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    Standard AW: German Werth Der Krimkrieg : Geburtsstunde der Weltmacht Russland

    VIII Der Fall von Sewastopol Die Wiener Friedenskonferenz

    »Wenn man bedenkt, was da noch stehn geblieben Von den gewaltgen Werken, die Nikolaus erbaute, So ergreift mich ein Wehmutsgefühl, denn
    ‘s ist bloß der Mallakoff, der steinern Turm im Westen, Der schon zweimal die Feinde von sich abhielt.«
    Friedrich Nietzsche 1856


    Im März 1855 bot Wien der Welt das bemerkenswerte Schauspiel, die Vertreter der Westmächte und Russlands am Verhandlungstisch zu vereinen, während sie sich an der Front auf der Krim feindlich gegen- überstanden. Österreich fiel der Vorsitz zu, es stand gleichsam als Makler zwischen den Westmächten und Russland, das Fürst Alexander Gortschakow vertrat. Preußen fehlte. Nur Gortschakow monierte seine Abwesenheit, aber niemand gedachte es hinzuzubitten. Buol schlug vor, den Ausdruck »fünf Großmächte« durch »die kontrahierenden Mächte« zu ersetzen, so daß das Thema vom Tisch war. Basis war das sogenannte Vierpunktepapier.
    Die Unterbrechung der Feindseligkeiten infolge der schlechten Jahreszeit stellte, wie Nesselrode seinem Botschafter in Wien schrieb, eine Gelegenheit dar, Friedensverhandlungen zu führen. Andererseits war die Situation vor Sewastopol so unentschieden, daß eigentlich keine Partei gezwungen war, schwerwiegende Zugeständnisse zu machen, nur um des Friedens willen. Ohne Zweifel war es ein Erfolg des österreichischen Außenministers Graf Buol, noch einmal die österreichische Metropole zum Mittelpunkt des politischen Entscheidungsprozesses in Europa gemacht zu haben.
    Aber schon die ersten Sitzungen bedeuteten für Österreich eine bittere Enttäuschung. Hier ging es um die Zukunft der Donaufürstentümer und die Freiheit der Donau-Schifffahrt. Buol hatte sich ausgerechnet, die beiden ja noch immer von österreichischen Truppen besetzten Balkanländer dem Habsburger Reich einzuverleiben bzw. die »Oberaufsicht« im Namen Europas zu erhalten als eine Art Übergangsregelung. Nicht zuletzt deshalb war er im vorigen Dezember mit den Westmächten eine Allianz eingegangen. Aber aus einer gemeinsamen


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    Sprache, auf die sich Buol zusammen mit dem englischen Gesandten Westmoreland und dem Franzosen Bourqueney am 28. Dezember vorab geeinigt hatte, wurde nichts. Zur Überraschung der Österreicher trat Bourqueney mit dem Plan auf, die beiden Fürstentümer zu einem Staat zu vereinigen und ihnen unter einem Regenten überdies eine gewisse Selbständigkeit zu geben, eine Idee, die ganz eindeutig auf die Initiative Napoleons III. zurückging, zu dessen politischem Konzept die Förderung nationaler Bestrebungen gehörte.
    Russland verzichtete zur Überraschung aller auf die Fortsetzung des russischen Protektorats, verlangte nur die Streichung des Begriffs Protektorat als einen für die Vergangenheit nicht zutreffenden Ausdruck, und eine Kollektivgarantie der Großmächte. Ein Papier von sechs Punkten regelte den neuen Status, bei dem das Osmanische Reich ein Mitspracherecht erhielt, zumindest das »Recht freier Würdigung«. Punkt 2 hing eng mit Punkt 1 zusammen, weil er die Schiff- fahrt auf der unteren Donau betraf und damit die wirtschaftliche Entwicklung der ganzen Region. Auch hier verzichtete Fürst Gortschakow auf alle alten Sonderrechte Russlands. Er verwahrte sich nur gegen den Vorwurf, der freien Schifffahrt Hindernisse in den Weg gelegt zu haben, obwohl allen am Tisch bekannt war, daß Russland den einzigen schiffbaren Mündungsarm der Donau hatte versanden lassen, um den Handelsverkehr über Odessa zu leiten. Man einigte sich darauf, eine europäische Kommission, zu der auch Russland gehörte, die Grundlagen eines Schifffahrt- sowie Strom- und Seepolizeireglements für die untere Donau ausarbeiten zu lassen.
    Nun trat aber am 26. März wie zu erwarten in der sechsten Sitzung die erste Stockung ein, als es an Punkt 3 ging, der die Revision des Dardanellenvertrages von 1841 betraf und als Ziel hatte, dem Übergewicht Russlands auf dem Schwarzen Meer ein Ende zu bereiten.
    Die Westmächte traten für eine weitgehende Neutralisierung des Schwarzen Meeres ein. Es sollte nur noch Handelshäfen und eine begrenzte Zahl von kleinen Kriegsschiffen für die Küstenpolizei neben ein paar Transportschiffen geben, was für Russland und die Türkei galt. Da eine Neutralisierung des Schwarzen Meeres von Gortschakow strikt verworfen wurde, schlug Buol vor, gleich zu Punkt 4 überzugehen, was jedoch bei Clarendon in London keine Zustimmung fand.
    Die nun folgende Pause, bei der alle Verhandlungsteilnehmer Rücksprache


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    mit ihren Regierungen nahmen, kam allen gelegen, da auch die Wiederaufnahme des Bombardements auf Sewastopol verschoben worden war.
    Am 6. April betrat der französische Außenminister Drouyn de Lhuys die Szene, um den schleppenden Verhandlungen einen neuen Schwung zu geben. Der Franzose hatte vorher seinen Kollegen in London konsultiert, um eine einheitliche Marschoute festzulegen und um gleichzeitig Österreich zu einer klaren Entscheidung für die Westmächte zu bewegen. Buol weigerte sich jedoch entschieden, Russland wegen der Ablehnung von Punkt 3 ein Ultimatum vorzulegen bzw. »um zwei Schiffe mehr oder weniger« mit der Eröffnung von ‘Feindseligkeiten zu drohen. Nun suchte Drouyn de Lhuys nach einem Kompromiss. Wie er Franz Joseph offenherzig sagte, war er weniger des Friedens mit Russland willen als um der Festigung des Bündnisses mit Österreich nach Wien gekommen.
    Mit dem Fortgang der Verhandlungen wurde damit Österreichs Position schwieriger - Ausdruck des Dilemmas, in das es sich durch Buols doppelgleisige Politik selbst manövriert hatte: Russlands Vorherschaft auf dem Balkan zu brechen, zwecks Rückendeckung mit dem Westen zu kooperieren und doch den Krieg mit Russland zu vermeiden.
    Buols Politik dem Versuch der Quadratur des Kreises glich, kam seinem Lösungsvorschlag für Punkt 3 zum Ausdruck, den er bei Geimverhandlungen mit den Westmächten auf den Tisch legte; er schlug ein Einfrieren der russischen Flotte auf dem Zahlenstand vor ;Kriegsausbruch vor und die Stationierung von ebenso vielen englischen, französischen und türkischen wie russischen Kriegsschiffen;
    eine permanente Nachrüstung auf den jeweils aktuellen Stand sollte
    dann »System der Gegengewichte« bilden bzw. das maritime
    Gleichgewicht auf dem Schwarzen Meer erhalten, eine Art Gleichgewicht durch Abschreckung.
    Da der Plan die Unterstützung Drouyn de Lhuys fand und John Russel
    selber zu den Gemäßigten im englischen Kabinett gehörte,
    reiste Lord John am 23. April ab, mit dem Vorschlag Buols in der Tasche. Er hätte gewarnt sein müssen, weil Clarendons bereits vorher ein Gleichgewicht der Kräfte« wegen seiner Labilität als »bewaffneten Waffenstillstand« abgelehnt hatte. Wie zu erwarten, verweigerte das Kabinett unter Palmerston den Kompromiss, Gladstone verließ

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    aus Protest die Regierung, Russell folgte einige Zeit später. »Wenn wir Buols Plan annehmen«, meinte Clarendon zu Russell, »könnte keiner von uns vor tätlichen Angriffen auf der Straße sicher sein, und das würde uns recht geschehen.«
    Danach kühlte sich das Verhältnis Österreichs zu den Westmächten merklich ab. Aber es war Buols Glück, daß die Westmächte nicht daran dachten, die Allianz mit Österreich einem Härtetest zu unterziehen. Nach dem harten und verlustreichen Winter auf der Krim konnten es sich die Westmächte nicht leisten, auf einen potentiellen Bundesgenossen zu verzichten. Alexander Gortschakow wiederum hatte in Erfahrung gebracht, daß Buol vor einem offensiven Bündnis mit dem Westen zu diesem Zeitpunkt zurückschreckte. Russland dachte also nicht daran, in Wien ohne Not als geschlagene Nation aufzutreten, obwohl seine Schwarzmeerflotte, der Stolz des Zaren, auf dem Grund der Bucht von Sewastopol lag. Nicht Buol, sondern der russische Bevollmächtigte erwies sich in Wien als die dominierende Persönlichkeit.
    Während der Wiener Friedenskonferenz hatte Napoleon III. seinen lang erwarteten Staatsbesuch in England absolviert, in dem Land, in dem ihm als politischer Flüchtling einst so großzügig Asyl gewährt worden war. Auf zwei Ministerbesprechungen war in London der weitere gemeinsame politische Kurs festgelegt worden. Ein Militärübereinkommen hielt die Abmachung fest, die Belagerung von Sewastopol - auch bei Misserfolgen - weiterhin aufrechtzuerhalten und zwei Operationsarmeen aufzustellen, davon eine Armee unter dem Befehl des französischen Kaisers Napoleon III konnte die sechstägige Reise am 21. April zu voller Zufriedenheit abschließen. Der englische Hof hatte ihn mit großer Zuvorkommenheit aufgenommen, pikanterweise hatte er dieselben Zimmer in Schloß Windsor bewohnt wie Nikolaus 1. 1844 bei seinen Eröffnungen über die orientalische Frage; ihm zuliebe war der Waterloosaal, wo der Empfang und Ball stattfand, in The Picture Gallery umbenannt worden. Wollte man den Zeitungen glauben, war Napoleon III. auch von den Londonern ein enthusiastischer Empfang bereitet worden, während Thomas Carlyle als Augenzeuge nur »zwei dünne, sehr dünne Reihen der verworfendsten menschlichen Geschöpfe« als Jubelspalier gesehen hatte, »Lahme, Krumme und Krüppel, mit schmutzigen Hemden und der Miene von Taschendieben und wahren Schakalsgesichtern. Kaum


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    ein halbwegs anständig Gekleideter war unter ihnen, viel weniger ein der besseren Klasse Angehörender«.
    Der Gegenbesuch wurde auch gleich festgelegt; er sollte im Juli in Paris stattfinden, als Höhepunkt der geplanten Weltausstellung, mit der Napoleon III. das Londoner Vorbild von 1851 zu übertreffen gedachte. Ein Besuch am Sarg Napoleon I. würde das Bündnis zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich besiegen, die endgültige Rückkehr in den Kreis der europäischen Häupter. In London war Napoleon III. mit neuem Selbstbewusstsein ganz auf die Linie Palmerston-Clarendons eingeschwenkt, nach der ein Friede mit Russland, wie ihn Österreich vorgeschlagen hatte, unehrenhaft und haltlos war. »Die Londoner Reise ist ihm zu Kopf gestiegen«, notierte Baron Hübner; die geplante Allianz Paris-Wien, ein Ärgernis für London, war damit zerbrochen.
    Er werde um nichts in der Welt irgendetwas annehmen, was den Stand vor dem Kriege beibehält, erklärte der Kaiser seinem Außenminister:
    Wir haben Besitz vom Schwarzen Meer ergriffen, wir werden es nur um den Preis bedeutender Konzessionen wieder verlassen.« Drouyn
    Lhuys sah sich durch diese neue Entwicklung nach eigenen Worten Wien und London bloßgestellt und nahm seinen Abschied.
    Damit stand fest, daß nicht etwa Russland am Abbruch der Gespräche schuld war; Clarendons war mit der festen Absicht nach Wien gegangen, den Krieg bis zum endgültigen militärischen Sieg auf dem Schlachtfeld weiterzuführen.
    Buol der gedacht hatte, wie einst Metternich als Dirigent des europäischen Konzerts auftreten zu können, kaschierte das Scheitern der der Wiener Friedenskonferenz und führte am 26. April die 13: Runde weiter, als ob nichts Endgültiges geschehen sei, und vertagte dann die Konferenz auf unbestimmte Zeit.

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  2. #42
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    Standard AW: German Werth Der Krimkrieg : Geburtsstunde der Weltmacht Russland


    Sewastopol im Mai

    Wir haben heute den wundervollsten ersten Mai nach einer Woche nassen, rauen Wetters«, schrieb der englische Stabsoffizier Calthorpe
    • »Ich hoffe, es ist eine Vorbedeutung für künftige günstige Erfolge. «Der russische Artillerie Offizier Leo Tolstoi auf der anderen Seite war weitaus weniger optimistisch »Die Stimmung sinkt täglich


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    Und der Gedanke an eine mögliche Einnahme Sewastopols äußert sich jetzt in vielem.«
    Seine Hochstimmung vom Dezember war dahin. Er hatte nun die Kehrseite des Krieges entdeckt: das entsetzliche Elend in den Lazaretten, die miserable, veraltete Bewaffnung mit dem veralteten Steinschloßgewehr, die schlechte Unterkunft und Verpflegung sowie die schlechte Behandlung des Soldaten, dem beim sinnlosen Fuß- und Gewehrexerzieren der letzte Funke Stolz ausgetrieben wurde, die Korruption in der Militärverwaltung.
    Nach Überzeugung eines Stabsoffiziers verlor die russische Armee »vier von fünf Männern, bevor sie in die Reichweite ihrer Musketen vorrücken konnten«.
    Noch war Tolstois Erzählung »Sewastopol im Dezember« nicht in Russland erschienen, aber ihre Veröffentlichung stand kurz bevor. Sie hatte die Zensur passiert und allerhöchstes Interesse gefunden.
    Im Gegensatz zu Russell und Kinglake auf der anderen Seite, war Tolstoi kein Kriegsberichterstatter oder Zivilist mit der Unverbindlichkeit eines Schlachtenbummlers, einmal abgesehen davon, daß Kinglake trotz aller Akribie in erster Linie daran gelegen war, den englischen Anteil am Krimkrieg ins beste Licht zu setzen, während Russell die Kluft zwischen den aristokratischen Offizieren und dem einfachen Mann zu seinem Lieblingsthema machte. Tolstoi war mehrmals in Lebensgefahr gewesen und hatte die Skala der menschlichen Gefühle durchgemacht, von der krassen, kreatürlichen Angst bis zum Hochgefühl des Individuums, das sein Schicksal zu meistern glaubt und in der »Gefahr, dem Spiel um Leben und Tod, einen besonderen Reiz findet«. Wenn er ehrlich war, hielt er die Eitelkeit für die hervorstechendste Eigenschaft des Menschen, und das galt für beide Seiten der Front: »Eitelkeit, Eitelkeit, noch am Rand des Grabes und bei Menschen, die für eine hohe Idee zu sterben bereit sind. Eine Krankheit unserer Zeit.« Er fand es trotzdem gut, daß Fürst Menschikow nach jedem Einsatz Orden verteilte; Ordensvorschläge, die drei Monate brauchten, um bewilligt zu werden, hätten für einen, der jeden Augenblick des Todes gewärtig sein muss, wahrhaftig keinen Wert. Von den hohltönenden Phrasen der Tagesbefehle und offiziellen Ansprachen unterschieden sich seine Berichte deutlich, die er an die Militärverwaltung sandte, um sie in einer Zeitung für die Soldaten abdrucken zulassen. Es fehlte ihnen auch jede glorifizierende Kriegsromantik,


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    obwohl die Liebe zum Vaterland trotz aller Skepsis und Verachtung des Kasernenbetriebs den Grundton abgab. Tolstois Vorbild ist Stendhal, dessen »Kartause von Parma« er in Sewastopol in seinen freien Minuten liest.
    Einen Tag nach dem 1. Mai mussten die Russen wiederum einen Rückschlag hinnehmen, als die Franzosen die neuen Grabenstellungen vor der Mast- und Zentralbastion eroberten und nun die Schanzarbeit ihres Gegners für sich selber ausnutzten, die Gräben umdrehten. Viermal versuchten die Belagerten, ihre alte Stellung zurückzuerobern, bevor sie sie verloren gaben.
    Dann trat eine allgemeine Ruhe an der Front ein, an der aber nicht etwa der Zustand der Erschöpfung die Ursache war während die beiden Oberbefehlshaber, General Canrobert und Feldmarschall Raglan, bisher selbständig vor Ort entscheiden konnten, was sie zur Fortsetzung des Kampfes für richtig hielten, mischten sich nun mehr und mehr die Politiker in den Krieg auf der Krim ein Die Einrichtung der Telegraphenlinie zwischen Varna und Balaklawa spielte dabei eine entscheidende Rolle, weil nunmehr Weisungen und Depeschen aus den Kriegsministerien in London und Paris auf schnellstem Weg direkt die beiden Hauptquartiere erreichten und den Generalen kaum mehr Spielraum für eigene Entschlusse ließen Dies führte auch zu Verstimmungen zwischen Raglan und Canrobert in dessen Operationsführung Napoleon III immer stärker hineinredete Offenbar war ihm die Lage vor Sewastopol und die Bedingungen auf der Krim in
    Paris besser bekannt als seinen eigenen Generalen vor Ort, denn Mitte Mai überraschte er sie mit einem großen Feldzugsplan, der die Entscheidung des Krimkriegs bringen sollte
    Der Plan bestand darin, die Belagerung einzufrieren, zwei große Armeen zu bilden, mit einer Armee, der französischen, zwischen Jalta und
    Teodosia (Kaffa) zu landen und auf die in der Mitte der Krim ‚ rund 100 km entfernte Stadt Simpheropol loszumarschieren während die andere Armee Sewastopol auf der Nordseite abriegelte und die Mackenziehöhen angriff Das Ziel war, Sewastopol vom
    Hinterland abzutrennen und die Entsatzarmee der Russen in die Zange zu nehmen. Der Stabsoffizier Calthorpe fand den Plan völlig unrealistisch, da er Zufall, Misslingen und Unglück nicht in seine Überlegungen einbezog - die bekannten »Friktionen«, die jeder General eigendlich zu bedenken hatte, wenn er nicht als Phantast gelten



