15. Sitzung vom 4. April 2006
(Beginn: 15.42 Uhr - Ende: 22.58 Uhr)
B) Antrag der CDU-Fraktion vom 3. April 2006 auf Durchführung einer aktuellen Stunde zum Thema „Verfassungsschutzbericht 2005“ Ds-Nr. 0518/006Nur Interessannte Auszüge, die Gesamten Protokolle in den Anhängen!
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Ich habe dazu bereits Wortmeldungen vorliegen: Es sprechen Herr Dr. Lemper für die CDU und Frau Moritz für die Grünen; ein Redner für die SPD wird noch bestimmt.
Bitte schön, Herr Dr. Lemper.
Dr. Lothar Theodor Lemper (CDU):
Herr Oberbürgermeister! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der vorgelegte Verfassungsschutzbericht 2005 gehört - bei allen Meinungsunterschieden - für alle Demokraten, die die freiheitliche und demokratische Grundordnung uneingeschränkt bejahen, zu einer der traurigsten politischen Lektüren. Besonders betroffen müssen alle Demokraten des Rates der Stadt Köln darüber sein, dass auch die Fraktion pro Köln ausdrücklich Gegenstand des Verfassungsschutzberichtes ist. Aber auch Die Linke.PDS gehört zum Ausdruck gebrachter Besorgnis.
Ich komme zunächst auf die PK zu sprechen und zitiere aus dem neuesten Verfassungsschutzbericht:
„Es liegen aktuelle tatsächliche Anhaltspunkte vor, die in ihrer Gesamtbetrachtung den Verdacht einer rechtsextremistischen Bestrebung bei „Pro Köln“ begründen.“
Ich zitiere weiter:
„Die in den Veröffentlichungen von „Pro Köln“ enthaltenen Äußerungen begründen nach Auffassung des Gerichts den Verdacht für die Zielsetzung, tragende Strukturprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, wie der Achtung der Menschenwürde aller Teile der Bevölkerung, zu beseitigen oder außer Geltung zu setzen.“
- Das hat das Verwaltungsgericht Düsseldorf festgestellt und damit eine Klage von pro Köln gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz abgewiesen. - Ich zitiere wieder:
„Weitere gewichtige Anhaltspunkte sah das Gericht in der Zusammenarbeit von „Pro Köln“ mit anderen rechtsextremistischen Organisationen.“
In den meisten Fällen haben alle demokratischen Fraktionen mit Recht darauf verzichtet, auf Einlassungen der PK einzugehen; denn Sie schüren in der Regel Aggressivität und diffuses Meinungschaos, wobei in der Regel die Mittel signifikanter Hirnlosigkeit Anwendung finden.
(Beifall bei der CDU)
Aus dem Verfassungsschutzbericht wird unmiss-verständlich klar, dass PK die Prinzipien unserer Verfassung nicht nur verletzt und infrage stellt; PK steht vielmehr im Verdacht, diese Prinzipien beseitigen zu wollen. Aus unserer Sicht darf das im Rat der Stadt Köln, dem Forum kommunaler Repräsentanz der Bürgerinnen und Bürger Kölns, nicht unkommentiert bleiben. Die Demokraten dieses Rates sind nicht von kollektiver Sprachlosigkeit gekennzeichnet.
PK hat im Rat Fraktionsstärke. Deshalb ist Schweigen - das ist eine historische Erfahrung - nicht immer Gold. Es macht nämlich einen Unterschied, ob sich PK mit uns beschäftigt, oder wir uns mit PK beschäftigen.
Ich stelle für meine Fraktion fest, dass die Namensgebung „pro Köln“ ein zynisches und aufdringliches sprachliches Aufgebot von dreister Anmaßung und bewusster Irreführung ist.
(Beifall bei der CDU und der FDP)
Denn wer für Köln ist, kann nicht Sympathisant von pro Köln sein. PK ist nicht für Köln, sondern PK ist gegen Köln.
(Beifall bei der CDU und der FDP)
Köln steht für Liberalität, Achtung der Menschenwürde, Toleranz und soziales Miteinander. PK dagegen steht für rechtsextremistische Bestrebungen, selektive Menschenwürde und Ausländerhass. - Ich zitiere dazu aus dem Urteil des Verwaltungsgerichtes Düsseldorf vom 21. Oktober 2005:
... stellt die Klägerin Ausländer allgemein und pauschal als Ursache für Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Absenkung des Bildungsniveaus etc. dar und beschreibt sie allgemein als grundsätzlich nicht integrierbar.
