre Einigkeit ist
groß: Repräsentanten von CDU, SPD, Grünen und FDP fordern mehr Geld für ihre
Mandatsausübung. Viel mehr Geld. Denn „ansonsten wird sich das irgendwann kein
Bekloppter wie wir mehr antun, und im Rat sitzen nur Reiche oder Arbeitslose“, zitiert der
„Express“ vom 10. Oktober 2007 die grüne Fraktionsvorsitzende Barbara Moritz, die sich
dem Bericht zufolge zudem finanziell diskriminiert sieht: „Mit Blick auf vergleichbare
Großstädte sind wir ‚arme Kirchenmäuse’.“ Dem Boulevardblatt fiel es leicht, von Vertretern
der übrigen Fraktionen der Altparteien Äußerungen mit gleicher Stoßrichtung einzufangen:
Winrich Granitzka, Vorsitzender der CDU-Fraktion, hätte gegen mehr Geld auf seinem Konto
nichts einzuwenden. „Wir haben faktisch halbprofessionelle Ratspolitiker, die aber schlecht
bezahlt werden. Da bekommt jede Putzfrau mehr.“ Sein Kollege von der SPD-Fraktion findet
die Bezahlung „nicht zeitgemäß“. Der FDP-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite pflichtet
ihm bei und wird vom „Express“ zitiert mit dem Satz: „Die ‚Besoldung’ paßt nicht zu einer
Metropole wie Köln.“
Die Damen und Herren Politiker können sich arm rechnen. Laut einer „vergleichenden
Großstadtanalyse“ von Marion Reiser, auf die der „Express“ Bezug nimmt, kommen Kölner
Ratsmitglieder durchschnittlich im Monat auf 650 Euro Sitzungsgeld und
Aufwandsentschädigung. Den Frankfurtern geht es demnach mit 1.150 Euro monatlich
besser, die Münchener streichen sogar 2.059 Euro ein, und in Stuttgart bringen es die
Stadträte auf 2.460 Euro im Monat. Noch besser haben es mit 3.209 monatlich die
Ratspolitiker in Hamburg.
Solche Zahlenspiele haben auch den finanziellen Appetit der Bezirks-Politiker geweckt. So
fühlt sich u.a. der Porzer Bezirksvorsteher Horst Krämer unterbezahlt. 600 Euro monatliche
Aufwandsentschädigung und ein Repräsentationsetat von 6.000 Euro erscheinen ihm als zu
knapp bemessen. Zuspruch bekommt er, der CDU-Mann, über Parteigrenzen hinweg aus
der Innenstadt vom grünen Bezirksvorsteher Andreas Hupke und von Josef Wirges, SPD,
aus Ehrenfeld. Sonst streitet man sich gerne, aber wenn es ums Geld geht, sind sich die
Vertreter der Altparteien einig: Davon kann man gar nicht genug haben!
Der „Express“ vom 13. Oktober 2007 macht die Forderung des Triumvirats öffentlich, „daß
sie bei der Fülle ihrer Aufgaben professionell ausgestattet werden“. Denn man nimmt ja
schließlich den Ratspolitikern wichtige, dringend zu erledigende Aufgaben ab. Andreas
Hupke weiß, wo seine Kernkompetenz liegt: „Der Rat muß sich nicht mit jedem Hundehaufen
beschäftigen.“
In dem Artikel bezeichnen sich die drei Bezirksvorsteher dann auch konsequent selbst als
das, was sie gerne wären: als „Bezirksbürgermeister“. Bislang ein Titel ohne Mittel, und noch
nicht einmal ein offizieller. Verzicht ist nicht die Stärke der Kölner Kommunalpolitiker, sie
streben nach Höherem. Statt den selbst verliehenen Titel aufzugeben, wollen sie eine
Angleichung der Finanzzuwendungen an ihre Wunschvorstellungen herbeibetteln.