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    wollte. Raglan weigerte sich schon allein aus dem Grund, weil er die englische Front vor Sewastopol in der Zwischenzeit den Türken anvertrauen sollte; seinen Worten nach würden die Russen jede hier erbeutete Kanone als englische Kanone ausgeben, was sie in der Tat auch mit den am Tag von Balaklawa in den türkischen Redouten eroberten Kanonen gemacht hatten. Sie wurden im Zeughaus des Kreml als Beutestücke aus den englischen Redouten ausgestellt.
    Schon vorher war es zu Unstimmigkeiten zwischen dem französischen und englischen Oberbefehlshaber gekommen, an denen Canrobert nicht ganz unschuldig war. Den für den 28. April gemeinsam beschlossenen Sturm auf die neu errichteten Redouten und Außenstellungen der Russen hatte Canrobert kurzfristig absagen lassen: Er wollte erst noch weitere Verstärkungen abwarten, die ihm gerade über den Telegraphen aus Konstantinopel angekündigt worden waren. Nach Calthorpes Ansicht durfte nichts von dem »Unverstand« im französischen Hauptquartier nach außen dringen, um auf Anweisung Londons nicht »die Verbindung mit den Franzosen auch nur im Geringsten zu gefährden«.
    Unter seinen Soldaten war Canrobert so unpopulär, daß während der Parade am 26. Mai die Regimenter des 1. Korps »mit vollkommenem Schweigen« an ihm vorbeidefilierten. Nach Calthorpes Eindruck brannten die französischen Offiziere geradezu auf einen Angriff gegen die Festung, während Canrobert, inzwischen mit dem Spitznamen »l‘Anxieux« - der Bedenkliche - versehen, das zu erwartende Blutvergießen hinauszuschieben beabsichtigte.
    Am 29. April hatten Raglan und Canrobert zusammen mit den beiden Admirälen beschlossen, die Flotte zu einer Expedition nach Kertsch zu schicken, um die russischen Nachschublinien zwischen der Krim und dem Asowschen Meer zu unterbrechen. Einen Tag später ließ
    Canrobert ausrichten, sich wegen der Befürchtung eines russische Ausfalls nicht beteiligen zu können. Allein Raglan konnte ihn noch einmal zur Teilnahme überreden. Canrobert glaubte, daß der Flottenausflug nach Kertsch im Grunde nur dem Renome der Engländer - diente, die bei der Belagerung hinterherhinkten.
    Kaum hatten am 3. Mai die für die Expedition bestimmten Flottenteile die Bucht von Balaklawa und Kamiesch verlassen, als Canrobert wiederum im Hauptquartier Raglans erschien, um alles abzublasen ein Befehl des Kaisers sei über den Telegraphen eingegangen,


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    Transportschiffe zur Abholung der Verstärkungen in Konstantinopel einzusetzen.
    Ein Dampfer preschte mit dem Befehl zur Umkehr zu der Stelle, die auf hoher See als Sammelplatz für die Expedition bestimmt worden war. Als am 8. Mai endlich die Genehmigung Napoleon III. für den Flotteneinsatz gegen Kertsch eintraf, wollte Canrobert wiederum erst auf das angekündigte Eintreffen der Italiener au Piemont warten. Streit gab es auch zwischen Canrobert und dem von Napoleon III. protegierten Pelissier, wobei Pelissier auf die Hilfe des fleißig spionierenden Niel zählen konnte, was die Frage der weiteren Methode betraf: die zeitaufwendige Bombardierung weiterzubetreiben oder alles auf einen entschlossenen Sturmangriff zu setzen. Jeder beschuldigte den anderen; der bisherige französische Ingenieur-General Forey verließ die Krim, weil er der Zusammenarbeit mit den Russen bezichtigt wurde.
    Canrobert wurden sogar Selbstmordabsichten nachgesagt, als er sich einem vorderen Grabenstück in einer Art und Weise exponierte, den Verdacht nahelegte, er warte ganz offensichtlich nur auf den Schuss eines russischen Scharfschützen. Am 12. Mai traf mit dem Ordonanzoffizier des Kaisers, Fave, ein weiterer Aufpasser aus Paris ein. Es war in der französischen Hauptstadt-
    kein Geheimnis, daß der ohne Ruhm und Ehre in aller Heimllchkeit noch vor dem Ausbruch des russischen Winters nach Paris zurückgekehrte Prinz Napoleon üble Gerüchte über Canrobert ausstreute
    Da kam in der Nacht vom 18. zum 19. Mai die Nachricht vom Wechsel im französischen Oberkommando über den Telegraphen. Canrobert übernahm auf eigenen Wunsch seine alte Division, während
    - .Jacques Pelissier neuer genral en chef wurde. Nach einer nur kurzen Sitzung zwischen Raglan und dem energischen und skrupelloseren Oberbefehlshaber einigten sich beide auf eine Aktion gegen Kertsch und den Sturm auf die beiden Redouten, von den »Weiße Werke« genannt, sowie den Grünen Hügel. Beides sollte zeitlich zusammenfallen. Sogleich wurde mit der Wiederaufname der Kampftätigkeit in den vorderen Stellungen begonnen. Mit der Ernennung Pelissiers hatte Napoleon III. ganz offensichtlich seinen eigenen Plan aufgegeben, auf der Krim zu erscheinen; denn der


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    bescheidene und gefügige Canrobert wäre als zweiter Mann unter seinem Oberbefehl genau der Richtige gewesen, ob als »Werkzeug oder als Sündenbock«, wie Wilhelm Rüstow 1855 erkannte. Und wie dieser deutsche Beobachter des fernen Geschehens am Schwarzen Meer mit scharfem Witz meinte, war die Wahl des 6ljährigen Pelissier nicht gerade ein glücklicher Griff, da dessen »europäischer Ruf sich bisher vorzugsweise an die Ausräucherung der Kabylen in den Grotten von Dahra knüpft, eine Tat, welche auch ganz gut geeignet sein würde, den Ruf eines großen Räuberhauptmannes zu begründen, der darum noch kein Feldherr zu sein braucht«.
    Inzwischen machten die alliierten Flotten »Razzia« auf dem Asowschen Meer. Sie versenkten Transportschiffe, beschossen Küstenorte, auch wenn es sich nicht um militärische, sondern private Einrichtungen handelte, beschlagnahmten Kohlevorräte, zündeten Getreidespeicher an, plünderten Schlösser und Villen aus, sprengten Uferbefestigungen, kurzum: schossen auf alles, was vor ihre Rohre kam. Da der Krimkrieg von den westlichen Mächten zu einem Kriege der Zivilisation gegen das Barbarentum erklärt worden war, fand Wilhelm Rüstow dieses Benehmen merkwürdig, blieb aber dabei, daß »im Krieg eben jede Partei der anderen zu schaden versucht - und wenn die Städte des Asowschen Meers wehrlos waren, so ist das die Sache der Russen, nicht die der Verbündeten«.
    Der Erfolg der Flotte färbte auf die Engländer vor Sewastopol ab. Lord Raglan ließ sich am Geburtstag der Queen die neu aufgestellte und erholte englische Kavallerie vorführen und nahm auch eine Parade der schweren Feldartillerie ab.
    Insgesamt standen nun 35000 Engländer auf der Krim - aber 100000 Franzosen.
    Ende Mai verlegten die beiden Verbündeten ihre Verteidigungslinie gegen einen Angriff von außen nach vorn, um sich Luft zu machen. Sie besetzten so gut wie kampflos die Hügelkette vor der Tschernaja vonden Ruinen bei Inkerman bis zum Dorf Tschorgun. Die frisch ausItalien eingetroffenen Verbände, 14000 Mann, bekamen den rechte Flügel gleich neben den Türken.
    General Calthorpe imponierten die bequemen, leichten Krankenfuhrwerke der Italiener mit ihren gepolsterten Sitzen. Es gab - Krankenwagen zweiter und erster Klasse, letztere ganz besonders bequem ausgestattet für die verwundeten Offiziere. »Was für


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    Geschrei würde das englische Volk erheben, wenn sich in unserer
    Armee besondere Krankenwagen für die Offiziere befänden!«

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    Stellungskrieg

    »Der Mamelon, die Weißen Werke und die Steinbrüche werden am 7. Juni genommen«, so General Pelissier auf der Lagebesprechung am
    5. Juni, »denn Lord Raglan und ich haben es beschlossen!« Die anderen Generäle kamen zwar zu Wort, aber ihr Rat war nicht gefragt: »Sie alle sind Männer von Wissen und Erfahrung und können mir den besten Rat geben, wenn ich ihn verlange - aber in diesem Augenblick verlange ich ihn nicht!« Auch der Angriffszeitpunkt wurde von Pelissier bestimmt, er setzte ihn auf den späten Nachmittag an, wenn der Feind, der gewohnheitsmäßig bei Tagesanbruch mit Angriffen rechne,
    keine Offensive erwarte. Auch Raglan hatte Pelissier in seiner konzilianten Art nicht widersprochen, da das britische Kontingent
    wegen seiner geringen Schlagkraft ohnehin auf die Franzosen angewiesen war. Bei den erwähnten Stellungen handelte es sich um vorgeschobene Werke der Russen, um die sich seit Ende Februar die Kämpfe konzentrierten.
    Ein nur kurzer Feuerschlag von 24 Stunden sollte dem Sturm vorausgehen, also nicht das bisher übliche lange Vorbereitungsfeuer. Tatsächlich ließen sich die Russen am 7. Juni durch vorgetäuschte Geschäftigkeit auf der Front vor der Stadtseite, auf der sie immer noch den Hauptangriff erwarteten, überraschen. Pelissier hatte 42 Bataillone 30000 Mann eingesetzt, eine schwierige Organisationsaufgabe‚ da sich durch die Aufstellung eine drangvolle Enge in den
    Paralellgräben und Laufgräben ergab. Um halb sieben Uhr abends begann der Sturm auf die Redouten an der Sapeurstraße, eine halbe Stunde
    später waren sie bereits erobert, da die Angreifer in einem Verhältnis von 5:1 den Verteidigern überlegen waren. Im Zentrum überrumpelten die Franzosen auch die Verteidiger in der Redoute Kamtschatka auf dem Grünen Hügel, verfolgten die fliehenden Russen leichtsinnigerweise bis zur Malakow-Bastion, wo sie in ein mörderisches Abwehrfeuer gerieten, so daß sie nun ihrerseits wieder fliehen mussten Die Russen nutzten dies zu einem Gegenstoß aus, der sie in den Besitz der Redoute brachte. Erst ein zweiter energischer


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    Angriff, den General Bosquet befahl, verdrängte sie endgültig. Während die Dunkelheit hereinbrach, begann in den eroberten Stellungen eine fieberhafte Schanztätigkeit, um sie für die Verteidigung vorzubereiten und in das eigene Stellungssystem einzubeziehen. Seine Vorliebe für die Offensive hatte Pelissier bereits in der Nacht vom 22. zum 23. Mai gezeigt, als Probe aufs Exempel - das »kunstloseste Drauflosgehen, welches nur gedacht werden kann«. In dieser mondhellen Mainacht hatte er die vorgeschobenen Stellungen der Russen am Friedhof bei der Quarantänebucht zwischen Bastion Nr. 5 und Nr. 6 mit mehr als 11 000 Mann frontal angreifen lassen, unter ihnen die Fremdenlegion, der der Vortritt überlassen blieb. Der Angriff war gescheitert, doch die Russen hatten in der zweiten Nacht die Stellung aufgegeben, als Pelissier den Angriff wiederholen ließ. Seine Zähigkeit hatte also letzten Endes Erfolg gehabt, während die Russen den Vorteil dieser Position, aus der heraus sie die Gräben der Franzosen wirkungsvoll beschießen konnten, preisgaben, weil ihre Verluste zu hoch waren: 2500 Mann, ein Fünftel der hier eingesetzten Truppen. Pelissier hatte seine eigenen Verluste geheim gehalten, »wahrscheinlich weil sie um nichts hinter den russischen zurückblieben«. Es gehörte zu seiner neuen Taktik gegenüber Napoleon III., sich nicht durch Vorhaltungen stören zu lassen. In einer Depesche nach Paris hatte er die geglückte Frontbegradigung in einen großen Sieg umgewandelt, nach »glorreichen, blutigen Kämpfen«.
    Wie nach dem Gemetzel am 22. und 23. März folgte am 9. Juni ein Waffenstillstand. Dieser Brauch hatte sich eingebürgert, jedoch nicht aus Pietätsgründen: »Die im Mai eingetretene Hitze beschleunigte die Verwesung der zahllosen schlecht verscharrten Leichen, die die Luft verpesteten und die Gefahr eines erneuten Ausbruchs der Cholera befürchten ließen.« Bei Beginn einer Waffenruhe wurden auf jeder Seite der Front zwei Linien abgesteckt, die einen Zwischenraum, einen neutralen Raum ließen, den nur unbewaffnete Soldaten betreten durften, um die Toten der gegnerischen Seite dort zum Abhole] abzulegen. Zwischen den Leichen und Verstümmelten spazierten die Offiziere beider Seiten umher. Der Engländer Calthorpe war s - darauf, bei dieser Gelegenheit Todleben zu begegnen. Die nächste Offensive wurde sofort festgelegt. Auf Wunsch Napoleons III. wurde der Jahrestag der Schlacht von Waterloo, der 18. Juni gewählt, um Engländer und Franzosen, die damals gegeneinander


    Seite 264

    kämpften, nun nebeneinander als Bündnispartner zu zeigen. Die Einnahme von Sewastopol sollte die Erinnerung an die endgültige Niederlage des ersten Kaiserreichs der Franzosen auslöschen. Die Stärke der Sturmtruppen war auf französischer Seite fünfzehnmal so groß wie die der Briten.
    Die Engländer hatten nun keine Transportprobleme mehr, um Munition und Nachschub vom Hafen heranzuschaffen, seit es die Feldeisen bahn von Balaklawa zum Hauptdepot auf dem Chersones-Plateau hinter der Front gab. Es war die erste ausschließlich für militärische Zwecke angelegte Eisenbahnlinie der Weltgeschichte, zwar nur 9km lang, doch in der Lage, den Transport eines schweren Geschützes vom Hafen bis in die Stellung in 7 Minuten zu bewerkstelligen. Obwohl für die Infanteristen nun die schwere Plackerei mit dem Transport von Granaten entfiel, gab es in den Militärlagern böses Blut, weil die 250 irischen Eisenbahnarbeiter, alles Zivilisten, sonntags frei hatten. Ein Feiertag kam nach Calthorpe für die Soldaten jedoch nicht in Frage,
    weil der Krieg ja sonntags ebenfalls nicht ruhte und - das war eigentlich der Hauptgrund - die Trunksucht unter den nicht beschäftigten Soldaten sofort sprunghaft zunahm. Auf englischer Seite gab es 1855 eine weitere Premiere. Eine der ersten Fotographien aus dem Krimkrieg wurde im Hafen von Balaklawa gemacht und zeigte die mit .Kriegsmaterial, Vieh und Transportwagen völlig verstopften Kaianlagen. Sie stammte von Roger Fenton. Er war ein halbes Jahr nach
    Russell von der Times auf der Krim angekommen, um den Kriegsschauplatz zu Fotographieren, als erster Kriegsfotograph der Welt.
    Fenton war durch seine Aufnahmen von einer Russlandreise berühmt ‘geworden, hatte im Auftrag der Queen die königliche Familie porträtiert und dann die Stelle als offizieller Fotograph des Britischen Museums übernommen.
    Fenton schwebte häufig in Lebensgefahr, während er seine Aufnahmen machte. Mit seinem als Dunkelkammer hergerichteten Pferdewagen fuhr er bis in Frontnähe, ging dann mit seinem Assistenten zu Fuß weiter und baute Stativ und Kamera auf. »Ich war losgegangen«, beschrieb er seine ersten Erfahrungen, »als eine Staubwolke vor uns daß etwas in unserer Richtung unterwegs war.« Natürlich
    konnte er das Geschoß, eine Vollkugel, nicht sehen, es machte sich nur durch

    hintereinander schnell aufspritzende Erdfontänen bemerkbar, so das Fenton schleunigst den Platz räumte. Widerstrebend

    Seite 265

    wählte er sich eine andere Ansicht des Tals, etwa »100 m von der besten Stelle« entfernt.
    Unter anderem fotographierte Fenton das Tal des Todesschattens, einen mit Kanonenkugeln übersäten Geländeeinschnitt inmitten einer baumlosen Wüste, die einen charakteristischen Eindruck von der Öde und Monotonie des Schlachtfeldes vermittelt. Er hielt Generäle bei der Beratung, Regimenter beim Appell und Soldaten beim Lagerleben fest, er fotographierte die typischen Kanonenbatterien, deren Seitenwände und Traversen durch Sandsäcke und durch mit Erde aufgefüllte hohe Flechtkörbe gesichert waren, und die riesigen Mörsergeschütze in Ruhestellung.
    Das Verfahren war umständlich. Die Belichtungszeiten reichten bis zu 20 Sekunden. Nach der Aufnahme zog sich Fenton in seine fahrbare Dunkelkammer zurück, um in der unerträglichen Sommerhitze, die auf dem Dach lastete, seine Platten zu entwickeln.
    Im Juli kehrte Fenton erschöpft und cholerakrank nach London zurück und zeigte noch im selben Jahr seine Fotos in London und Paris auf der Weltausstellung, so daß die Besucher sich ein Bild vom Orientkrieg machen konnten. Die Abbildung von Toten und Schwerverwundeten war ein Tabu. Zu diesem Zeitpunkt wusste schon alle Welt, daß der große Angriff am Waterloo-Tag ein Fehlschlag war. Pelissier hatte nach einer 24stündigen Kanonade auf breiter Front das Feuer einstellen lassen, eine Pause eingelegt und den Sturm ohne vorherigen Feuerschlag angesetzt - eine neue Variante seines Einfallsreichtums, gegen die Raglan ebenso vergeblich protestiert hatte wie gegen die kurzfristige Vorverlegung des Angriffszeitpunkts auf 1/2 3 Uhr morgens - die gefährlichste Stunde an der Front, in der die Wachsamkeit am größten war.
    Die Verteidiger ließen sich auch nicht überraschen, die Truppenbewegungen waren ihnen nicht verborgen geblieben. Zu allem Unglück für die Franzosen stieß eine russische Patrouille im Morgengrauen auf die Bereitstellungen an der großen Bucht, beim rechten Flügel des französischen Angriffs. Als sich an dieser Stelle ein lebhaftes Gefecht entwickelte, gab der französische Kommandeur dieses Abschnitts, General Mayran, vorzeitig das Signal zum Angriff gegen die Hafenbatterien, um wenigstens noch den Augenblick der Überraschung auszunutzen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Pelissier noch nicht einmal auf seinem vorderen Befehlsstand in einer ehemaligen Lancaster-Batterie.