PK betreibt nicht den Kampf der Kulturen, sondern den Vernichtungskampf gegen die Kulturen.
(Beifall bei der CDU)
Keine Fraktion des Rates hat die Gerichte so häufig bemüht wie PK. Das offenbart die eklatante Widersprüchlichkeit von PK; denn PK nimmt die Instanzen unseres freiheitlichen und recht-staatlichen Systems in Anspruch, verletzt aber zugleich die Bedingungen und Voraussetzungen, von denen der freiheitliche demokratische Staat abhängig ist.
Vor wenigen Wochen konnte man in Ehrenfeld die Verhaltensweisen von PK wieder sehen: Es war eine erbärmliche und unbarmherzige Hetzjagd gegen die DITIP-Moschee.
Unser Staat schützt auch PK, aber PK schützt nicht unseren Staat. Meine Damen und Herren, das ist der paranoide Opportunismus von PK.
(Beifall bei der CDU)
PK nutzt die emotionale Lage vieler Menschen, um auf eine Weise politische Vorurteile zu nutzen, die man pathologisch nennen muss. Hören Sie sich einmal die Anfragen an, die von denen eingebracht wurden:
- Antrag zur Verhinderung der Moschee in Ehrenfeld
- Konsequenzen aus den schlechten hygienischen Zuständen bei vielen fleischverarbeitenden Betrieben, besonders bei Betrieben unter ausländischer Leitung
- Schließung der Kontakt- und Informationsstelle Junkie Bund Köln e. V.
- Schließung von Räumlichkeiten für die Eintragung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften
- Schließung des „Übergangsheimes“ Causemannstraße
An diesen wenigen Beispielen von PK erkennen Sie, dass es nur vordergründig um kommunalpo-litische Themen geht. Letztendlich geht es denen darum, Menschen zu denunzieren und eine Poli-tik zu betreiben, die der „Kölner Stadtanzeiger“ mit der Überschrift „Rechtsextreme als Bieder-männer“ betitelte. Das, meine Damen und Her-ren, muss um das Wort „Brandstifter“ ergänzt werden: „Rechtsextreme als Biedermänner und Brandstifter“ zugleich.
Ich will die Dinge nicht in einen Topf werfen und sage das Folgende ohne Schaum vor dem Mund: Es gibt auch die andere Seite, die in den Verfassungsschutzbericht 2005 Eingang gefunden hat; das ist Die Linke.PDS. Dort heißt es zu deren Parteiprogramm:
Es enthält aber auch Aussagen, die wi-dersprüchlich sind oder sehr unter-schiedlich interpretiert werden können. Dazu gehört auch die entscheidende Frage, ob die Partei das Grundgesetz inhaltlich tatsächlich akzeptieren möchte oder ob sie nur dessen Begriffe übernimmt, aber mit eigenen Interpretationen füllt.
Weiter heißt es:
Abgesehen davon, dass auch das 2003 verabschiedete Parteiprogramm keine Klarheit hinsichtlich der Vereinbarkeit der politischen Fernziele der „Linkspartei.PDS“ mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung gebracht hat, liegen in Nordrhein-Westfalen weiterhin die schon in früheren Verfassungsschutzberichten genannten tatsächlichen Anhaltspunkte für den Verdacht linksextremistischer Bestrebungen im Sinne des § 3 Abs. 1 Nr. 1 VSG NRW vor. Dies hat unter anderem das Verhalten ihres Landesverbandes bei der Kommunalwahl 2004 und der Bundestagswahl 2005 gezeigt.
Das ist die Quintessenz aus dem Verfassungsschutzbericht 2005 über Die Linke.PDS. Meine Damen und Herren, damit ist nicht die im Rat vertretene Fraktion gemeint, aber die Kölner Fraktion ist ein Bestandteil des Landesverbandes.
Es ist wichtig, dass man darüber nachdenkt, ob es richtig ist, dass Die Linke.PDS immer mehr ein von SPD und Grünen benutzter Bestandteil von Entscheidungsprozessen wird.
