23. Oktober 2011, 23:44, NZZ Online
BDP und GLP als starke Kräfte der neuen Mitte
Die beiden Parteien gewinnen im Nationalrat je neun Sitze
Die Schweizer haben bei den eidgenössischen Wahlen auf die neuen Kräfte gesetzt. Die Grünliberalen konnten ihren Besitzstand deutlich ausbauen. Die BDP kam auf Anhieb auf das gleiche Niveau wie die GLP. Sämtliche anderen Parteien mussten Verluste hinnehmen.
Urs Bloch
Die Polarisierung der Schweizer Politik scheint ein vorläufiges Ende gefunden zu haben. Bei den eidgenössischen Wahlen stärkten die Wählerinnen und Wähler die politische Mitte und schenkten ihr Vertrauen neuen, oft unbekannten, Kräften. Obwohl FDP und CVP erneut Verluste erlitten, wird die Mitte durch die Zugewinne von GLP und BDP gestärkt.
Die Mitte ist damit nicht nur gestärkt, sie erfährt auch eine Dynamisierung. Denn die GLP ist nicht mehr auf die CVP als starken Partner angewiesen, sie wird in Bern eine eigene Fraktion stellen. Das stärkt ihre Position deutlich, während die CVP-EVP-Fraktion etwas Schlagkraft verliert.
Kühne Träume ausgeträumt
An den Polen mussten die Parteien ihre kühnen Träume vorerst begraben. Die SVP ist vom Ziel der 30 Prozent ein rechtes Stück entfernt, bleibt aber mit grossem Abstand stärkste Kraft in Bern. Dennoch muss der Rückgang um 3,6 Prozentpunkte der SVP-Führung zu denken geben. Die Partei liess sich den Wahlkampf am meisten kosten, um nun einsehen zu müssen, dass sie mit ihrem Thema Masseneinwanderung zu wenig punkten konnte.
Auf der anderen Seite verlieren die Grünen Terrain und erleben damit einen der ärgsten Dämpfer dieses Sonntags. Noch im Frühling nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima standen sie als mögliche Gewinner der diesjährigen Wahlen im Rampenlicht. Nun mussten sie sowohl bei den Sitzen wie auch in Prozenten Verluste hinnehmen.
Die Bundesratswahlen kommen
Damit müssen die Grünen auch bei den Bundesrats-Ambitionen zurückbuchstabieren. Die Wahl der Landesregierung im Dezember bleibt dennoch spannend. Auch wenn die BDP mit einem Glanzresultat in Bern einzieht, ist der Sitz ihrer Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf nach wie vor äusserst wacklig. Koalitionen der neuen Mitte zugunsten von Widmer-Schlumpf zeichnen sich noch nicht ab. In der Hitze des Wahlsonntags gab es in dieser Beziehung unterschiedliche Aussagen der Partei-Exponenten.
Sicher ist, dass die SVP erneut auf einen zweiten Sitz in der Landesregierung pochen wird, und die SP zugleich alles daran setzt, ihren frei werdenden Sitz nach dem Rücktritt von Micheline Calmy-Rey zu verteidigen.
Computer-Panne verzögert nationales Endergebnis
(sda) Rund 17 Stunden nach Schliessung der Wahllokale stehen die Gesamtresultate der Nationalratswahlen 2011 noch immer nicht fest. Eine Informatikpanne im Kanton Waadt führt dazu, dass die kantonalen Resultate erst am Montagmittag publiziert werden können.
Damit verzögert sich nicht nur das nationale Endergebnis der Nationalratswahlen, sondern auch die mit Spannung erwarteten Zahlen über die nationalen Wähleranteile.
Je neun Sitze
Am Sonntag waren Grünliberale und die BDP die grossen Sieger der eidgenössischen Wahlen. Gemäss der dritten nationalen Hochrechnung der SRG können die beiden Parteien mit je 9 Sitzgewinnen rechnen. Die GLP kommt damit auf 12 Sitze, die BDP auf 9 Sitze. Bei den Wähleranteilen bringt es die GLP auf 5,2 Prozent (+ 3,8 Punkte), die BDP ebenfalls auf 5,2 Prozent.
SVP bleibt mit Abstand stärkste Partei
Alle anderen grossen Parteien haben sowohl Wähleranteile wie auch Sitze verloren. Den grössten Taucher muss die SVP hinnehmen, die noch auf 25,3 Prozent (-3,6 Prozentpunkte) kommt. Damit bleibt die Volkspartei zwar mit Abstand stärkste Partei, verfehlt ihr Ziel von 30 Prozent aber deutlich. Gemäss derzeitigem Stand verliert die SVP 7 Sitze und ist neu noch mit 55 Personen im Nationalrat vertreten.
Auf dem zweiten Rang folgt die SP mit einem Wähleranteil von 17,6 Prozent (-1,9). Die SP kann trotz dem Rückgang des Wähleranteils einen Sitz gewinnen und hat neu 45 Mandate in der grossen Kammer. Im linken Spektrum müssen die Grünen Federn lassen, sie kommen noch auf 8 Prozent (-1,6). Neu haben die Grünen noch 15 Sitze im Nationalrat.
FDP unter 15 Prozent
Die FDP hat gemäss Hochrechnung künftig noch einen Wähleranteil von 14,7 Prozent. Je nach Perspektive ist das ein Minus von 1,1 Punkten oder 3 Punkten, zählt man die Liberalen dazu, mit denen die Freisinnigen während der Legislatur fusioniert haben. Neu kommen FDP/Liberale gemäss Hochrechnung noch auf 31 Sitze (-4).
CVP verliert ebenfalls
Verluste muss auch die CVP hinnehmen. Ihr Wähleranteil schrumpft auf 13 Prozent (-1,5 Punkte). Die Anzahl Sitze geht gemäss der Hochrechnung von 31 auf 28 zurück.
Die übrigen Parteien können zwei Sitze gewinnen und kommen künftig auf 8 Sitze. Hier dürfte es je einen Sitzgewinn für die Linke, für die Lega sowie für das MCR in Gefn geben. Die EDU wird hingegen ihren einzigen Sitz verlieren.
http://www.nzz.ch/nachrichten/panora....13096735.html




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