    Seite 266

    Kaum angekommen, gab er sofort den allgemeinen Befehl zum Angriff noch vor dem zeitlich verabredeten Angriffszeitpunkt. Dadurch wurde die Verwirrung nur noch größer. Überstürzt verließen die auf den kleinen Redan und die nördliche Seite des Malakow-Turms angesetzten Regimenter des General Brunet die Gräben und gerieten in das sofort einsetzende Abwehrfeuer der Russen. Nur auf dem linken Angriffsflügel unter General d‘Autemarre überwanden die Franzosen die erste Verteidigungslinie der Russen, die Batterie Gervais südlich des Malakow-Turms, und konnten sogar bis in die Vorstadt eindringen, wo nunmehr ein Kampf Haus um Haus entbrannte. Nach einer Stunde schickte der General einen Melder zu Pelissier, um Verstärkung anzufordern, falls man die Stellung halten wollte. Dieser brauchte jedoch über eine Stunde Zeit, um sich durch das Gewühl bis zu Pelissier durchzuschlagen, so daß sich die Gesamtsituation schon zum Schlechten verändert hatte.
    Die Engländer warteten vergeblich auf ihr Stichwort: die französische auf dem Malakow-Turm. Schließlich wollte Raglan seinen Bündnispartner nicht im Stich lassen und gab den Angriffsbefehl. Bei dem Sturm vom 7. Juni hatte er sich auf dem Cathcart-Hügel oberhalb des Tals des Todesschattens aufgehalten, auf der Höhe der ersten Parallele . Diesmal exponierte er sich im vorderen Frontbereich der dritten Parallele hinter den Steinbrüchen, ohne Deckung zu nehmen.
    Raglans Gestalt in ihrer eigenwilligen Kostümierung mit blauem Gehrock‚ weißem Hemd mit schwarzer Krawatte und hellem Tropenhelm war unübersehbar. Ein Pionier mit Signalflaggen wurde in Stücke gerissen, Generalquartiermeister Airey von einem Arm getroffen, den eine Kanonenkugel einem entfernt stehenden Offizier abgerissen hatte. Schließlich bat Raglan seinen Offizier, Deckung zu nehmen,
    während er sich weiterhin über die Brüstung lehnte. Calthorpe missfiel diese
    unnötige Tapferkeit ebenso wie die Angewohnheit der Generäle sich beim Sturm an die Spitze zu setzen, weil bei ihrem Tod das Kommando an einen Offizier überging, der meist nicht ausreichend mit der Angriffsdisposition vertraut war. Von fünf englischen Generälen fielen an diesem Tag vier, unter ihnen Campbell. Der Angriff
    brach sofort zusammen, obwohl alles vorwärts drängte. Nicht einmal ein Hornist war aufzutreiben, um entsprechende Signale zu geben. General Brown, der für den chaotischen Angriff verantwortlich war, überlebte.


    Seite 267

    Als schließlich alle Überlebenden wieder in den Ausgangsgräben waren, gab Raglan den Befehl, das Artilleriefeuer zu eröffnen, um das Versäumnis Pelissiers wettzumachen. Nach einer dreiviertel Stunde waren die russischen Batterien auf dem großen Redan zerstört. Raglan machte sich selbst auf den Weg, um Pelissier zu einem zweiten Angriff zu überreden. Inzwischen hatte Pelissier jedoch resigniert, seinen eigenen Angriffsbefehl widerrufen und den allgemeinen Rückzug ins Auge gefasst.
    Kurioserweise hatte eine Einheit von Irländern auf der Woronzowstraße sogar die ersten Häuserreihen von Sewastopol erreicht und war bis in den Rücken der Mastbastion vorgedrungen, ohne daß es General Brown gemeldet wurde. Die Irländer hielten sich 17 Stunden in der Vorstadt auf, bedienten sich aus den Weinkellern der verlassenen Häuser und warteten auf Befehle. Schließlich zogen sie sich zurück, als die Russen mehr Zeit für sie aufbrachten. Die groteske Eskapade täuschte über den mörderischen Charakter des 18. Juni, der bald Waterloo-Karabelnaja hieß. Die Engländer kamen auf 1 570 Mann Verluste, die Franzosen auf über 5000 Mann, von denen Pelissier in seinen Angaben einfach 2000 unterschlug, um sich der Kritik aus Paris zu entziehen. Eine große Missstimmung zwischen den Alliierten war die Folge.
    Pelissier tadelte in seinem Schreiben die Engländer wegen der »unglaublichen Schwerfälligkeit« in ihren Bewegungen und schob die Schuld seinen Generälen zu; nach seinen Worten hätte er General Brunet und Mayran vor ein Kriegsgericht gestellt, wenn sie nicht gefallen wären. Es war nun auch klar, daß General Bosquet, der beste Kopf unter den französischen Generälen, bei der Schlacht gefehlt hatte. Doch war er auf Pelissiers Befehl an die Tschernaja strafversetzt und damit kalt gestellt worden, weil er es unterlassen hatte, ihm die Erbeutung eines Plans des Malakowturms am 7. Juni sofort zu melden.
    Mit seinem System der »unablässigen Bockstöße« war er jedenfalls gescheitert. Trotzdem meinte unter anderem der deutsche Militär- schriftsteller Wilhelm Rüstow noch im selben Jahr, daß das brutale »System Pelissier« den Forderungen und Bedingungen des neuen Stellungskrieges besser entspreche als das klassische Belagerungssystem, weil es sich nicht mehr um eine »reguläre Festung« handle.
    Ein englischer Admiral kam sogar auf die Idee, Gas, d. h., brennenden


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    Schwefel als Atemgift, einzusetzen, um den in seinen Stellungen untergetauchten Gegner zu töten; ganz offensichtlich gab es in London beim Hantieren mit dem Versorgungsgas soviel Unfälle und Selbstmorde, daß der Einsatz dieser modernen Energiequelle zu Kriegszwecken schon jetzt einen Erfolg auf besonders breiter Basis versprach. Zum Einsatz kam aber auch nicht ein Gasballon, den die Franzosen zusammengelegt mitgebracht hatten.
    Pelissier fiel vorübergehend in Ungnade, als Napoleon III. aus russischen Veröffentlichungen von den wirklichen französischen Verlusten erfuhr. Pionier-General Niel sollte ihn ersetzen, ein Anwalt der großen Feldschlacht. Bereits am 7. Juni hatte Pelissier den Kaiser verärgert, als er das telegraphisch übermittelte Verbot zum Sturm auf den Grünen Hügel ignoriert und beschlossen hatte, das Telegramm erst nach dem Angriff gründlich zu lesen! In einem couragierten Schreiben bat er seinen Kaiser, die Blicke nicht bloß auf »das glänzende Andenken von Austerlitz und Marengo« zu richten, sondern auch auf den »Widerstand von Eylau«, einer Schlacht also, die wegen des preußischen Kampfgeistes große Verluste mit sich gebracht hatte. Statt Pelissier löste Napoleon III. General Canrobert ab, dessen Ansehen bei der Truppe wieder gestiegen war, während man von Pelissier nun wusste, daß er »das Leben seiner Soldaten für nichts achtete, so lange bis er seinen Zweck erreicht hat« (Caithorpe). Auf Befehl Napoleons III. hatte Canrobert aus Krankheitsgründen nach Frankreich zurückzukommen.
    Lord Raglan war zutiefst deprimiert. In London wurde seine Ablösung beschlossen. Ein Abgeordneter namens Roebuck, der durch seine Speichelleckerei bei seinem Besuch auf der Krim aufgefallen war, trug im Unterhaus eine vernichtende Kritik an der englischen Armee vor, die dort nur die Rolle einer »französischen Division« spiele. Ein Gemälde, das ein englischer kunstbeflissener Offizier auf der Krim von ihm malte, zeigte den englischen Oberbefehlshaber müde, alt und abgekämpft im Zimmer seines Hauptquartiers, wie er gerade eine Londoner Tageszeitung mit den neuesten Berichten sinken ließ, neben ihm als Vision die Gestalt Wellingtons, der Raglan mit ausgestreckter Hand auf zwei Medaillen mit der Inschrift Pflicht und Vaterland aufmerksam macht - Trost und Mahnung zugleich. Am 28. Juni starb Raglan an der Cholera, der sein geschwächter Gesundheitszustand keinen Widerstand mehr bot. Während der feierlichen


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    Überführung seines Sarges auf die Caradoc im Hafen von Balaklawa schwiegen sogar die russischen Geschütze, um den Gegner zu ehren. Die Kapellen von drei Regimentern spielten den Totenmarsch aus Händels Oper Saul. Am 11. Juli konnten sich die Alliierten revanchieren, als Admiral Nachimow, am Malakow-Turm tödlich verwundet, in der Kathedrale von Sewastopol neben General Kornilow beigesetzt wurde. Die Verwundung Todlebens, der die Festung verlassen mußte, war ein weiterer schwerer Verlust für die Belagerten.
    »Nichts Wichtiges« von der Front, meldete Calthorpe im Juli 1855 nach London. Doch gehörten die Monate Juni, Juli zu den kritischsten Phasen der Schlacht um Sewastopol. Die Alliierten schienen wieder an dem Punkt angelangt zu sein, an dem sie vor über einem halben Jahr begonnen hatten. Während sich das Schlachtfeld von Balaklawa mit bunten Blumen einer üppigen Vegetation bedeckte und die Offiziere der Observationsarmee im Hinterland an der Tschernaja spazieren gingen, kam mit der Sommerhitze in den Lagern die Cholera zurück, eine zwangsläufige Folge der Anhäufung von Menschen und Einrichtungen auf engstem Raum. Trotz scharfer Verordnungen, Müll und Abfälle nicht in Lagernähe wegzukippen und Kadaver metertief zu vergraben, stieg die Sterblichkeitsrate. Die Belagerung hatte sich zu einem Stellungskrieg entwickelt, die Feldgefechte zu Materialschlachten denen unaufhörlich Munition und Nachschub zu geführt werden mussten, ein Ding der Unmöglichkeit ohne den permanenten Pendelverkehr der Dampfer auf dem Schwarzen Meer zwischen Krim und Konstantinopel.
    Der Stellungskrieg, der nun schon über zehn Monate dauerte, brachte für die Soldaten ganz neue, ungeahnte Belastungen mit sich. Es entstand die sogenannte Laufgräbenkrankheit, eine Mischung aus Ruhr, Erschöpfung, Erkältung, Skorbut. »In einem gewöhnlichen Feldzug«, so erinnerte sich Bazancourt, »liefert man eine Schlacht, Bleibt man Sieger, so setzt man seinen Marsch fort und mit Ausnahme eines kleinen Teils der Armee bleiben die übrigen von dem trauriger Anblick, all das vergossene Blut sehen zu müssen, verschont, und der traurigen Pflicht, die Gefallenen beerdigen zu müssen. Wird man geschlagen, so zieht man sich zurück«. Ganz anders die Situation vor Sewastopol, hier war der Soldat »buchstäblich an die Scholle fest bannt. Er sieht immer jene Stelle wieder, an welcher Tags zuvor sei Waffengefährten verbluteten, er sieht immer neue Tote, immer neue


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    Gräber, und Tag für Tag wandern die Tragbahren mit ihrer traurigen Bürde an ihm vorbei«.
    Ob dieses Schauspiel »herrlich« war, wie Bazancourt trotz allem meinte, nachdem er mit seiner Schilderung ein Stück von der Realität eines kommenden Weltkrieges mit seinen Materialschlachten vorweggenommen hatte, und ob »das Geschlecht der antiken Helden« hier auf dem modernen Ilion damit zurückgekehrt sei, war eine andere Frage.
    Die Hauptmacht der Italiener gelangte mitten in der großen Junihitze an, und sie war bereits angeschlagen, als sie den Fuß in Balaklawa an Land setzte. Der englische Dampfer Krösus mit ihrer Ausrüstung an Bord war bald nach dem Ablegen von Genua in Brand geraten; die Cholera hatte sich schon während des Transports eingestellt. In den kalten Nächten auf der Krim erwies sich die leichte Sommeruniform als völlig unangemessen. Bis zum 8. Juni hatte das sardische Korps bereits 900 Mann verloren, obwohl die Italiener an einer der angenehmsten Frontabschnitte ihr Lager aufgeschlagen hatten, in der Nähe von Tschorgun an der Tschernaja, also weit ab vom Schuss und vom Gestank des Schlachtfeldes. »Wir haben noch keinen einzigen Schuss getan«, schrieb ein Soldat nach Hause, »ich habe überhaupt noch keinen Russen zu sehen bekommen. Die Cholera wütet aber unter uns schlimmer als feindliche Kugeln es vermöchten. Dabei geht die Belagerung nicht vorwärts. Die Generäle der Verbündeten sind sich nicht einig. Ob wir so Sewastopol jemals nehmen werden?« Der Brief wurde am 26. Juni in der Turiner »Patria« abgedruckt. Die Soldaten verfluchten Cavour und die Politiker als Urheber ihrer Leiden. Die Opposition in Piemont bezeichnete es als unglaubliche Torheit, sich in den Orientkrieg einzumischen. Immerhin hatte Lamarmora, der ehemalige Kriegsminister, nun Oberbefehlshaber des Expeditionskorps, erreicht, daß die Italiener nicht als Hilfstruppen eingesetzt bzw. als Kanonenfutter verwendet wurden, sondern einen selbständigen Frontabschnitt erhalten hatten.
    Zum Kriegsrat wurde er vorläufig nicht hinzugezogen. Die Verstärkung der Alliierten wurde durch den Teilabzug der Türken wieder ausgeglichen, als Omer Pascha beleidigt die Krim verließ, weil seine Truppen nur zu den schmutzigen Arbeiten eingesetzt würden.
    Die Kämpfe beschränkten sich auf kleine Unternehmungen in den vorderen Stellungen. Natürlich wurde weiter geschanzt. Auf der


    Seite 271

    Stadtseite entwickelte sich der Stellungskampf zum Minenkrieg mit allen Raffinessen der Zeitzündertechnik. Auch der russische Oberbefehlshaber auf der Krim konnte auf Grund des Abwehrerfolges vom Juni keine Initiative zeigen, da die Verstärkungen erst noch unterwegs waren, um die Heere des Feindes »wie Spreu vom Boden des heiligen Vaterlandes wegzufegen«. Ende Mai waren die 4. und 5. Infanterie- Division und zwei Grenadier-Divisionen in Polen in Marsch gesetzt worden. Da sie ungefähr 90 Tage brauchten, um die rund 1000 km lange Strecke mitsamt Troß und Nachschub auf sandigen Wegen nach Sewastopol zurückzulegen, war bis Ende August nicht mit ihnen zu rechnen.
    Als die Belagerung nicht von der Stelle kam, tauchte sogar - wie Wilhelm Rüstow festhielt - bei einigen westeuropäischen Militärköpfen die Theorie auf, daß es für die Verbündeten umso besser sei, je länger der Kampf um Sewastopol dauere: »Dort hätten sie den Punkt gefunden, nach welchem hin Russland alle seine Scharen ergießt, dort brauche man diese nur zu erwarten, um Russlands Kraft zu brechen, um gewissermaßen alle Russen allmählich und einzeln dort totzuschlagen« - also Sewastopol als eine Art Blutmühle oder Blutpumpe des 19. Jahrhunderts.
    Das Artilleriefeuer ging Tag für Tag weiter. Auf beiden Seiten der Front nahmen die Soldaten den Krieg als Schicksal hin, wie Tolstoi festhielt: »Über ihren Köpfen wölbte sich der Sternenhimmel, über den unaufhörlich die feurigen Streifen der Granaten glitten.«

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  4. #44
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    Standard AW: German Werth Der Krimkrieg : Geburtsstunde der Weltmacht Russland

    Tschernaja - das letzte Gefecht

    Noch einmal versuchten die Russen in einer offenen Feldschlacht di Lage zu ihren Gunsten zu wenden. Aber die Handschrift, die diese Schlacht auf russischer Seite trug, verriet etwas von dem tiefen Pessimismus des Oberbefehlshabers Fürst Michael Gortschakow. Am 3. August hatte bereits Osten-Sacken, der Kommandant von Sewastopol, in einem geheimen Schreiben an den Kriegsminister Dolgon »das Herz voll tiefer Bekümmernis und brennendem Schmerz«, geraten, die Südseite Sewastopols zu räumen; bei der Wahl zwischen einem Übel und der Katastrophe sei dies die einzige Rettung! Gortschakow erhoffte sich auch nichts mehr von einer Offensive. Er hielt