Oberbürgermeister Fritz Schramma:
Herr Dr. Lemper, Sie müssen zum Schluss Ihrer Rede kommen, können aber in einer zweiten Runde mit dem Thema fortfahren.
(Beifall bei der CDU - Jörg Detjen [Die Linke.Köln]: Herr Lemper, nehmen Sie die PDS in die zweite
Runde! - Heiterkeit)
Dr. Lothar Theodor Lemper (CDU):
Herr Oberbürgermeister! Meine Damen und Herren! Ein letzter Satz: Ich empfehle Ihnen, den Verfassungsschutzbericht zu lesen. Wir sollten im Rat weder von der PDS noch von der PK abhängig sein.
Ich spreche die Solidarität unter Demokraten an: Wir sind doch in der Lage, die für Köln notwendigen Entscheidungen unter uns Demokraten zu fällen. Wir brauchen weder die PK noch die PDS, um zu Entscheidungen zu kommen. Das politische Programm dessen, unter dem wir zu entscheiden haben, heißt „Es geht um Köln“. Dieser knappe Satz hat es in sich und betitelt das demokratischste Programm, das weder PK noch PDS auf den Leib geschnitten ist. Denken wir darüber nach, ob nicht mit der Solidarität unter den Demokraten - damit meine ich auch die Einbeziehung der Christlich Demokratischen Union in die Entscheidungsprozesse - die Inanspruchnahme dieser beiden Gruppierungen bei den künftigen Entscheidungsprozessen im Rat der Stadt Köln überflüssig wird. - Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU - Heiterkeit bei der SPD und dem Bündnis 90/Die Grünen)
Oberbürgermeister Fritz Schramma:
Danke schön, Herr Dr. Lemper. Ich erinnere nochmals an unsere selbst auferlegte Bindung, was die Redezeit betrifft. Sie haben uns beauftragt, eine Uhr zu Ihrer Orientierung zur Verfügung zu stellen; das haben wir befolgt. Die digitale Uhr befindet sich links am Pult und läuft rückwärts, sodass Sie während Ihrer Rede sehen können, wie viel Zeit Sie noch zur Verfügung haben. Bei einer Aktuellen Stunde stehen Ihnen pro Rede fünf Minuten zur Verfügung, wobei Ihnen aber noch die Möglichkeit einer zweiten Rederunde bleibt. Ich war anfangs von zehn Minuten Redezeit ausgegangen; das war mein Fehler. Ich betone noch einmal: Die Redezeit beträgt fünf Minuten.
(Jörg Frank [Bündnis 90/Die Grünen]: Man muss ihm das zugute halten!)
- Das stimmt; ich nehme das auf meine Kappe.
Wer von der SPD möchte das Wort ergreifen? - Das ist im Moment niemand. Es spricht nun Frau Moritz für die Grünen, bitte.
Barbara Moritz (Bündnis 90/Die Grünen):
Herr Oberbürgermeister! Meine Damen und Herren! Herr Dr. Lemper, nach Verstreichen von zwei Dritteln Ihrer Redezeit überlegte ich mir, ob ich auf Ihren Beitrag eingehen sollte oder nicht; denn, das, was Sie sagten, stand für sich und ich hätte allem zustimmen können. Am Ende kam dann doch noch der Schwenk auf das Thema, von dem ich glaube, dass es das ist, weswegen Sie die Aktuelle Stunde wirklich beantragt haben.
Bevor ich aber auf letzteres eingehe, sage ich, dass das von der FDP noch trickreicher gemacht wurde; denn die hat einen Antrag auf Durchführung einer Aktuellen Stunde zur Abschaffung der Gelben Tonne gestellt. Das Thema interessiert die Kölnerinnen und Kölner und darüber lässt sich vortrefflich diskutieren. Es beträfe Arbeitsplätze, es entlastete die Bürgerinnen und Bürger, die Hausbesitzer usw. Kurz: Wir haben uns auf eine sachliche und inhaltliche Auseinandersetzung gefreut.
(Ralph Sterck [FDP]: Kriegen Sie in der nächsten Sitzung kostenlos dazu!)
- Ich weis, dass die Auseinandersetzung kommen wird und freue mich darauf. - Sie von der FDP haben dann Ihren Antrag auf Durchführung einer Aktuellen Stunde zu einem Zeitpunkt zurückgezogen, zu dem Ihnen klar war, dass nur der Antrag der CDU-Fraktion auf Durchführung einer Aktuellen Stunde beschlossen werden würde.