Indessen muß die Frage erlaubt sein, ob jeder derjenigen „Bekloppten“ – um bei der
Wortwahl von Frau Moritz zu bleiben -, die derzeit ein Mandat im Kölner Stadtrat oder in
einer Bezirksvertretung wahrnehmen, irgend etwas tut, was auch nur entfernt als geldwerte
Leistung bewertet werden kann. Da schafft womöglich jede Putzfrau mehr? Immerhin ist die
Stadt Köln in den letzten Jahren von CDU, SPD, FDP und Grünen, deren Mandatsträger jetzt
mehr Geld fordern, wirtschaftlich ruiniert worden. Die Schuldenlast hat sich in Milliardenhöhe
aufgetürmt, der Nothaushalt droht. Soll die Stadt Köln neue Kredite aufnehmen, um mehr
Geld an Kommunalpolitiker auszahlen zu können, die nicht nur, aber insbesondere auch im
wirtschaftspolitischen Bereich völlig versagt haben?
Würden die Kölner Kommunalpolitiker nach Leistung bezahlt werden, dann dürften sie kein
Geld bekommen, sondern müßten draufzahlen. Wesentlich ist zudem für eine sachgerechte
Bewertung der Kosten, mit denen der Rat den Steuerzahler belastet, nicht eine isolierte
Auflistung der Aufwandsentschädigungen und Sitzungsgelder, sondern ein Blick auf die in
Köln völlig überhöhten Fraktionszuwendungen, die größtenteils für Personalkosten
ausgegeben werden. Sie wurden gegen die Stimmen der Fraktion pro Köln beschlossen,
betragen rund 15.000 Euro pro Ratsmitglied im Jahr und müssen zu den Gesamtkosten, die
der Kommune für den kommunalpolitischen Apparat entstehen, hinzugerechnet werden.
Dann entsteht im Städtevergleich ein ganz anderes Bild. Ein Mitglied des Kölner Stadtrates
kostet den Steuerzahler jährlich im Durchschnitt 30.485 Euro. In Frankfurt a.M. betragen die
Kosten 30.612 Euro, in Hamburg 26.682, in Stuttgart 18.294 und in München nur 17.448
Euro. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: „Arme Kirchenmäuse“ müssen mit
weniger auskommen. Die Kölner Kommunalpolitiker sind überbezahlt.
Jene Politiker, die jetzt mehr Geld wollen, haben zudem offenbar völlig die Haushaltslage
aus dem Blick verloren. Die Stadt hat 2,5 Milliarden Euro Schulden, die angestrebte
Anhebung der Politiker-Bezüge müßte aus neuen Krediten finanziert und dementsprechend
vom Steuerzahler verzinst werden.
Und das in den Zeiten von Hartz IV! Für die meisten Kölner würde ein Zuschuß von
monatlich mehreren hundert Euro die Haushaltskasse spürbar aufbessern und zweifellos
dankend angenommen werden. Und zwar erst recht, wenn er bezahlt wird nicht nur dafür,
daß er sich – um bei der Perspektive von Herrn Hupke zu bleiben – mit den Hundehaufen im
Veedel beschäftigt, sondern für eine oft auch repräsentative, also angenehme Tätigkeit, bei
der die Ratsmitglieder und Bezirks-Mandatare regelmäßig nicht auf irgendeinen
Repräsentationsetat zurückgreifen müssen, weil sie zum Beispiel von Firmen oder Vereinen
eingeladen und großzügig beköstigt werden.
Winrich Granitzka, Barbara Moritz, Martin Börschel, Ulrich Breite und ihre Unterstützer in den
Bezirken verlieren offenbar die Bodenhaftung. Ihr Ruf nach mehr Geld ertönt zur Unzeit. Der
Rat tut gut daran, diese schwarzen Schafe in seinen Reihen zur Mäßigung aufzurufen. Dem
soll die beantragte Aktuelle Stunde dienen.
gez. Rouhs
Für die antragstellende Fraktion pro Köln hat sich Frau Wolter zu Wort gemeldet. Bitte schön.
Judith Wolter (pro Köln):
Herr Oberbürgermeister! Meine Damen und Herren! Die heutige Aktuelle Stunde ist nötig geworden, da die Ratspolitiker der sogenannten Altparteien erneut dem Ansehen der Kölner Kommunalpolitik in der Öffentlichkeit schweren Schaden zugefügt haben. Man ist ja bei Ihnen so einiges gewohnt: Korruptions und Spendenskandal, hemmungslose Selbstbereicherung, Insidergeschäfte, schwarze Kassen, getürkte Spendenquittungen, Lustreisen und zu guter Letzt eine grenzenlose Arroganz. Ich schäme mich der Kölner Bürgerschaft gegenüber, gemeinsam mit solchen Politikerinnen und Politikern in diesem Hohen Haus sitzen zu müssen.