    Seite 272

    es für Wahnsinn, gegen einen überlegenen Feind in uneinnehmbaren Stellungen alles auf eine Karte zu setzen.
    Auf russischer Seite spielte nun der Generaladjutant des Zaren von Wrewsky, der von Petersburg zur speziellen Berichterstattung auf die Krim geschickt worden war, dieselbe fatale Rolle wie vorher General Niel auf französischer Seite. Er gehörte zu den Befürwortern einer letzten großen Schlacht, zumal im Hauptquartier auch Unmut über die Passivität der Krim-Armee herrschte. Wrewsky plädierte für einen Sturm auf die Fediukin-Höhen.
    Alexander II., von seinen Beratern zum Handeln gedrängt, um Russlands politische Ausgangsposition bei kommenden Verhandlungen zu verbessern, überließ die Entscheidung den Generälen von Sewastopol. In dem Kriegsrat, der auf Befehl des Zaren dort einberufen wurde, entschied sich die Mehrheit der fünfzehn Generäle für die Offensive. Feldmarschall Gortschakow musste also die Leitung einer Operation übernehmen, die er nicht gewollt hatte: »Ich marschiere gegen den Feind, weil Sewastopol ohnehin in kurzer Zeit verloren wäre, wenn ich es nicht tue, Ich greife den Feind unter sehr schlechten Bedingungen an. Seine Stellung ist sehr stark. Ich habe mein Möglichstes getan, aber die Aufgabe war seit meiner Ankunft in der Krim zu schwer.«
    Ende Mai hatten die Alliierten ihre Verteidigungslinien vorgeschoben und standen auf dem linken Ufer der Tschernaja, wo sich vom Sapun-Rücken am Rand des großen Plateaus in östlicher Richtung mehrere Anhöhen wie ein Riegel bis zum Dorf Tschorgun erstreckten: die Fediukin-Höhen, in deren Rücken sich die Attacke der Leichten Brigade unter Cardigan abgespielt hatte, die Hasfort-Höhe und der Tschirkojasi-Berg. Zu Füßen der auf dieser Seite schroff abfallenden Anhöhen flossen im Tal die Tschernaja und der Kanal, der die Docks von Sewastopol mit Wasser versorgte, also eine doppelte Reihe von »natürlichen« Hindernissen. Zusätzlich war die massive Traktirrücke vor den Fediukin-Höhen durch einen Brückenkopf gesichert. Über die Traktir-Brücke führte jene Straße von den Mackenzie-Höhen, die die Alliierten bei ihrem berühmten Flankenmarsch Richtung Balaklawa vor nun fast einem Jahr passiert hatten.
    Immerhin gab es mehrere Furten durch den Fluss, doch der Kanal war tief, wenn auch schmal, die Abhänge auf den Fediukin-Höhen hatten die Verteidiger obendrein mit etagenweise übereinanderliegenden


    Seite 273

    Schützengräben versehen. Es handelte sich eher um eine Festung als um eine Schlachtaufstellung.
    Engländer, Franzosen, Italiener und Türken teilten sich die Verteidigung. Auf den Fediukin-Höhen standen die Franzosen mit 18000 Mann; im Rücken, auf der Ebene von Balaklawa, die französische und die englische Kavallerie-Division; die Hasfort-Höhe war von den Piemontesern unter General Lamarmora besetzt; und rechts von ihnen standen zur Flankensicherung 10000 Türken. Im ganzen also rund 40000 Mann.
    Gortschakow dagegen brachte immerhin 74000 Mann auf, von denen er nach eigenen Aussagen aber nur 47000 in die Schlacht führen konnte. Alle Regimenter waren nicht mehr in voller Kriegsstärke.
    Die Italiener hatten an zwei Stellen auf der anderen, rechten Seite der Tschernaja zusätzlich zwei Außenposten aufgestellt, auf dem Piemont-Felsen an einer Brücke südlich von Tschorgun, und auf dem Zickzack- oder Telegraphenberg nördlich des Dorfes.
    Gortschakows Schlachtplan war denkbar einfach - man konnte auch der Meinung sein, daß er überhaupt keinen bestimmten Plan besaß. Er wollte den Stier bei den Hörnern packen, d. h. frontal angreifen, behielt sich aber vor, erst nach Lage der Dinge auf dem Schlachtfeld den Befehl zu geben, wo der Schwerpunkt der Offensive liegen sollte. Eine Umgehung des Gegners war nicht möglich.
    Seine Armee bestand aus zwei Korps. Den linken Flügel bildeten die 6. und 17. Infanterie-Division unter General Liprandi; sie waren gegen die Italiener auf dem Hasfort-Berg vorgesehen und bezogen bereits am 15. August ihre Position, einen Tag vor der Schlacht. Aus der Richtung Sewastopols dröhnte anhaltendes Geschützfeuer. Von den Mackenziehöhen sah man den »roten Schein einer Feuersbrunst«, die sich in den Wolken spiegelte. Der rechte Flügel bestand aus der 7. und 12. Infanterie-Division, wurde von General Read kommandiert und hatte die Fediukin Hohen vor sich, deren Front durch die Traktir Brücke mit dem vorgeschobenen Brückenkopf geteilt wurde. Die 5. Division, als Reserve zurückbehalten, stand noch zusammen mit der 7. Division auf den Mackenzie-Höhen, als Reads Truppen im Morgennebel an der Tschernaja ankamen.
    Liprandi begann um vier Uhr früh mit dem Angriff, und es gelang seinen Truppen mühelos, zunächst einmal den italienischen Vorposten auf dem Zickzackberg zu verjagen - das Vorspiel zu den kommenden


    Seite 274

    Ereignissen. General Lamarmora fand Zeit genug, seine Truppen Aufstellung nehmen zu lassen. Nun bekamen auch sie endlich ihre Feuertaufe.
    Als Gortschakow nunmehr den Befehl zum Angriff auf den Hasfort-Berg geben wollte, hörte er auf seiner rechten Flanke plötzlich Kampflärm - General Read war, ohne den Befehl Gortschakows abzuwarten, bereits zur Offensive angetreten, und war mit der 12 Division gegen den Traktir-Brückenkopf.
    Damit war auch die Entscheidung gefallen, wo der Schwerpunkt der Offensive lag, ohne daß Gortschakow noch die Wahl gehabt hatte
    Als der Kommandeur der 5. Division, General Wrangel, Read darauf hinwies, daß es besser sei, im Divisionsverband anzugreifen - anstatt die Truppen regimentsweise zu verkleckern - bekam er die barsche Antwort: »Ich bin hier der Korpskommandeur! Befolgen Sie meine Befehle!« Read war berühmt für seine Fähigkeiten, Soldaten zur Parade abzurichten, seine Begabung auf dem Gefechtsfeld wurde angezweifelt, zu Recht wie sich nun zeigte Der vorzeitige Angriff beruhte auf einem Übermittlungsfehler, der jenem tragischen Missverständnis bei den Engländern am 25. Oktober ähnelte und zu dem Untergang der Leichten Brigade bei Balaklawa führte Anstatt zuerst einmal mit der Kanonade zu beginnen, hatte Read sofort die feindlichen Stellungen attackieren lassen, als ihm Gortschakows Adjutant Krassowsky den Befehl überbrachte, »es wäre Zeit anzufangen«, worauf er eigentlich noch warte Krassowsky war zu Gortschakow zurückgeritten und hatte ihn sogar auf die Möglichkeit eines Missverständnisses hingewiesen, daß Read sofort mit dem Gefecht beginnen wurde und nicht mit der vorbereitenden Beschießung - was der russische Oberbefehlshaber hinnahm, ohne eine weitere Klärung des Sachverhaltes anzuordnen Zu diesem Zeitpunkt hatte Reads rechte Kolonne, die 7. Division, noch nicht die Tschernaja erreicht, so daß seine 12 Division erst einmal allein den Franzosen am Brückenkopf gegenüberstand
    Überraschenderweise hatte Reads befehlswidriger Angriff zunächst Erfolg Die drei Regimenter Ukraine, Asow, Odessa von der 12 Division gingen rechts und links am Brückenkopf vorbei, warfen die mitgebrachten tragbaren Bohlen und Leitern uber den Fluss und über den Kanal und kämpften sich den Berg hoch Dann kam der Gegenangriff der französischen Reserven und drängte die Russen wieder ins


    Seite 275

    Tal zurück. Die Regimenter der 12. Division waren über die ganze Gegend verstreut und nicht mehr einsatzfähig. Read wurde von einer Granate tödlich getroffen, ohne Gortschakow gesprochen und Rechenschaft gegeben zu haben.
    Es war jetzt etwa 6 Uhr. Noch immer erschwerte der Morgennebel die Orientierung. Inzwischen waren auch die ersten drei Regimenter der 7. Division westlich von der Traktir-Brücke eingetroffen, überquerten die Tschernaja, doch gelang es ihnen nur, ein paar Schützengräben einzunehmen, bevor sie von den französischen Verstärkungen wieder über den Fluss zurückgeworfen wurden. Als Nachteil erwies sich hier, daß ein Regiment zuerst auf sein Brückenmaterial warten und dann, als es endlich eintraf, feststellen musste, daß es unbrauchbar war, so daß die Artillerie nicht folgen konnte - eine Panne, die an den missglückten Sturm auf Eupatoria am 17. Februar erinnerte, wo sich die Sturmleitern als zu kurz erwiesen hatten, so daß die Infanteristen umkehren mussten.
    Nach dem gescheiterten Angriff ging die 7. Division bis zum Fuß der Mackenzie-Höhe zurück und blieb auch dort; für sie war die Schlacht vorbei, kein Stabsoffizier Gortschakows erinnerte sich offenbar mehr an sie.
    Am Traktir-Brückenkopf erreichte der Kampf aber erst jetzt seinen Höhepunkt. Gortschakow setzte nun die bisher als Reserve zurückbehaltene 5. Division ein, zusammen mit Teilen der 17. Division vom linken Flügel. Zum zweiten Mal gelang es den Bataillonen, auf die Anhöhen hinaufzukommen, doch fehlte ihnen im entscheidenden Moment, als sie ermüdet und ungeordnet auf dem Hügelkamm auftauchten, die Kraft, den Erfolg auszunutzen. Auf der Höhe erwarteten sie bereits die Verstärkungen der Franzosen, ihre Geschütze schossen mit Kartätschen, also weit streuender Munition, die in dicht stehenden Infanteriereihen schreckliche Lücken riss. Nach einer geschlossenen Gewehrsalve drangen die Franzosen mit dem Bajonett vor und warfen die Russen ein zweites Mal die Anhöhen hinunter. A der Brücke kam es zu einem furchtbaren Gedränge, das den französischen Kanonieren ein ideales Ziel bot. Die schmale Wasserleitun deren Wände senkrecht gemauert waren, hatte sich, wie ein Augenzeuge sah, als schweres Hindernis herausgestellt. Sie brachte d Formationen in vollkommene Unordnung. Während die vordere Reihe unter dem massierten Feuer der französischen Artillerie hinüberzuklettern


    Seite 276

    versuchte, kam es in den hinteren Reihen zu Verzögerungen und Stockungen. »Der kleine Kanal war vollständig verstopft mit Toten, Verwundeten, Fliehenden.«
    Schon um sieben Uhr morgens gab Gortschakow den Rückzugsbefehl. Er hatte nur noch die große Hoffnung, daß die Franzosen den weichenden Russen folgen würden und ließ Geschütze auf halber Höhe der Mackenzie-Berge postieren, auf knappe Kanonenschußweite von der Tschernaja entfernt. Zu einer Flucht vom Schlachtfeld kam es nicht‘. Doch der zweite Teil der Schlacht fand nicht statt. Kein Franzose ließ sich sehen. Um zwei Uhr zog sich Gortschakow zurück. Die Italiener bestiegen erneut den Zickzackhügel.
    Die eigentliche Schlacht hatte nur drei Stunden gedauert. Alles war umsonst, trotz größter Tapferkeit der einzelnen Regimenter Jahre später sollte Gortschakow, ein Mann ohne fortune und Enthusiasmus, von Paskiewitsch der Unfähigkeit bezichtigt werden, auch Nikolaus I hatte ihm, Paskiewitsch, eingestanden, daß Gortschakow schon am Donauraum nach einem völlig gedankenlosen Plan verfahren habe, alle seine Unternehmungen verrieten Unschlüssigkeit und Mangel an Ruhe! Nach den Worten des alten Generalfeldmarschalls hatte Gortschakow gegen die Devise Napoleons verstoßen, seine Armee zu Konzentrieren und ständig in der Hand zu haben, stattdessen habe er sie zur Schlachtbank geführt
    Dieses Urteil setzte aber im nachhinein den alten Generalfeldmarschall
    ins Unrecht Erst hatte er 23 Jahre lang seinen Untergebenen in blinder Abhängigkeit gehalten, um ihm dann mangelnde Selbständig aufzuhalten Außerdem hatte er selber Gortschakows Aktionen Donauraum gebremst und aus Furcht vor einem Angriff der Österreicher die Belagerung von Silastria abbrechen lassen Und schließlich
    war Gortschakow in einem Augenblick zum Oberbefehlshaber auf Krim berufen worden, als ohnehin alles zu spät war Man konnte nicht gleichzeitig die Uneinnehmbarkeit der französischen Stellung betonen und dann den Sieg der Franzosen allein »der Schwäche Gortschakows« zuschreiben Zu den Verteidigern des Generals gehörte übrigens Leo Tolstoi, nur blieb seine Anmerkung, Gortschakow sei ein großer Mann, das heißt, ein fähiger und anständiger Mann«, im Tagebuch versteckt. Immerhin war Gortschakow so souverän, den Rückzugsbefehl geben zu können, galt es doch nach Menschikow »als Ungnade für einen russischen Soldaten, sich zurückzuziehen«


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    Bereits am 12. August hatte auf seinen Befehl in Sewastopol der Bau einer breiten Pontonbrücke über die große Bucht zwischen Fort Alexander und Fort Konstantin auf der Nordseite begonnen, direkt hinter der zweiten Schiffsbarriere vom Februar - ein Hinweis auf Rückzugsabsichten!
    Der folgende Waffenstillstand im Tschernaja-Tal wurde durch Schusswechsel unterbrochen, jede Seite schob der anderen die Schuld am Bruch der Abmachungen zu. Zuaven und Kosaken sammelten die Toten ein. Von den Franzosen wurden 2129 russische Soldaten beerdigt, darunter drei Generäle. 1200 Tote begruben die Russen selbst.
    Die Hilfe der Engländer war nicht mehr notwendig, ihre Soldaten kamen nach dem Ende der Kämpfe auf das Schlachtfeld, um sich am Plündern zu beteiligen oder den Franzosen schöne Beutestücke abzukaufen, was General Simpson zu dem Verbot der Leichenfledderei veranlasste

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  5. #45
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    Standard AW: German Werth Der Krimkrieg : Geburtsstunde der Weltmacht Russland

    Der Kampf um den Malakow-Turm

    Nach 11 Monaten Belagerung Sewastopols kam das Ende des Dramas unerwartet schnell. Ende August waren die Franzosen nur noch 25 Meter vom Malakow-Turm und 40 Meter vom kleinen Redan an der großen Bucht entfernt, und auf der Stadtseite an die Mast- und Zentralbastion bis auf 50 Meter heran; hier war es die 4., auf der Westseite die 7. Parallele. Die Verluste stiegen auf 200 bis 250 Mann täglich an. In dieser Lage gab es nur noch die Alternative, entweder so bald w möglich den Sturmangriff zu wagen oder zurückzugehen, da die Verluste so unmittelbar im Feuerbereich des Gegners zunehmen mussten.
    Am 17. August, die Toten der Tschernaja-Schlacht waren noch nicht unter der Erde, begann das Trommelfeuer auf die Stellungen vor der Karabelnaja-Vorstadt. Die täglichen Verluste der Russen betrugen 500 Mann. Unter dem Zwang, Tag und Nacht an der Ausbesserung der Schäden zu arbeiten, entfielen nun fast alle Angriffe aus dem Festungsbereich. Der Kampf wurde zu einem reinen Artillerieduell.

    Bis weit in das Hinterland hörte man die Front. »Bald erschütt eine Explosion die Luft, bald folgten weniger starke Töne schnell

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    aufeinander wie ein Trommelwirbel, der ab und zu von einem lauten Getöse unterbrochen wurde, bald floss alles zu einem rollenden Krachen zusammen, das an Donnerschläge erinnerte«, so Leo Tolstoi in seiner dritten Sewastopoler Erzählung, in der er die Annäherung an die umkämpfte Stadt im August 1855 von Baktschisarai aus schilderte. Am 5. September wurde auch die Südseite der Stade unter Feuer
    genommen. Über 800 Geschütze waren nun in Tätigkeit. Die Russen setzten 1380 Geschütze dagegen, doch wurde eins nach dem anderen außer Gefecht gesetzt. Da Gortschakow mit dem täglichen Angriff der Alliierten rechnete, ließ er die eigene Infanterie in Sammelstellen nahe der Frontlinie warten mit dem Ergebnis, daß nun die Verluste auf über 1 000 Mann am Tag hochschnellten. Eine riesige schwarze Wolke stand über dem Plateau von Chersones. »Die Rauchwolke machte es unmöglich, etwas von der Festung zu sehen«, stellte der Times-Korrespondent William Howard Russell fest. Die Artillerie schoss blind, nur noch nach groben Richtungsangaben.
    Wilden Gerüchten nach sollte Konstantin, der Bruder des Zaren, mit der amerikanischen Flotte im Anmarsch sein, um die Stadt zu entsetzen und die Belagerten aus ihrer verzweifelten Lage zu retten.
    Einem anderen Gerücht in den westlichen Hauptstädten zufolge war Napoleon III. erst durch einen Spionagefall - den »Berliner Dependiebstahl« - auf die Idee gekommen, Pelissier den sofortigen Sturm zu befehlen. Der Spion kam aus Berlin und hatte sein Material nicht nur Manteuffel verkauft, sondern auch dem französischen Botschafter, weil er sich über den Geiz der Preußen ärgerte. Und um den Fall noch pikanter zu machen, war es Manteuffel gewesen, der den Spion angestiftet hatte, den Briefwechsel zwischen Gerlach und Niebur zu kopieren, wobei sich auch ein Schriftstück des preußischen Bevollmächtigten in Petersburg einfand mit der Bemerkung Alexanders II., leider werde sich Sewastopol nicht mehr lange halten lassen
    Ein dreitägiges höllisches Bombardement ging dem letzten Sturm voraus
    - Der prinzipiell allen Ratschlägen unzugängliche Pelissier hatte sich von Bosquet und Niel doch überreden lassen, auf ganzer Front Anzugreifen, um die russische Streitmacht aufzusplittern; ursprünglich war er nur für einen Angriff gegen den Bereich Malakow- großer Redan gewesen, alle anderen Angriffe sollten nur zur Demonstration