Wir beschäftigen uns also jetzt mit dem heute wichtigsten Thema; das ist der Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen. Das brennt den Kölnerinnen und Kölnern am meisten auf den Nägeln, sodass wir uns damit auseinander zu setzen haben. Herr Lemper, im Verfassungsschutzbericht wird zwar Sorge geäußert, aber ob wir alle diese Sorge teilen, ist damit nicht gesagt. Die von Ihnen zitierten Parteien und Wählergemeinschaften sind nicht verboten und ihre Repräsentanz im Rat ist damit legitimiert.
Die Wählerinnen und Wähler haben die Zusammensetzung des Rates in der Wahl 2004 bestimmt und dabei der CDU deutlich die rote Karte gezeigt. Die CDU hat daraufhin - statt sich am Riemen zu reißen und eine regierungsfähige Koalition zu bilden - bereits nach einem Jahr die große Koalition an die Wand gefahren, woraufhin eine Mehrheit des Rates die CDU für nicht koalitionsfähig hält und das Kernbündnis von SPD und Grünen jetzt die Verantwortung übernimmt.
(Andreas Köhler [CDU]: Mit den Linken! - Zurufe von der CDU)
Ich kann nur auf einen Einwurf eingehen, aber nicht auf fünf auf einmal. - Da sprach wieder die Lehrerin, Herr Granitzka.
(Heiterkeit)
Ich diffamiere mich jetzt schon stellvertretend selbst. - Das Kernbündnis von SPD und Grünen übernimmt jetzt also die Verantwortung, obwohl ihr zwei Stimmen fehlen. In einem Interview sprach Herr Börschel von einem Notwehrbündnis.
(Oh! bei der CDU)
Der Begriff der Notwehr bezieht sich darauf, dass die größte Fraktion des Rates nicht politikfähig ist, obwohl sie auf dem Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung steht.
(Beifall bei der SPD und dem Bündnis 90/Die Grünen)
Wenn sich der Verfassungsschutzbericht auch mit Unfähigkeit beschäftigen würde, dann würde die CDU bestimmt auch - -
(Lachen und Beifall bei der SPD und dem Bündnis 90/Die Grünen)
Trotz Ihrer wiederholten Werbeversuche ziert sich die FDP, die durch Rosinenpickerei versucht, die verzwickte Lage parteipolitisch auszuschlachten. Und heute soll der Verfassungsschutzbericht dafür herhalten, die nächste Schmutzdebatte einzuleiten. Die Folge 1 der Schmutzdebatten hieß „Postenschacherei bei SPD und Grünen“; hierzu fehlte es an Inhalten. Wer intern mit Schmutz wirft, der wirft offensichtlich auch mit Schmutz nach außen.
(Lebhafter Widerspruch bei der CDU - Ralph Sterck [FDP]: Das haben wir von Ihnen gelernt, Frau Kollegin!)
Und die Folge 2 der Schmutzdebatte beginnt heute und hat den Titel „SPD und Grüne kooperieren mit Verfassungsfeinden“.
(Karl Klipper [CDU]: Ist ja auch so!)
Diese simple durchschaubare Taktik der CDU wird - wie das Gerede um die Postenschacherei auch - auf Sie zurückfallen; das war bisher bei all Ihren Schmutzkampagnen so der Fall. Ihr Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung mag schön und gut sein; das ist aber eine Selbstverständlichkeit. Ihre Politikunfähigkeit hingegen ist weder schön und gut, noch ist sie eine Selbstverständlichkeit.
(Beifall bei dem Bündnis 90/ Die Grünen)
Es wird sich herausstellen, ob sich die FDP einen Gefallen damit tut.
(Christtraut Kirchmeyer [FDP]: Das steht aber alles nicht im Verfassungsschutzbericht!)
Und: Der Sachdebatte über die Gelbe Tonne sehen wir gelassen entgegen.
(Zuruf von Ralph Sterck [FDP])
- Herr Sterck, wenn Sie und andere mit Schmutz werfen, müssen Sie aufpassen, damit Sie sich Ihre Finger nicht schmutzig machen.
(Oh! bei CDU und FDP)




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