(Zurufe von der CDU)
Nach der nächsten Kommunalwahl werden zum Glück einige von Ihnen durch unverbrauchte ProKölnMandatsträger ersetzt werden.
(Beifall bei pro Köln Zurufe von CDU und SPD: Oh!)
Nun fordern kommunale Spitzenpolitiker von CDU, SPD, Grünen und FDP, die ansonsten täglich die Bürger mit immensen Abgaben regelrecht abzocken, für sich dreisterweise mehr Geld, viel mehr Geld. Denn: „Ansonsten wird sich das irgendwann kein Bekloppter wie wir mehr antun, und im Rat sitzen nur Reiche oder Arbeitslose", zitiert ein Kölner Boulevardblatt die grüne Fraktionsvorsitzende Frau Moritz, eine für die ehrenamtliche Ratsarbeit beurlaubte Lehrerin, die sich dem Bericht zufolge finanziell diskriminiert sieht. „Mit Blick auf vergleichbare Großstädte sind wir arme Kirchenmäuse“, meint unsere gestresste Hauptschullehrerin.
Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Granitzka hätte gern mehr Geld auf seinem Konto. „Wir haben faktisch halbprofessionelle Ratspolitiker, die aber schlecht bezahlt werden. Da bekommt jede Putzfrau mehr.“ Die SPD-Fraktion findet die Bezahlung „nicht zeitgemäß“.
(Martin Börschel [SPD]: Haben Sie dafür auch ein Zitat?)
FDP-Fraktionsgeschäftsführer Breite darf da natürlich nicht fehlen. Er wird vom „Express“ mit dem Satz zitiert: „Die ’Besoldung’ passt nicht zu einer Metropole wie Köln.“
Jene Politiker, die jetzt mehr Geld fordern, sind mitverantwortlich dafür, dass die Stadt Köln nahezu zahlungsunfähig ist. Ihre Kommunalpolitik hat die Stadt Köln an den Rand eines Nothaushaltes geführt. Wenn es aber um die eigenen Interessen geht, verlieren unsere Politiker offenbar die völlig desolate Haushaltslage aus ihrem Blick.
Köln hat 2,5 Milliarden Euro Schulden. Die Bürger werden tagtäglich mit immer neuen kommunalen Abgaben konfrontiert und müssen die Zeche für Ihre marode Politik bezahlen. Zugleich fordern Sie die Anhebung Ihrer Bezüge. Sie verkennen hierbei völlig, dass ein kommunalpolitisches Mandat ein Ehrenamt ist. Kommunalpolitik darf nicht der Selbstbereicherung, sondern soll ausschließlich dem Allgemeinwohl dienen.
(Beifall bei pro Köln)
Wenn ich Ihre Skandale der letzten Jahre betrachte, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass manch ein etablierter Politiker kommunalpolitisches Engagement primär zur Lösung der eigenen sozialen Frage betreibt. Deshalb gehören Sie politisch abgestraft und letztendlich abgewählt.
Der Rat sollte die schwarzen Schafe in seinen Reihen zur Mäßigung auffordern. Lachsschnittchen, üppige Empfänge, Festmenüs, Freikarten jedweder Art, Lustreisen und lukrative Aufsichtsratsmandate stellen für die Altparteien offenbar den alleinigen Sinn der Kommunalpolitik dar. Winrich Granitzka, Barbara Moritz, Martin Börschel, Ulrich Breite und andere haben offenbar jedwede Bodenhaftung verloren. Ihr Ruf nach mehr Geld ertönt zur Unzeit. Schämen Sie sich!
(Beifall bei pro Köln)
Oberbürgermeister Fritz Schramma:
Meine Damen und Herren, gibt es weitere Wortmeldungen? Das ist nicht der Fall. Damit erachte ich persönlich die Sache als erledigt. Sie haben die Ratsmitglieder gemahnt. Das haben alle auch so vernommen. Gibt es Gegenstimmen? Die Fraktion pro Köln sieht das nicht so. Enthaltungen? Gibt es keine. Damit ist die Aktuelle Stunde beendet.




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