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    bzw. Ablenkung dienen. Es war natürlich auch klar, daß nun jeder General seinen Ruhmesanteil beim letzten Sturm auf die Festungsstadt haben wollte. Auf jeden Fall hatte Pelissier das Sagen:
    140000 Franzosen standen nur 48000 Engländer gegenüber. Der »meisterhaft« ausgeklügelte Angriffsplan stammte von Bosquet.
    Gegen die Karabelnaja-Vorstadt waren 25300 Mann des französischen Heeres vorgesehen, gegen den großen Redan 10700 Engländer. Obwohl die feindlichen Gräben zum Teil durch das Artilleriefeuer mit Schutt angefüllt waren, wurden von den Pionieren 30 fliegende Brücken - verbundene Leitern mit Bretterauflage und Stützen - mitgeführt, der Infanterie folgten Arbeiter-Soldaten mit Spaten und Hacken, das Gewehr umgehängt, um sofort neue Stellungen anzulegen, mit der Infanterie gingen Kanoniere mit tragbaren Mörsern vor, zuletzt kamen Feldgeschütze.
    Durch das Stellungsgelände mit den querliegenden Parallelgräben wurden Gassen angelegt, um der bespannten Feldartillerie und den Munitionswagen den Weg freizumachen. Die kaiserliche Garde, als letzter Trumpf zurückbehalten, bekam eine besondere Gasse zum Vorgehen zugewiesen; sie war als Reserve gedacht, da sie in den Augen der Generäle zu schade war, um im Festungskrieg verschlissen zu werden.
    Ein »Glückstreffer« der russischen Artillerie verzögerte den Angriff. Am 27. August traf eine Granate das Pulvermagazin am Grünen Hügel, 15000 Pfund explodierten, 150 Franzosen wurden getötet. Die Trümmer flogen weit bis in den Bereich der englischen Gräben.
    Ein Täuschungsmanöver fügte den Russen weitere hohe Verluste zu. Zu bestimmten Zeiten stellten die Alliierten ihr Feuer ein, so daß die Verteidiger nun im Glauben, daß der Angriff unmittelbar bevorstehe, ihre Deckungen verließen, wo sie dann von der plötzlichen Wiederaufnahme des Artilleriefeuers überrascht wurden. Durch die tägliche Wiederholung dieses Manövers wurden die Russen auch im Ungewissen über den Moment des Sturms gelassen.
    Um elf Uhr vormittags begab sich General Pelissier am 8. September
    auf den Grünen Hügel. Vor seinen Augen lag der Malakow-Turm, der Mittelpunkt der Kornilow-Bastion, seit über einem halben Jahr das Ziel aller Hoffnungen und Anstrengungen. Aber der berühmte war Turm war inzwischen eine Ruine und sollte später nur noch in Phantasie der europäischen Zeitungsleser die Umrisse eines hohen


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    zwingburgartigen Festungsturms erhalten. »In der Mitte der Bastion steht noch ein ruinenartig aussehender Erdhügel«, schrieb Russell, »vielleicht die Decke eines bombenfesten Gewölbes, vielleicht der Rest des ursprünglichen, längst verschwundenen Malakow-Turmes.«
    Kein Kanonenschuß, keine Rakete war diesmal als Signal zum Sturm vorgesehen, was so oft zu Missverständnissen geführt hatte, sondern die Uhr des Generals Pelissier, nach der die Kommandeure der Genie-, Infanterie- und Artillerieeinheiten ihre Chronometer zu stellen hatten. Es war der 349. Tag der Belagerung.
    Weitere Täuschungsmanöver sorgten für zusätzliche Verwirrung. Zwischen 11 und 12 Uhr ließen die Alliierten das Artilleriefeuer langsam »einschlafen«, um die Verteidiger in den Glauben zu versetzen, daß es an diesem Tag zu keinem Angriff mehr kommen würde. Nur gegen den Malakow-Turm wurde gezielter Mörserbeschuß beibehalten.
    Bei der Ausarbeitung ihres exakten Angriffsplans hatten die Franzosen mit einbezogen, daß die Russen ihre Wache in der Bastion um 12 Uhr abzulösen pflegten, wobei die alte Wache zuerst hinaus marschierte, bevor die Ablösung die Malakow-Bastion betrat, da es in
    dem durch Traversen, durch Schutz- und Querwände aufgeteilten Bastionsinnern zu eng war.
    Durch Mörserbeschuß wurde die Besatzung in die Kasematten und Bombenfesten Räume getrieben, so daß sie den Beginn des Sturmes nicht mitbekamen und dort überrumpelt werden konnten. Schlag 12 brachen die Franzosen mit dem Ruf »Es lebe der Kaiser« aus ihren Gräben heraus, mit der letzten Salve der Mörser stürzten die Zuaven über die paar Meter, die sie vom vordersten Graben der Bastion trennten, und befanden sich im linken Teil der Schanze, ehe erstaunten Russen überhaupt wussten, was geschehen war. Der leere Teil der Bastion war allerdings schon lange nicht mehr verteidigungsfähig, weil alle Kanonen demoliert waren. Nach einer späteren Legende waren sie sogar so schnell, daß sie die Russen im Innern Bastion beim Essen überraschten. Zu dieser Version passte nur was sich auf der ganzen Front abspielte. Wohin das Auge traf, Verheerungen und Vernichtung« (Russell).
    Engländer stiegen wie geplant um halb elf Uhr aus ihren Ausgangsstellungen, nachdem sie die Fahne der Franzosen auf der Malakow-Bastion


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    gesehen hatten. Auf dem Weg zu der ersten Stellung der Russen mussten sie über 200 m Niemandsland durchqueren, da sie ihre Sturmgräben nicht weit genug vorgetrieben hatten, vielleicht aus ihrer bekannten Abneigung gegen das ewige Schanzen, vielleicht wegen des felsigen Untergrunds - es war nicht mehr ganz genau zu klären. Doch dies war nicht das Problem. Die ersten Sturmspitzen hatten den Redan schnell erreicht und die Böschung überklettert, drangen auch in das Innere ein, doch blieben sie hier liegen, weil es ihnen nicht gelang, die zweite Verteidigungslinie zu überwinden. Im Innern des Redan waren sie dem Schützenfeuer der Russen hilflos ausgesetzt, die von einer hinteren Brustwehr wie auf dem Schießplatz standen. Nachdem die Offiziere ausgefallen waren, flohen die Engländer um halb zwei Uhr und waren auch nicht zu einem zweiten Anlauf gegen die »damned rooskies« zu bewegen, auch aus Furcht gegen unterirdische Minen im Redanbereich. Der Stellungskrieg auf der Krim endete damit für die Engländer mit einem Debakel, als ob sie niemals zuvor großartige Beispiele für Disziplin und Kaltblütigkeit abgegeben hätten. Auch der rechte Angriff gegen den kleinen Redan war ein Fehlschlag. Es gelang den Truppen unter General Bosquet, der an den rechten, zweitrangigen Flügel der Front versetzt worden war, zwar den Redan einzunehmen, doch nicht, sich gegen die Gegenangriffe zu behaupten. Auch die Angriffsgruppe des Generals Trochu auf der Stadtseite konnte den Gewinn der an der Zentral-Bastion vorspringenden Redoute Schwarz nicht halten. Hier hatte es auch eine Panne gegeben, als das verabredete Signal zum Angriff übersehen wurde, weil der Nordostwind die Staub- und Pulverwolken von der Vorstadt nach Süden drückte, so daß die Verteidiger eine Stunde gewannen, um ihre Verteidigung neu zu ordnen.
    Aus politischen Prestigegründen war auch den Italienern ein Stück Front zugewiesen worden; der erfolglose Angriff gegen die Mastbastion, zusammen mit den Franzosen durchgeführt, kostete sie 40 Mann.
    Nach der Eroberung der linken Flanke der Kornilow-Malakow-Bastion versuchten die Franzosen, den Turm einzuschließen, aus dessen Schießscharten noch mit Gewehren geschossen wurde. Noch mehreren Stunden nach ihrer Einschließung wehrten sich 65 Mann der Besatzung, bis die Franzosen Anstalten machten, sie auszuräuchern. Nach einem mörderischen Mann-gegen-Mann-Gemetzel in den engen


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    Räumlichkeiten der offenen Bastion und dem Gewirr der Gänge verriegelten die Franzosen den Ausgang zur Stadt - die »Kehle« - und trafen alle Vorkehrungen zur Verteidigung. Aber es erfolgte nur noch ein einziger energischer Gegenangriff. Er wurde abgeschlagen. »Hier bin ich. Hier bleibe ich!« ließ Mac Mahon Pelissier ausrichten.
    Von den insgesamt fünf hauptsächlichen Angriffszielen war nur ein einziges genommen worden, der »Schlüssel zur Festungsstadt», der Malakow-Turm, unter General Mac Mahon, ansonsten gab es nur Misserfolge. Aber der Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte auf der Krim, Fürst Gortschakow, hatte längst beschlossen, Sewastopol zu räumen. Als der letzte Gegensturm zur Rückeroberung der Kornilow-Bastion erfolglos blieb, brach Gortschakow den Kampf ab und gab den Rückzugsbefehl. Gortschakow hatte sich entschieden, die Stellung aufzugeben, weil die übergroßen Verluste weiteres Halten sinnlos machten. In den drei Tagen vom 5. bis zum 8. September waren fast 5000 Mann ausgefallen, eine für damalige Verhältnisse unvorstellbare Zahl.
    Explosionen von Minen mit Zeitzündern erschütterten die ganze Nacht über die Stadt, so daß die Franzosen und Engländer sie erst
    nicht zu betreten wagten. Die russischen Sprengtrupps jagten die großen Forts und Werkanlagen in die Luft. Zur völligen Zerstörung des Forts Nikolaus, wo die 900 m lange Schiffsbrücke zur Norde hinüberführte, fehlte die Zeit. Ganz zuletzt - am hellen Tag - Detonierte das Fort Paul, eine der schönsten Festungsbauten Sewastopols. An der Nordspitze zur Hafeneinfahrt. Kriegsschiffe brannten, die noch seetüchtigen Linienschiffe wurden versenkt. Über der Stadt stand eine Feuerwolke, die einem »grandiosen Riesenfeuerwerk« glichwie Russell von fern mit ästhetischem Genuss fand.
    Am Morgen des 9. September war Sewastopol geräumt, die 40000 Mann Verteidiger waren abgezogen - die »gelungenste Bewegung .während des ganzen Kriegs«, wie Stabsoffizier Calthorpe urteilte. Er konnte wegen einer Verletzung das Ende von Sewastopol nur noch aus der Ferne erleben.
    Auf der gegnerischen Seite beschrieb Leo Tolstoi, wie die Besatzung die Heilige Stadt auf höheren Befehl verließ - eine Geisterstadt: »Auf en Linie der Bastionen von Sewastopol war nirgends mehr ein Mensch zusehen. Alles war tot, öde, schrecklich, aber nicht still: noch immer nahm das Zerstörungswerk seinen Fortgang. Auf der durch

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    frische Explosionen aufgerissenen und umhergeworfenen Erde lagen überall verbogene Lafetten, die auf russischen und feindlichen Leichen lasteten, schwere eiserne Kanonen mit furchtbarer Gewalt in Gruben geschleudert, Granaten, Kanonenkugeln, wieder Leichen, Gruben, Bruchstücke von Balken und wieder stumme Leichen in grauen und blauen Mänteln. Das alles erzitterte noch oft und wurde von der roten Lampe der Explosionen beleuchtet, die noch immer die Luft erschütterten.«
    In einem Lazarett in der Vorstadt fanden die Eroberer weit über 1000 Schwerverwundete, die die Russen zurückgelassen hatten, um sie später nachzuholen; unter ihnen waren verwundete englische Kriegsgefangene. Als am 11. September ein Dampfer mit Parlamentärsflagge von der Nordseite erschien, waren nur noch 500 Mann am Leben.
    »Nichts konnte die Schrecken dieses Beinhauses überschreiten«, entsetzte sich Russell. Im Keller des Lazarettgebäudes lagen noch 700 Leichen, im Zustand der Verwesung; weiterhin standen 200 vernagelte Särge mit gefallenen russischen Offizieren bei dem Gebäude. Das Chaos in den Lazaretten hatte seine Ursache in der verzweifelten Lage des »Kessels« Sewastopol seit der Niederlage an der Tschernaja, dem letzten gescheiterten Entsatzversuch von außen. Die Stadt war auf die Belagerung nicht vorbereitet gewesen, geschweige denn auf die Aufnahme von Verwundeten von den Schlachten außerhalb des Festungsringes, und an den letzten Monaten des Kampfes völlig überfordert.
    Nach der Schlacht an der Tschernaja blieben die Verwundeten auf dem Hauptverbandsplatz auf den Mackenzie-Höhen stundenlang in der prallen Sonne liegen. Für Wasser war nicht vorgesorgt, ausreichende Zelte gab es nicht, die meisten Ärzte warteten an einen anderen Ort.
    Neben dem geräumigen Kasinogebäude hatten die Marine-Kaserne in der Karabelnaja-Vorstadt als Hauptverbandsplatz gedient. Als s in den Feuerbereich der Artillerie gerieten, wurde die Ambulanzstelle in das Fort Paul verlegt, später zum Fort Nikolaus. So gut es versuchte man den Hauptverbandsplatz aus dem Feuerbereich he auszunehmen, doch blieb zuletzt nur noch die Hauptsorge, die Verwundeten so schnell wie möglich auf die Nordseite zu überführen auf umliegende Spitäler zu verteilen. Nach amtlichen Angaben hatten

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    die abziehenden Russen 500 Schwerverwundete bei Fort Paul zurückgelassen in der Annahme, daß die Alliierten die Stadt ohnehin besetzen und sich dann um die Verwundeten kümmern würden. Dies war jedoch nicht der Fall. Erst am 11. September begann die reguläre Besetzung mit General Bazaine als neuem Stadtkommandanten.
    Der 7. September 1855 kostete die Alliierten fast 11 000 Mann: 1 600 Tote, 4400 Verwundeten, 1 400 Vermisste auf französischer Seite; 1 380 Tote und 1 900 Verwundete auf englischer Seite. Die Russen kamen auf die doppelte Zahl.
    Die Alliierten umstellten das Stadtgelände mit einer Postenkette, um Plünderungen zu verhindern. Da aber die englischen Posten ihre französischen Kameraden - und umgekehrt! - nicht anhielten, um ihnen den Zugang zu verwehren, bot die zerstörte Stadt bald das Bild einer bunten stöbernden Menge von Dieben und Schaulustigen, unter ihnen die Offizierskommandos, die Beutematerial und Munitionsvorräte sicherten.
    Natürlich besichtigte Times-Korrespondent Russell sofort die Gewölbe des legendären Malakow-Turms. Er entsetzte sich vor den Spuren des Kampfes: »Noch liegen die Leichen wie in einem Schlachthaus dort aufeinander getürmt... Diese scheußlichen Verstümmelungen, diese Blutlachen!« er hatte »niemals etwas Schrecklicheres« gesehen. Auf seinem Weg vom Redan in die Vorstadt fand er »jedes Haus jede Kirche, die öffentlichen Gebäude und Schilderhäuser von Kugeln durchlöchert. Die Mauern tragen überall die Verwüstungspuren unserer Geschütze. In einem der berühmten Docks brennt lustig ein Dampfer, Schleusen und stattliche Werftbauten sind in Trümmer«. Viele Geschützstellungen waren buchstäblich »zerhackt«,
    Die mit Erde gefüllten Schanzkörbe der Deckung zerfetzt worden.
    Gortschakow vermochte seiner geschlagenen Armee wenig Trost zu bieten‚ zumal er selber auch die großsprecherische Art wenig schätzte. Hoffnung bezog er aus der Geschichte Russlands. Sewastopol sei ein würdiges Seitenstück zu Moskau 1812, »denn nicht Moskau, ein Haufen von Steinen und Asche war es, welchen die Feinde
    eroberten. Ebenso wenig ist es Sewastopol, welches wir ihnen überließen. Es sind die brennenden Trümmer der Stadt, die wir selbst in Brand steckten, nachdem wir sie so ehrenvoll verteidigt haben, so daß wir die Erinnerung an diesen heldenmütigen Kampf mit gerechtem Stolz der Nachwelt überlassen können«.


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    Auf der anderen Seite der Brücke angekommen, »nahm fast jeder Soldat die Mütze ab und bekreuzigte sich«, schrieb Tolstoi, der den wahren Gefühlen der Soldaten näher kam. »Aber hinter diesem Gefühl war noch ein anderes, bedrückendes, nagendes und tieferes Gefühl verborgen, ein Gefühl, das mit Reue, Scham und Wut Ähnlichkeit hatte. Fast jeder Soldat, der nach dem aufgegebenen Sewastopol zurückblickte, seufzte mit unsagbarer Bitterkeit im Herzen und ballte die Faust gegen den Feind.«
    Kaum hatten die russischen Truppen Sewastopol verlassen und die Pontonbrücke abgebrochen, als sie auch schon die Geschütze umdrehten, um sie gegen die Südseite zu richten. Der Krieg ging weiter.


    Seite 286
    Patriotisch, Antiislamisch, Proisraelisch, Für ein Europa der Nationen und der Christlich-Jüdisch (-Heidnischen) Identität pro-Köln Pro-Nrw Pro-Berlin Pro-Deutschland

  6. #46
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    Standard AW: German Werth Der Krimkrieg : Geburtsstunde der Weltmacht Russland

    IX. Der Friede von Paris Ratlosigkeit

    Die Frage, die die Diplomaten nicht gelöst haben, kann
    noch weniger mit Pulver und Blei gelöst werden.
    Leo Tolstoi 1855


    Ein Telegramm von General Simpson, datiert »Krim, den 9. September 1855, 10 Uhr 9 Minuten vormittags«, meldete in London den Fall Sewastopols. In England läuteten die Glocken. In Paris wurden am Abend des 10. September alle öffentlichen Gebäude beleuchtet, um 7 Uhr schossen die Kanonen vom Invalidendom Salut.
    Erst am 13. September fand ein großes Tedeum in der Kathedrale Notre-Dame statt. Die Vertreter der neutralen Staaten befanden sich in großer Verlegenheit, ob sie der Einladung des französischen Kaisers folgen sollten. Für alle Fälle hatte er mit der Feier gewartet, falls sich die Nachricht von der Einnahme der Hafenfestung als erneute Tatarenpost herausstellen sollte. Am meisten jubelten die russischen Immigranten.
    Königin Victoria bedauerte, nicht einen einzigen Soldaten und keine Musikkapelle zur Verfügung zu haben, um im schottischen Balmoral Castle
    zu feiern. Auf dem gegenüber liegenden Berg jedoch konnte sie ein Freudenfeuerwerk anzünden lassen, aus dem Holzstapel, der
    im letzten Jahr, als die voreilige Nachricht jedermann täuschte, vorbereitet worden und unangezündet geblieben war«.
    Jerusalem traf die Nachricht erst als Gerücht ein, bis sich die Ortsansässigen Konsuln am 15. November zur Veranstaltung eines Freudenfestes entschlossen. »Alle Engländer und Franzosen hatten Auftrag, ihre Häuser zu beleuchten, die Türken beleuchteten auch.Die Soldaten wurden an den verschiedenen hohen Punkten der aufgestellt, auf den Toren, den Klöstern, Minaretts etc. Da begannen die Kanonen zu spielen, und jeder feuerte seine empfangenen Patronen ab; viel gemeines Volk feuerte mit, Fackeln, Feuer, Lichter brannten auf den Häusern, Raketen stiegen in die Höhe und das ganze gab ein Schauspiel, als wären wir inmitten einer Schlacht.« Der Einfluss der europäischen Konsuln begann 1855 zuzunehmen. Die


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    einheimische Bevölkerung, Türken und Muslime, wagten nicht mehr, wie früher gegen das Hissen der Nationalfahnen zu protestieren.
    Während London feierte, kam der Schriftsteller Theodor Fontane das dritte Mal nach England, diesmal im Auftrag der preußischen Regierung. Seine Entsendung beruhte auf einer Idee Ministerpräsidents von Manteuffel, durch die Einrichtung einer deutsch-englischen Presse-Konferenz die Beziehungen zwischen London und Berlin zu verbessern, die auf einem Tiefstand angekommen waren. Fontane war diesmal ohne rechte Vorfreude nach England gefahren. Überdies hatte ihm der englische Zoll auch gleich seine dreibändige Ausgabe von Vanity Fair, einen Nachdruck von Thackerays Jahrmarkt der Eitelkeit - »mit meinen herrlichen Randglossen« - beschlagnahmt. Doch nahm ihn bald das »Riesentreiben« der Stadt wieder gefangen. Auf der Themse sah er die »ununterbrochene Reihe« der Transport- schiffe für die Versorgung der Expeditionsarmee. Ihm schien das »kaufmännische Ledergesicht« der Stadt durch die Kriegsanstrengung sogar »angenehm belebt«, bis auf das Bild der jungen Rekruten auf der Straße mit ihren »schmutzigen« Uniformen.
    Die Engländer ignorierten die Tatsache, daß die Einnahme von Sewastopol nur mit Hilfe der Franzosen zustande gekommen war. Ersatz für das Debakel am großen Redan bot auf alle Fälle der Ritt der Leichten Brigade, der inzwischen zum neuen Heldenlied der britischen Nation hochgejubelt worden war. Fontane schloss sich in Unkenntnis der wahren Sachlage den Legenden dichtern an, als er frei nach Alfred Tennysons berühmter Attack of the Light Brigade eine balladeske Nachdichtung von jenem Todesritt der Sechshundert entwarf:
    »Vorwärts! Kanonen rechts und links,
    Kanonen in Front, gewärtig des Winks,
    Selbst die Feinde sehen‘s verwundert.
    Schrapnell und Kartätschenschuß,
    Todesgruß und Todeskuß,
    Falle, was da fallen muß.
    Hoch die Sechshundert!«
    Bald sah er den eitlen Lord Cardigan, der nicht »fallen musste«, in Gesellschaft reüssieren. An diejenigen, die während des Krieges »behaglich und wohlgemut auf Daunen schlafen«, wandte sich Fontane in


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    einem »Volkslied«, der Nachdichtung eines Straßenliedes, das im Winter 1855 in London kursierte, die Kehrseite vom Balaklawa-Heroismus. Es war ein Appell, an die »armen Brüder« zu denken, die »in den Gräben liegen, krank, starr und stumm, die Blüte uns‘res Landes, im Schlammbett kommt sie um«.
    »Ich hört ein Mädchen klagen, sie rief: was fang ich an? Mein Vater liegt und schlummert im Tal von Inkerman, Mein Bruder liegt verwundet, genesen wird er nie, Es kann kein Christ genesen in jenem Skutari«
    Manteuffels Pressekampagne ging resonanzlos wieder ein. Daran war die »unerhörte Knauserei« der Verantwortlichen in Berlin, aber auch Fontane selbst schuld, dem es nicht gelang, gute Kontakte zu englischen Redakteuren oder zu den eingesessenen deutschen Journalisten zu knüpfen, für die der Mann aus Berlin nur der »Regierungsschweinehund« blieb.
    Im Straßenbild stellte Fontane durch seinen Anzug eine so auffällige Erscheinung dar, daß ihn einmal ein Mietwagenkutscher für einen in Bomarsund gefangen genommenen russischen Offizier hielt, der die Erlaubnis bekommen habe, sich die Stadt anzusehen.
    In die Triumphgefühle der Alliierten mischte sich jedoch unübersehbar Ratlosigkeit. Niemand hatte sich über den Fall von Sewastopol hinaus eine militärische oder politische Strategie zurechtgelegt. In Sewastopol stand das Schreckgespenst eines weiteren Winters vor der Tür. Die Stadt, in der die Alliierten 4000 Geschütze und eine halbe Million Artilleriegranaten erbeutet hatte, erwies sich als unbewohnbar. Fast drei Millionen Geschosse waren auf sie niedergegangen. Obendrein beschossen die Russen die Südstadt jetzt von der Nordseite jenseits der großen Bucht. Und zu allem Unglück explodierte am 15. November ein riesiges Munitionslager, das sogenannte Mühlen-Magazin. Im französischen Lager stellte sich die Cholera wieder ein und forderte diesmal mehr Opfer als während der Belagerung.
    In Paris schmiedete Napoleon III. neue Pläne zur Fortsetzung des Krieges. Von Eupatoria sollte eine Armee in das Zentrum der Krim vorstoßen, um die Russen von der Nordseite abzuschneiden und zur Aufgabe der Halbinsel zu zwingen. Die Stadt sollte wieder verteidigungsfähig gemacht, die Forts ausgebaut, die Wracksperren am Eingang


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    der Bucht beseitigt, die Hafen- und Dockanlagen hergestellt werden, um eine aus englischen, französischen und türkischen Truppen gemischte Besatzung aufzunehmen, während die Armee woanders, zum Beispiel am unteren Dnjepr-Ufer gegen Nikolajew oder an der persischen Grenze, operierte: Sewastopol als »Bollwerk«, an dessen vergeblicher Wiedergewinnung sich »Russlands Kräfte erschöpften«.
    Palmerston nannte die Pläne des französischen Kaisers mit diplomatischer Höflichkeit »bewunderungswürdig«, während er in Wahrheit nicht daran dachte, von der alten Absicht abzugehen, die Kasernen, Hafen- und Dockanlagen gründlich zu zerstören. Als sich Pelissier, der mit der Marschaliwürde ausgestattete neue Herzog von Malakow, weigerte, seine Defensivstellung aufzugeben, kam es schließlich auch auf Englands Wunsch nur zu neuen Seeoperationen.
    Ein ausschließlich aus Dampfern bestehendes Kampfgeschwader landete am 15. Oktober 1855 an der Schwarzmeerküste zwischen Odessa und Nikolajew und nahm die Festung Kinburn ein, die hier zusammen mit Fort Otschakow den zweitwichtigsten Kriegshafen der Russen sicherte. Der neue Erfolg der Alliierten hielt Alexander II. nicht davon ab, Nikolajew zu besuchen, um von dort aus die Weiterführung des Kampfes zu verkünden. Auf der Krim ging er bis zu den Mackenzie-Höhen vor, um einen Blick auf die Stellungen der Alliierten zu werfen und Gortschakow wieder aufzurichten: »Sewastopol ist nicht Moskau und die Krim nicht Russland. Zwei Jahre nach dem Brand von Moskau zogen unsere siegreichen Heere in Paris ein. Wir sind noch die gleichen Russen.«
    Für die Unschlüssigkeit der Bündnispartner sprach auch der Vorschlag des Herzogs von Cambridge, in Paris die Oberbefehlshaber der Flotten und Heere zu einer gemeinsamen Lagebesprechung zu versammeln, was dem französischen Kriegsminister Vaillant mit dem trefflichen Argument zu verhindern gelang, mit dieser Runde vor aller Welt die Verlegenheit der Siegermächte bloßzulegen. In der Ostsee bombardierte Konteradmiral Dundas, der den in Ungnade gefallenen Napier ersetzt hatte, die Festung Sweaborg im Finnischen Meerbusen, wagte sich aber nicht an die schwer bestuckte Festung Kronstadt vor Petersburg heran. Die Jagd nach russischen Schiffen auf den Weltmeeren gehörte zum globalen Kriegskonzert der Engländer, aber für den Ausgang des Krieges war der Hochseekrieg


    Seite 290

    völlig unerheblich. Die Aktionen auf dem Weißen Meer gegen die Halbinsel Kola, die Beschießung und schließliche Einnahme von Petropawlowsk am Amur, an der Küste Kamtschatkas, stellten nur »Nadelstiche« dar, durch die Russland nicht auf die Knie zu zwingen war. Gontscharows Weltumsegelung war längst gescheitert. Die Fregatte Pallada war jedoch nicht englischen Kriegsschiffen zum Opfer gefallen, sondern ihrer eigenen Seeuntüchtigkeit. Auf dem Landweg durch ganz Sibirien kehrte der Schriftsteller nach Petersburg zurück - fast ein symbolischer Ausdruck für das Erlöschen von Nikolaus I. Seemachtsträumen.
    Ende September 1855 erfuhr die Welt von dem einzigen russischen Sieg im Krimkrieg. Nach fast sieben Monaten dauernder Belagerung kapitulierte die Festung Kars in Türkisch-Armenien. Die eminente Bedeutung von Kars lag darin, daß hier der Weg ins Innere Anatoliens über Erzerum führte und mit dem Verlust dieses Bollwerks die ganze türkische Kaukasusfront zusammenbrechen musste. Kein Wunder also, daß der Fall der Stadt ungeheures Aufsehen erregte. Nachdem alle russischen Angriffe abgeschlagen worden waren, hatte General Murawiew die Stadt regelrecht ausgehungert. Die zweite Front, der Kriegsschauplatz im Kaukasus, eine seit Jahrzehnten zwischen Türken, Russen und aufständischen Bergvölkern umkämpfte Region, war von den Alliierten, vor allem von England, über Sewastopol sträflich vernachlässigt worden. London sprach zuerst von einer türkischen Niederlage, um die Verantwortung von sich abzuwalzen, doch ließ sich nicht lange die Tatsache verdrängen, daß der englische General Williams die Verteidigung organisiert und die Soldaten der Pforte hier zu einer schlagkräftigen Truppe ausgebildet hatte. Nur der Sieger, der russische General, gratulierte Williams zu seinem erstaunlichen Mut und seiner Disziplin.
    Omar Pascha, der von Balaklawa in den Kaukasus gegangen war, um hier seinen eigenen Krieg zu führen, war nicht in der Lage gewesen, die zahlenmäßige Unterlegenheit der Russen auszunützen. Offenbar war er von der Unfähigkeit seiner Generalität und dem jämmerlichen Zustand der türkischen Armee so überzeugt, daß er sich nicht mehr zu einer energischen Kriegführung aufraffen konnte. Omer Paschas Renommee war damit endgültig ruiniert
    Ein Zeitgenosse fasste den Krimkrieg bereits 1855 pointiert zusammen »Der ganze Krieg im Orient schrumpfte nach und nach auf die


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    Belagerung von Sewastopol, dann auf den Angriff der Südseite dieser Festung und endlich auf den Angriff einer Front derselben zusammen.« Und schließlich auf den Malakow-Turm, könnte man hinzufügen.
    Dies galt jedoch nicht für Palmerston. Er hatte längst weitergehende Vorstellungen, was sein Kriegszielprogramm betraf. Von vornherein war es ihm nicht nur um den Erhalt des Osmanischen Reiches und die Abdrängung Russlands vom Balkan gegangen, sondern um die Eindämmung des Zarenreiches überhaupt. Nach dem Fall von Sewastopol hielt er die Verlagerung des Hauptkriegsschauplatzes vom Schwarzen Meer in die Ostsee für angebracht. Die Kriegserklärung an Preußen und die Wiederherstellung Polens waren für ihn nur die logische Folge der Fortsetzung des Krieges. Doch standen diese Pläne in krassem Missverhältnis zur realpolitischen Macht Englands, wie der Fall von Kars unterstrich. Und obendrein standen sie im Gegensatz zu den Vorstellungen Napoleons III. und zu seinem eigenen Regierungskabinett. »Palmerston war nicht England«, wie Hübner zu Recht feststellte.
    Ein Indiz auf Friedensaussichten stellte der Entschluss Napoleons III. dar, einen Teil der bisherigen Orientarmee von der Krim abzuziehen. Am 29. Dezember 1855 versammelte sich ganz Paris, um die Heimkehr der Truppen zu feiern. Napoleon III., der an einer Geschichte Cäsars arbeitete und sich ganz offensichtlich von der Antike inspirieren ließ, griff dabei auf eine römische Sitte zurück, bei der Rückkehr der Legionen von einem Feldzug die Kriegsopfer nicht etwa vom Triumphzug auszuschließen, weil ihr Anblick die ungetrübte Freude am Sieg störte. An der Spitze jedes Bataillons marschierten oder humpelten ohne militärische Ordnung auch die Verwundeten, Verkrüppelten, Verstümmelten mit. Männer mit zerstörten Gesichtern oder Blinde, die geführt werden mussten, gleichsam Stellvertreter jener namen- und zahllosen Opfer, die auf der Krim bleiben mussten. Es war, als ob den jubelnden Menschen am Straßenrand die Augen geöffnet werden sollten über Glanz und Elend des Militärs. Vielen schien es aber auch so, als ob auf diesem düsteren Hintergrund der Triumph des neuen Cäsar und Frankreichs Glorie nur umso strahlender aufgehen sollte. Einen Vorgeschmack auf den Sieg hatten die Pariser schon am 15. August, am Napoleonstag, bekommen, als Napoleon III. russische Kriegsgefangene durch die Straßen der Metropole treiben ließ


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    Als ein großes Unglück, eine verlorene Bataille für die gute Sache empfand Leopold von Gerlach die Nachricht vom Ende Sewastopols, wenn auch als »keine Schande«. Die Phantasie des elfjährigen Friedrich Nietzsche war durch den Krimkrieg gefangen genommen worden, mit seinen Bleisoldaten und Baukastensteinen hatte er den Kampf um den Malakow-Turm nachgespielt und dabei leidenschaftlich Partei für Russland genommen, »Ach, wäre Sewastopol nach«, schwärmte er mit Wehmutsgefühlen, »bald würde vertrieben sein der Feind. Wachet auf, ihr russischen Herzen!«
    »Ihr stolzen Schlösser! Heut ein Haufen Trümmer.
    Einstmals Dein Schutz, Du undankbares Land.
    Jetzt leer und tot auf hoher Felsenwand...
    Des Todes Geier recken schon die Krallen.
    Die Flügel rauschen - Es ist Nacht geworden«,
    hatte der Pole Adam Mickiewicz 1825 in seinen Krim-Sonetten über die Ruinen von Balaklawa in der Verbannung gedichtet. Als der Krimkrieg ausbrach, war er kurzentschiossen nach Konstantinopel gereist, um auf dem Balkan polnische Freiwillige zu werben und auf der Seite der Alliierten gegen das verhasste Zarenregime zu kämpfen. Von der Niederlage Russlands versprach er sich die Wiederherstellung Polens. Am 26. November 1855 starb er in der Türkei an der Cholera, ohne die Krim betreten zu haben. Zu diesem Zeitpunkt hatten Napoleon III. und sein Außenminister Alexandre Walewski, der ja einer Verbindung Napoleons 1. mit einer polnischen Gräfin entstammte, ihre Pläne von der Selbständigkeit Polens den Realitäten des politischen Alltags geopfert.

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    Standard AW: German Werth Der Krimkrieg : Geburtsstunde der Weltmacht Russland

    Der Krieg der Diplomaten

    Noch vor dem Fall von Kars hatte im Herbst 1855 eine neue fieberhafte Phase diplomatischer Sondierungen eingesetzt. Monarchen und
    Politiker schienen zu ahnen, daß sich der bisherige Krieg auf der
    Kippe befand, auf der Kippe zum Frieden oder zum unbegrenzten
    Krieg, zu einem »europäischen Brand«. Napoleon III. hatte in seiner
    Rede zum Abschluss der Weltausstellung in Paris am 15. November


    Seite 293

    zwar seinen Wunsch nach Frieden betont, doch auch eine kaum verhüllte Drohung an die Adresse der neutralen Staaten gerichtet: inmitten eines umfassenden europäischen Ringens sei die Gleichgültigkeit ein schlechter Ratgeber. Am 21. November schlossen Schweden und die Westmächte ein Defensivbündnis. Blieben in erster Linie Österreich und Preußen als neutrale Mächte übrig, denen die Drohung galt. Im Dezember brachte Napoleon III. die Situation auf die Formulierung, es gäbe nun zwei Möglichkeiten, den Krieg zu beenden: indem man den Gegner bis in den Zustand völliger Erschöpfung treibe oder den Kampf zu einem Zeitpunkt abbreche, an dem beide Gegner noch gleich stark wären und damit in der Lage, bei einem Friedensschluss ihre Ehre zu wahren. Nach seiner Ansicht konnte Russland ohnehin nicht auf die Knie gezwungen werden, wie er Victoria schrieb. »Aber wenn der Krieg im nächsten Jahr fortdauere«, an anderer Stelle, werde »seine Grundlage nicht mehr das europäische Recht sein, sondern der Egoismus der einzelnen Staaten«.
    Am pessimistischsten sah Friedrich Wilhelm IV. die Lage. Er rechnete bei einer Ausweitung des Krieges in der Ostsee mit einem Aufstand in Polen und mit der Einnahme von Petersburg durch die Alliierten. Aber gerade Napoleon III. war zur Überraschung aller nicht der Mann, den Krieg um des Krieges willen fortzuführen, nachdem die Einnahme von Sewastopol seinen militärischen Ehrgeiz befriedigt hatte. Die Zeit schien reif, nunmehr eine seiner Lieblingsideen zu realisieren und einen großen europäischen Friedenskongreß in Paris einzuberufen, um auf ihm die offenen Fragen des Wiener Kongresses zu lösen und die Revision der Karte Europas mit der Zustimmung aller Großmächte auf friedlichem Wege zu erreichen. Sein Gesandter in Konstantinopel, Thouvenel, gab ihm das Stichwort, als er ihm dazu riet, die seit Nikolaus‘ Tod vakante Stelle eines Schiedsrichters Europas selber einzunehmen. Zu den Vorstellungen des Kaisers gehörte die Ersetzung des alten Legitimitätsprinzips durch das Nationalitätsprinzip, das bis zu diesem Zeitpunkt als revolutionär galt. »Die Stimme der Völker bricht doch immer wieder durch und macht alles zunichte, was gegen ihre Interessen geschehen ist«, so Napoleon III zum Herzog von Coburg
    Nur stieß Napoleon III mit diesem Plan auf wenig Gegenliebe in England, wo man einen Friedensschluss zu diesem Zeitpunkt sogar als »Schandfrieden« betrachtete »Unsere Länder sind nicht in der gleichen


    Seite 294

    moralischen Lage«, so Clarendon, »bei euch neigt sich die öffentliche Meinung zum Frieden, bei uns zum Krieg.« Doch standen Palmerston und Clarendon allein, als sie im Kabinett auf die Fortsetzung des Krieges notfalls ohne Frankreich drängten. Walewski umschrieb die wirkliche Stärke Englands, als er fragte, »welchen Einfluss ein Land wie England auszuüben behaupten kann, das keine Armee und keine Regierung hat?«
    Zu den Druckmitteln Napoleons III. gehörte auch die Drohung mit einem französisch-russischen Bündnis, also die Umkehr der Allianzen noch mitten im Krieg, doch wollte der Kaiser letzten Endes keine Verständigung mit Russland über die Köpfe der Engländer hinweg durchsetzen, da ihm auch in Zukunft zuviel an einer guten Beziehung zwischen den beiden Westmächten lag. Die Frage war nur, wie der Frieden bewerkstelligt werden konnte, wenn Napoleon III. darauf wartete, daß Russland den ersten Schritt tat.
    Um das Gewirr der Geheimverhandlungen und Direktkontakte im Herbst 1855 zu ordnen, kann man die Sondierungen in drei Kanäle einteilen:
    Ein Kanal lief über Berlin, wo Napoleon III. den französischen Geschäftsträger bei Manteuffel anfragen ließ, ob er nicht »einige versöhnliche Eröffnungen von Petersburg empfangen habe«. Die Antwort: Man sei nicht abgeneigt, Anregungen entgegenzunehmen. Friedrich Wilhelm IV. hatte auch Gerlach beauftragt, bei Alexander II., seinem Neffen, auf eine Friedensbereitschaft zu drängen. Der preußische König wusste von den französisch-russischen Geheimverhandlungen, bei denen es sogar um die Neuregelung der Rheingrenze ging, ahnte aber nichts von den gleichzeitigen österreichischen Kontakten Buol hatte sogar eine gemeinsame Aktion mit Preußen zusammen abgelehnt Jedoch waren es gerade die Berliner Bemühungen, die den Boden für die positive Aufnahme des westlichen Friedensangebot in Petersburg vorbereiteten.
    Am dunkelsten war der Kanal über den sächsischen Gesandten Baron on Seebach, den Schwiegersohn Nesselrodes, den Napoleon III. als
    idealen Mittelsmann einschaltete. Russland versuchte über diesen wiederum, Frankreich aus der Allianz mit England zu lösen,
    indem es ihm seine Unterstützung bei der Forderung nach einer französischen Rheingrenze zusicherte, ein nicht gerade freundschaftlicher Zug gegenüber dem preußischen König, für den es noch Prinzipien


    Seite 295

    wie Treue und Dankbarkeit in der Politik gab. Dazu kamen hier die Kontakte von Graf Morny, dem Halbbruder Napoleons III., und Walewski, einem Anwalt der französisch-russischen Aussöhnung, zu Gortschakow, dessen Haß auf Österreich von Tag zu Tag stieg. Napoleon III. half ein wenig nach, indem er dem Zaren mit der Wiederherstellung Polens drohte.
    Das Problem war nur, daß alle diese Sondierungen geheim bzw. inoffiziell bleiben mussten, da Separatverhandlungen mit Russland als Verstoß gegen die Bündnisverpflichtungen aus dem Allianzvertrag galten.
    So bot es sich fast von selbst an, die offiziellen Verhandlungen über Österreich laufen zu lassen, das ja während des ganzen Krieges auf den Wiener Konferenzen die Vermittlerposition eingenommen hatte. Am 13. September ermunterte Walewski Baron Hübner, wieder die Friedensinitiative zu ergreifen. Hoch erfreut holte Buol die Glückwünsche Franz Josephs zur Einnahme Sewastopols in Paris nach und konnte bereits Ende Oktober zusammen mit dem französischen Gesandten einen gemeinsam erarbeiteten Entwurf der Friedenspräliminarien vorlegen, der auf der Basis des alten Vierpunktepapiers beruhte, doch die damaligen Forderungen verschärfte. So wurde nun unter anderem die völlige Neutralisation des Schwarzen Meeres verlangt und Russland von den Verhandlungen über Punkt 4 ausgeschlossen; das war ausgerechnet der Punkt, in dem es um die rechtliche Stellung der Christen in der Türkei ging - eine der entscheidenden Fragen, die den Ausbruch des Krimkriegs mit verursacht hatte.
    Buol war über die neue Chance, Österreich als Vermittler zwischen den mächtigen Westmächten und dem angeschlagenen Russland ins Spiel zu bringen, so erfreut, daß er in einem Punkt sogar über Napoleons Bedingungen weit hinaus ging und von Russland nicht nur die Rückgabe des Donaumündungsgebietes an die Donaufürstentümer forderte, sondern auch die Abtretung eines großen Teils von Bessarabien. Es war dies der Punkt, der Russland besonders empörte und den endgültigen Bruch mit Österreich geradezu herausforderte.
    England lehnte jedoch zunächst ab, die Friedensverhandlungen ausgerechnet über Osterreich laufen zu lassen, das wahrend des Krieges keinen Schuss abgefeuert hatte Es war Clarendon, der Buols Motive durchschaute, wenn er dessen Vermittlungseifer auf die Schwache Russlands zurückführte, die Osterreich mutig gemacht habe Eine


    Seite 296

    Karikatur war bezeichnend für die Haltung der Engländer: Franz Joseph, in Uniform und mit Krone, steht vor einer Ladentheke, hinter der Palmerston in Zivil unbeeindruckt von seinem Kunden Zeitung liest, während Alexander I., ebenfalls in Uniform und mit Krone, vorsichtig um die Ecke lugt: »Frieden? Diesen Artikel haben wir zur Zeit nicht am Lager.«
    Doch standen Palmerston und Clarendon allein, da Kabinett und Königin den Krieg nicht ohne Frankreich weiterzuführen beabsichtigten. So blieb es nur bei zusätzlichen Forderungen Englands, die unter dem neuen Punkt 5 als »besondere Bedingungen im europäischen Interesse« pauschal zusammengefasst wurden. Napoleon III. musste sich Englands Einwilligung mit dem Verzicht auf seine großen Pläne von einer Revision der Karte Europas erkaufen. Damit war das Thema Polen und Italien erst einmal vom Tisch.
    Österreich kam das Angebot Napoleons III. mehr als gelegen. Durch die finanziellen Schwierigkeiten und die Demobilisierung der Armee, die Franz Joseph zum Missfallen Buols angeordnet hatte, war seine Position geschwächt, ein Druck auf Russland kaum erfolgversprechend. Auch das Verhältnis zu den Westmächten hatte sich abgekühlt, der Dezembervertrag galt als hinfällig. Auch ohne Krieg zu führen hatte Österreich im Donauraum durch Infektionskrankheiten 30000 Mann Verluste hinnehmen müssen, darunter 15000 Tote.
    Nun aber bot sich die Gelegenheit, mit Hilfe der Westmächte doch noch dem alten Ziel einer Territorialerweiterung auf dem Balkan und Mitsprache bei der Neuordnung Europas näherzukommen. Lag doch nach den Worten Franz Josephs die Zukunft Osterreichs im Orient, »auch wenn es hart ist, aus diesem Grund gegen frühere Freunde aufzutreten, und im Orient ist Russland sogar jederzeit unser natürlicher Feind« Wien rechnete also langfristig mit einer Konfrontation mit Russland, eine Rückkehr in den alten Dreibund der Heiligen Allianz kam nicht mehr in Frage Trotzdem meinte Buol in der Rolle s Friedensstifters auch in Deutschland Osterreichs altes Ansehen Zurückzugewinnen.
    Die Entscheidung fiel in Petersburg. Bereits im April 1855 hatte
    Nesselrode seine Zustimmung zu Punkt 1 und 2 übermittelt, doch
    war der Krieg weitergegangen. Punkt 5 und die zusätzliche Gebietsabschienen jedoch inakzeptabel. Am 11. Januar teilte Gortschakow‘ in Wien die »bedingte Annahme« der Friedensbedingungen mit,


    Seite 297

    jedoch beharrte Buol auf bedingungsloser Annahme, gab den Russen eine Frist von zehn Tagen und drohte mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen.
    Am 15. Januar 1856 trafen sich die Mitglieder des Kronrats zu der entscheidenden Sitzung: Sollte man Frieden machen oder den Krieg fortsetzen? Auf dem Tisch lag das Ultimatum Österreichs, auf dem Tisch lag aber auch ein Gutachten des Kriegsministeriums, dessen Überschrift bereits eine eindeutige Stellungnahme enthielt: »Die Gefahren der Fortsetzung des Krieges im Jahr 1856.« Der Inhalt war niederschmetternd: Mangel an ausgebildeten Soldaten und Offizieren, die Menschenreserven erschöpft, bisherige Gesamtverluste eine halbe Million Mann, Waffen und Munitionsreserven ebenfalls nahezu am Ende, die Versorgung der Krimarmee durch Getreide sogar gefährdet. Es war der Gewinn von Kars, der es Russland leichter machte, die Friedensbedingungen zu akzeptieren. »Da wir den Krieg nicht zu machen verstehen, machen wir Frieden«, so ein Mitglied des Kronrats unter Tränen.
    In diesem Augenblick, kaum hatte Russland seine Entscheidung bekanntgegeben, sorgte England für die nächste Krise. Ganz offensichtlich war es noch immer so, daß England, wie die Queen schrieb, den Gedanken nicht ertragen konnte, den letzten Waffengang im Krieg mit einer missglückten Aktion abgeschlossen zu haben, und dies ausgerechnet gegenüber einer »barbarischen Macht«. Clarendon verlangte nunmehr die Bekanntgabe der besonderen Forderungen Englands, zu denen unter anderem die Entmilitarisierung der Älandinseln und die Neutralisation auch des Asowschen Meeres gehörte, und dies obendrein in Form eines Ultimatums an Russland. Wiederum gelang es der geschickten Handlungsführung Napoleons III., der seine Berater Persigny und Walewski gegen den englischen Gesandten in Paris ausspielte, die Krise in den Griff zu bekommen. Nach drei Wochen des »Herumirrens« (Walewski) verzichtete England auf ultimativen Druck und gab sich mit der »Bekanntgabe« der Forderungen zufrieden. In dieser Situation zeigte sich, daß durch die neue Möglichkeit des Telegraphen mit seiner schnellen Übermittlung von Depeschen und Noten jene zeitliche Langwierigkeit vermieden wurde, die rund zwei Jahre zuvor noch den diplomatischen Schriftwechsel durch Kuriere und Geschäftsträger mit soviel Missverständnissen und Umständlichkeiten belastet hatte.


    Seite 298

    Für Preußen war die Situation, so sehr hier der Friedensschluss begrüßt wurde, mit neuen Schwierigkeiten verbunden. Wieder einmal war es durch seinen Bündnispartner vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Wieder einmal ergab sich die Frage, ob Preußen sich dem österreichischen Ultimatum anschließen und ein Vorhaben mit vertreten sollte, an dem es nicht beteiligt worden war. Es war das gleiche Problem wie vor einem Jahr: Trat Preußen auf di Seite der Westmächte und gingen die Verhandlungen schief, war es mit der Neutralität vorbei; trat es dem Abkommen zwischen dem Westen und Russland nicht bei und kam es zum Frieden, war Preußen nicht auf der Friedenskonferenz vertreten und isoliert. Österreich und Frankreich versprachen, sich dafür einzusetzen, Preußen an den Verhandlungen in Paris zu beteiligen, England war so strikt dagegen, daß erst einmal keinerlei Hoffnung bestand. England mischte sich trotz allem in die inneren Angelegenheiten Preußens ein, indem es gegen die Teilnahme hoher preußischer Offiziere am Tedeum zur Einnahme von Kars in der russischen Gesandtschaft protestierte, obwohl Friedrich Wilhelm IV. selber die Teilnahme missbilligt hatte.
    Friedrich Wilhelm IV. und seine Berater waren sich darin einig, lieber auf eine Einladung nach Paris zu verzichten, als sich um jeden Preis den Alliierten aufzudrängen: »Wir haben keine Veranlassung, Entre zu bezahlen, am wenigsten mit einer Beleidigung Russlands, unsres mächtigsten östlichen Nachbarn«, erklärte Manteuffel, »man schließe den Frieden ohne uns, wenn man will und kann.«Und auch Bismarck warnte vor würdeloser Anbiederung: »Wir laufen Gefahr, mit einem Schlag die Früchte zweijähriger Ruhe einzubüßen, wenn wir dem westlichen Programm beitreten, solange dasselbe nicht abgeklärter ist als bisher.«
    In den Augen Buols war der Beginn der Friedensverhandlungen in Paris ein großer Erfolg für Osterreich obwohl er sich im Grunde von Frankreich nur benutzen ließ, um die franzosisch russische Annäherung einzuleiten Preußens strikte Neutralität sollte sich erst später auszahlen, und Bismarck, für den der Krimkrieg ein Lehrstuck über die Affinitäten und Unvereinbarkeiten zwischen den Großmachten war, sollte von dem politischen Erbe Friedrich Wilhelms IV profitieren


    Seite 299
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  8. #48
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    Standard AW: German Werth Der Krimkrieg : Geburtsstunde der Weltmacht Russland

    Friedensmacher 1856

    Im Januar 1856 sprengten die Alliierten die letzten Docks von Sewastopol und setzten damit die Russen, vor deren Augen sich die Zerstörung der ehemals modernsten Hafenanlagen vollzog, vor vollendete Tatsachen. Am 11. März trafen sich an der einst umkämpften Traktir-Brücke an der Tschernaja die Gegner, um die Waffenstillstandsabmachungen zu regeln. Am 6. Juli 1856 verließen die letzten alliierten Truppen die Krim. Noch einmal ritten die Offiziere auf den Cathcart-Hügel, um einen abschließenden Blick auf Sewastopol und das Meer zu werfen.
    Die Friedensverhandlungen in Paris waren zu diesem Zeitpunkt längst abgeschlossen, mit einer Schnelligkeit, die alle in Erstaunen versetzt hatte, die noch in den Kategorien des Wiener Kongresses dachten. Zwar gab es keine glanzvollen Bälle, auf denen der Kongress tanzte, zumal Kaiserin Eugenie ihre Niederkunft erwartete, doch begleiteten von Anfang an zahllose Festbankette, Konzerte und Empfänge die Konferenzen, als ob der Frieden schon eine vollendete Tatsache sei, wie Hübner anmerkte.
    Am 25. Februar 1856 begannen die Friedensverhandlungen. Am runden, grünen Tisch saßen im neu errichteten Quai d‘Orsay unter dem großen Porträt des französischen Kaisers dieselben Gesichter, die allen Anwesenden seit Beginn der Krise 1852 vertraut waren: die Außenminister Clarendon und Walewski, die Gesandten Cowley, Bourqueney und Hubner Walewski bekam auf dem ringsum erwarte ten Vorschlag von Buol den Vorsitz Zwar hatten auch der türkische Großwesir Ah Pascha und der Italiener Cavour am Verhandlungstisch Platz genommen, doch wurde die Verhandlung ausschließlich von vier Großmachten bestimmt und bestritten
    Der alte Fürst Orlow leitete die russische Delegation, zu der als zweiter Mann der Londoner Gesandte Brunnow gehörte, ebenfalls ein routinierter Kabinettspolitiker alter Schule Nesselrode hatte sich mit 75 Jahren zu alt und gebrechlich gefühlt, um die lange Reise quer durch Europa anzutreten, und obwohl mit Gortschakow bereits sein Nachfolger als Kanzler und Außenminister feststand, war aus Gründen persönlicher Abneigung oder Eifersucht Gortschakow nicht ab kommandiert worden Nesselrode war durch den Krimkrieg zutiefst deprimiert und fand sein Lebenswerk zerstört


    Seite 300

    Erst am 18. März, als der Dardanellenvertrag von 1841 auf der Tagesordnung stand, wurden die preußischen Vertreter (Manteuffel und Hatzfeld) hereingelassen, ohne jedoch an den Verhandlungen durch Wortmeldung und damit am Entscheidungsprozeß teilnehmen zu dürfen. Ihre Meinung war nicht gefragt. Sie spielten damit eine noch geringere Rolle als die Türken und Italiener, was nur die Engländer befriedigte, die auf dieser Demütigung Preußens als Strafe für die neutrale Haltung während des Krimkriegs bestanden. Manteuffel blieb auch in den Verhandlungspausen wortkarg. Hübner beanspruchte das Verdienst, Napoleon III. überredet zu haben, sich für Preußen einzusetzen - um es »nicht Russland in die Arme zu treiben«. Napoleon III. war die dominierende Figur im Hintergrund, durch seine geschickte Taktik der Privataudienz gelang es ihm mehrmals, die Konferenz vor dem Scheitern zu bewahren; es kam auch vor, daß er wie im Fall des Russen Orlow die Verweigerung einer Audienz als Druckmittel einsetzte, als Orlow England gegen Frankreich auszuspielen gedachte.
    Denn die Gespräche kamen sofort zum Stillstand, da der schwierigste Punkt unklugerweise am Anfang stand, nämlich die Gebietsabtretung eines Teils von Bessarabien. Natürlich waren die russischen Unterhändler mit der Hoffnung nach Paris gekommen, während der Verhandlungen doch noch die eine oder andere Forderung der Westmächte abschwächen oder herunterhandeln zu können, und tatsächlich sollte es bald hinter den Kulissen Fraktionsbildungen geben, die mit der Koalition während des Krimkriegs nichts mehr zu tun hatten, nämlich eine Kooperation zwischen Frankreich und Russland auf der einen und England und Österreich auf der anderen Seite. Nach einem Bonmot von Hübner war »Walewski mehr Russe als Orlow«.
    Die russischen Unterhändler brachten nun Kars als Faustpfand ins Spiel und wollten die Kaukasusfestung nur gegen die völlige Rücknahme der Gebietsabtretungen in Bessarabien herausgeben, während England die Rückgabe von Kars ohne Kompensation forderte. Darauf machte Russland einen Rückzieher und gab Kars preis, aber nur, weil Walewski dafür sorgte, die Gebietsabtretungen in Bessarabien so gering wie möglich zu halten. Dabei wurde um kleine Ortschaften gefeilscht, von denen niemand je etwas gehört hatte, so daß sich die kuriosesten Verwechslungen ergaben, als endlich genauere Karten vorlagen. Brunnow und Orlow versuchten die österreichischen


    Seite 301

    Bevollmächtigten am Tisch zu schneiden, was sich Clarendon verbat, indem er auf die Gleichberechtigung Österreichs hinwies; andererseits griff er wiederum Österreich an, als es um das Donaumündungsgebiet ging. Seiner Ansicht nach war Österreich hier nur daran interessiert, sich selbst die Monopolstellung in der Handelsschifffahrt auf der Donau zu sichern.
    Im Gegensatz zu den Franzosen war Buol immer noch in Kriegsstimmung und empfahl einmal sogar den Abbruch der Verhandlungen, falls sich Russland nicht kompromissbereit zeigen würde, so daß die Schuld am Scheitern der Gespräche Russland zugeschoben werden konnte. Jedoch war an einer Wiederaufnahme des Krieges überhaupt nicht zu denken, da die Meinungsverschiedenheit unter den Siegermächten eher zunahm. Schließlich war es so, daß jede Nation Konzessionen machen mußte, mit Erfolgen und Niederlagen die Konferenz beschloss, so dass es im Grunde weder eindeutige Sieger noch Verlierer gab. Wieder fragten sich die Engländer, ob sie nicht zu früh in die Friedensverhandlungen gegangen waren oder warum sie überhaupt Krieg geführt hatten. Aber Clarendon widerlegte durch seine Verhandlungsbereitschaft die Ansicht, daß die englische Politik nur ein Reflex der öffentlichen Meinung war. Auf Grund alter völkerrechtlich anerkannter, zwischen Zar und Sultan geschlossener Verträge war es nicht möglich, Russland zum Rückzug aus dem Kaukasus zu zwingen; auch fiel der Kriegshafen Nikolajew nicht unter das Verbot, an der Schwarzmeerküste Marinearsenale zu halten, da er 22km landeinwärts lag. Hingegen waren die russischen Unterhändler mit der Forderung, die Festung Bomarsund nicht wieder aufzubauen, völlig einverstanden und erklärten nebenbei, daß es sich dort sowieso um eine Fehlkonstruktion der Festungsingenieure gehandelt habe.
    Mit der Neutralisierung des Schwarzen Meeres und der Beendigung des russischen Protektorats über die Donaufürstentümer wurden jedoch die wichtigsten Punkte aus dem Kriegszielprogramm der Alliierten erfüllt, den Expansionsdrang Russlands zu stoppen. Die Bedrohung der Türkei durch Russland war damit auf Jahrzehnte beseitigt, die Dardanellenfrage entscharft, Russland von der Donau abge drängt. Aber auch Frankreich und Österreich hatten hier das Nachsehen. Wien mußte seine Truppen abziehen und bekam nur einen festen Sitz in der Schiffahrtskommission für die untere Donau. Napoleon III. konnte seinen Wunsch, die Fürstentümer Moldau und Walachei zu

    302
    einem Staat zu vereinen, nicht in die Tat umsetzen. Die beiden Länder wurden erneut in ein außenpolitisches Abhängigkeitsverhältnis von der Pforte gebracht, eine genaue Aushandlung der Verwaltungs- und Regierungsstruktur übernahm die parallel laufende Botschafterkonferenz in Konstantinopel. Sie kam mit den anstehenden Problemen ebenso wenig zu Rande wie die sogenannte Räumungskommission, in der es um den Rückzug der Russen aus Bessarabien ging, dessen Abwicklung sich bis in das Jahr 1857 erstrecken sollte, so daß die englische Flotte dies zum Anlass eines längeren Kreuzens im Schwarzen Meer nahm.
    Was im Fall der Fürstentümer nach außen hin als Rückschritt erschien, war in Wirklichkeit nur ein Verschieben des Problems, das auch in den nächsten Jahren nicht gelöst werden konnte, so daß hier ein Spannungsherd blieb. Über die künftige Gestaltung der Region sollten die Volksvertreter befinden - damit war das Nationalitätenprinzip zum erstenmal auf einem internationalen Kongress rechtlich anerkannt, ein verschleierter Sieg Napoleons III. Sein Bemühen, offene Fragen wie die Diktatur in Neapel, die Einheit Italiens, die Räumung Griechenlands von den Alliierten, die Reform des Kirchenstaates Rom, im großen Kongress-Stil auf den Folgekonferenzen abzuhandeln, scheiterte. Es kam immerhin zu einer Neufassung des Seerechts, eine Domäne Englands.
    Der für Russland schmerzlichste Punkt war der Verzicht auf seine alte Rolle als Schirmherr der Christenheit im Orient; fast schien man auf dem Kongress aus den Augen verloren zu haben, weshalb der Krim- krieg entstanden war. Vergeblich versuchten die russischen Unterhändler die alten Rechte - Rechte zur »Einmischung« aus dem Vertrag von Kutschuk-Kainardschi zu retten. Clarendon bestritt energisch, daß es sich bei dem Krimkrieg um einen Religionskrieg gehandelt habe. Nicht Russland, die Türken sorgten noch einmal für eine Krise, als sie sich weigerten, einen neuen Ferman vom Februar 1856 über die Gleichstellung der Christen im Osmanischen Reich in den Friedensvertrag eingehen zu lassen - damit würde die Souveränität des Sultans angetastet; sie befürchteten eine Ersetzung des russischen Protektorats durch ein europäisches. Buol fand eine juristisch ausgefuchste Kompromisslösung, so daß die Vertreter der Pforte ihr Gesicht wahren konnten. Ein zum Abschluss schnell noch hinter dem Rücken der Russen abgeschlossener Tripelvertrag zwischen England, Frankreich


    Seite 303

    und Österreich garantierte die Integrität der Türkei, aber zugleich auch das Mitspracherecht der Großmächte. Feierlich wurde am 30. März der Friedensvertrag in siebenfacher Ausfertigung unterschrieben, obwohl längst noch nicht alle Kommissionen mit ihrer Arbeit fertig waren; unterzeichnet mit einer einem kaiserlichen Adler im Jardin des Plants ausgerupften Feder.
    Alexander II. nahm die neue Abmachung über die Stellung der Christen im Osmanischen Reich zum Anlass, in seinem Manifest zum Abschluss der Friedensverhandlungen die Ergebnisse von Paris als Erfolg Russlands hinzustellen: Es sei der Sinn des Krieges gewesen
    und kein Opfer Russlands vergebens -‚ das künftige Los und die Rechte aller Christen im Orient sicherzustellen.
    Die Aufnahme dieser neuen Regelung in das Vertragswerk von Paris war aber Augenwischerei, wenn nicht Heuchelei, ohne die es in der Diplomatie nicht ging. Wie im Fall früherer Erlasse, wie zum Beispiel im Jahr 1839, handelte es sich nicht um bindende Gesetze, sondern nur um Proklamationen, die größtenteils von den türkischen Behörden nicht eingehalten wurden. Mit dem Erlöschen der russischen Schutzfunktion verloren die Christen in der Türkei einen gewichtigen Fürsprecher ihrer Rechte, dessen Rolle die Westmachte - wie die Zukunft zeigen sollte - nicht auszufüllen vermochten Zwei Jahrzehnte später sollten wiederum die Russen vor Konstantinopel stehen, es war der vierte russisch-türkische Krieg innerhalb eines Jahrhunderts. Die orientalische Frage blieb ungelost, der Zerfall des osmanischen Reiches war nicht aufzuhalten; die Türkei nicht zu integrieren.
    Russland brauchte keine Kriegsentschädigung zu zahlen und wurde wieder als völlig gleichberechtigtes Mitglied in die europäische Staatenfamilie aufgenommen. Napoleon III. musste seine Idee von einem Kongress, der die Fehler und Versäumnisse des Wiener Kongresses korrigieren würde, allerdings begraben, gewann jedoch ein außenpolitisches Ansehen, das alle Spekulationen um seine zweifelhafte Herkunft vergessen machte. Es war nicht etwa Schmeichelei, wenn Hübner ihm gegenüber als Hauptresultat der Pariser Friedenskonferenz für Frankreich das Ende, die Zertrümmerung der europäischen Liga »gegen das Frankreich der Französischen Revolution« bezeichnete, eine Frontstellung, die »selbst während der Restauration bestanden und bis zum heutigen Tag gewährt habe!«
    Nach dem Bonmot eines französischen Diplomaten konnte man nach


    Seite 304

    Beendigung des Krimkriegs wirklich nicht erkennen, wer nun eigentlich der Sieger und wer der Besiegte war. Paris 1856 bedeutete kein Diktat- oder Siegfrieden; fast alle Politiker hatten das Gefühl, die Lösung der großen Probleme nur vertagt zu haben. Und doch bestand das große Verdienst der Friedensmacher von 1856 darin, einen der schrecklichsten und zugleich unverständlichsten Kriege des Jahrhunderts mit einem erstaunlichen Sinn für das Mögliche und Zumutbare, worin viel Weltklugheit und Fähigkeit zur Mäßigung lag, zu einem schnellen Ende gebracht zu haben, ohne wie die Friedensmacher des Wiener Kongresses den Anspruch zu erheben, ein Jahrhundertwerk zu schaffen oder ewig gültige Doktrinen zur Menschheitsbeglückung zu verkünden. Trotz allem nahm der Verfasser der Türkischen Rede ein Jahr später den Friedensschluss noch einmal zum Anlass, um den Krieg auf der Krim mit dem blutigen Opfer Iphigeniens auf Taurien zu vergleichen, weil damals wie jetzt der »skythische Geist und barbarische Brauch« überwunden worden war, daß »die Menschen, die doch alle miteinander verwandt sind, sich gegenseitig hinschlachten«.

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    Friedensfeier



    Am Freitag, den 10. Mai 1856 fand in England die Friedensfeier statt, im Beisein Königin Victorias und Prinzgemahl Alberts. Als Kulisse hatte man den Kristallpalast ausgewählt; er war 1854, nachdem die einst bahnbrechende Konstruktion ziemlich achtlos behandelt worden war, demontiert und im Londoner Vorort Sydenham wieder aufgebaut worden. Die Feierlichkeiten konzentrierten sich um die Enthüllung zweier Denkmäler: eine von vier trauernden Frauengestalten umgebene Säule zur Erinnerung der in Skutari - »als Verteidiger der Türkei« - begrabenen Engländer, und eine allegorische Darstellung des Friedens »in kolossalem Maßstab«, einen Olivenzweig in der rechten Hand. Militärische Abordnungen der Krimarmee paradierten vor diesen beiden Denkmälern, die vorerst nur als Gipsabguss zu sehen waren; sogar russische Märsche wurden neben den heimatlichen, sardinischen und französischen Militärmusiken gespielt.
    London bereitete sich auf die große abschließende Siegesparade vor, zu der Hunderttausende aus der weiten Umgebung extra in die Stadt


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    reisten - die größte Feierlichkeit seit 1814. Gleich vier Feuerwerke erleuchteten die städtische Szenerie in allen vier Himmelsrichtungen, »ein ununterbrochener Regen blauer und roter Sterne« tauchte London in ein »Lichtermeer«.
    Die Geschäftsleute hatten sich an der Ausschmückung der Straßen beteiligt, die meisten mit simplen Spruchbändern, auf denen Honour to the brave zu lesen war. »Das ist diplomatisch«, kommentierte Theodor Fontane, »warum sollten sie die Tapferkeit nicht ehren? Aber sie hüten sich wohl, den Frieden willkommen zu heißen. . . Das ganze ist ein Auskunftsmittel, ein Kompromiss. Es wahrt die Kundschaft und - die politische Gesinnung.«
    Ein Hotel am Trafalgar-Square präsentierte eine Friedensgöttin, vor der sich die Göttin der Zwietracht »mit einem bemerkenswert furchtbaren Gesicht in den Hintergrund zurückzieht. Zu Füßen ein britischer Löwe mit dem Lorbeerkranz in seiner Tatze - er tut recht daran, ihn festzuhalten; er war nahe daran, ihn zu verlieren«.
    Dem aufmerksamen Beobachter fielen auch die alten roten Uniformjacken auf, die vor den Altkleiderläden im Wind schaukelten - die »abgeschabten roten Fracks zurückgekehrter Krimhelden«. Ein Transparent erinnerte an die vielen ungelösten »Fragen« - an Polen, Ungarn, Italien. Russland und Österreich kamen schlecht weg, der Türke diente mehr als folkloristische Staffage; eine Anspielung auf Preußen war nicht zu finden.
    Obwohl Wellingtons Armee auf der Krim untergegangen war, hatte sein Mythos den Krieg überlebt. Im August 1857 schloss in London eine Ausstellung, auf der die Modelle zum Wellington-Denkmal in der St. Paul‘s Cathedral zu sehen waren, das die Regierung 1852 ausgeschrieben hatte. Unter den prämierten Arbeiten befanden sich viele Werke, die eher von Konditormeistern zu stammen schienen als von Berufsbildhauern, wie Fontane fand. Anscheinend war es schwer, sich nach so langer Zeit für den »frostigen Helden« zu begeistern. Den Anspruch des Empires verkörperte ein Denkmalsentwurf, der den Fuß Wellingtons auf dem Erdglobus ruhend zeigte, um den sich die britische Flagge spannt. Die Erinnerung an Waterloo bot Trost und Zuflucht Schließlich entschied man sich für Alfred Stevens Wellington Denkmal, das jedoch so groß war, daß es fast nicht an die Seitenkapelle mit dem Sarkophag Wellingtons passte, als man später an seine Aufstellung ging Nur Eingeweihte wissen, daß die Frauengestalt, die


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    hoch oben über dem Marmorsarg thront, die Allegorie der Wahrheit darstellt, wie sie gerade der Lüge die Zunge ausreißt.
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    Standard AW: German Werth Der Krimkrieg : Geburtsstunde der Weltmacht Russland

    Nachspiel

    Nach dem Krieg kamen die Touristen, im wahrsten Sinn des Wortes Schlachtenbummler, um die berühmte Stadt und die legendär gewordenen Schauplätze von Balaklawa und Inkerman zu besichtigen und nach Andenken abzusuchen wie ein halbes Jahrhundert zuvor das Feld von Waterloo. Als Mark Twain über ein Jahrzehnt nach dem Fall des Malakow-Turms auf dem Weg durch den Bosporus an Konstantinopel vorbei Sewastopol erreichte, machte die Stadt noch immer einen Eindruck, als sei sie erst vor kurzem von einem Erdbeben heimgesucht worden.
    »Alle gingen auf Andenkenjagd. Sie schleiften Kanonenkugeln, zerbrochene Ladestöcke, Granatsplitter heran, einige hatten sogar Knochen mitgebracht.« Während die Russen bei der Einreise von Engländern große Schwierigkeiten machten, kamen die Amerikaner so gut wie unkontrolliert an Land, wo sie gastfreundlich aufgenommen wurden. Auf die USA waren die Russen gut zu sprechen. Ein amerikanischer Ingenieur hatte die technische Wunderleistung zustande gebracht, ein versenktes Kriegsschiff nach dem anderen mit der Hilfe von Dampfmaschinen aus der Fahrrinne zu heben und die Schiffs- sperre von 1854 zu beseitigen. »Das zerstörte Pompeji befindet sich in gutem Zustand verglichen mit Sewastopol«, meinte Mark Twain. »Hier kann man in jede beliebige Richtung blicken, und das Auge trifft kaum auf etwas anderes als Zerstörung, Zerstörung, Zerstörung! Häuserruinen, zerbröckelte Mauern, zerfetzte und zerklüftete Hügel, Verwüstung überall. Kein einziges Haus ist unversehrt davongekommen. Säulen halbiert, Ecken weggerissen, Gesimse zerschmettert, Löcher glatt durch die Wände getrieben... Hier und da steckt noch eine Kanonenkugel in der Mauer, und eiserne Tränen tröpfeln von ihr herunter und verfärben den Stein.«
    Die Reparatur der Kuppel über dem Heiligen Grab in Jerusalem, deren Baufälligkeit 1850 Anlass heftiger Streitigkeiten zwischen orthodoxen und katholischen Gläubigen gewesen war, eine der Kriegsursachen, war übrigens 1865 noch immer offen.


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    Standard AW: German Werth Der Krimkrieg : Geburtsstunde der Weltmacht Russland

    Epilog Der Krimkrieg - eine vergessene Lektion

    »Plötzlich tauchte das Gespenst von Sewastopol vor uns auf. Kaum ein Haus, das noch stand, und die noch standen, waren ohne Dach. Aber über dem ganzen Hafen ruhte jene unaussprechliche Atmosphäre des Stolzes, wie man sie nur bei ganz seltenen Gelegenheiten fühlt. Verdun ließ sie mich immer spüren.«
    Feldmarschall Alanbrooke,
    Chef des Empire-Generalstabs, 1945.



    Nach dem Krieg hatten die Historiker und die Statistiker das Wort. Wie immer wurde die Zahl der Opfer maßlos übertrieben. Von 100000, 500000, ja 600000 Toten war die Rede. Es blieb bei 165 000 Opfern, davon waren 104 000 nicht an der Front, sondern an Seuchen und Krankheiten gestorben: 50000 Franzosen (von 70000 Toten), 17000 Engländer (von 22000 Toten), 37500 Russen (von 73000 Toten). Noch immer fielen die meisten Soldaten nicht dem Schießpulver, sondern Krankheiten und einer katastrophalen Betreuung zum Opfer, bevor sie überhaupt den Feind zu Gesicht bekommen hatten.
    Natürlich wissen wir, wie die Geschichte weiterging. Rund eineinhalb Jahrzehnte nach dem Pariser Frieden stürzte Napoleon III., und Bismarck gründete mit Rückendeckung Russlands das Deutsche Reich. Österreich hatte damit seine Quittung für die antirussische Politik während des Krimkriegs weg. Daß »der Weg ins Deutsche Kaiserreich mit einer Weichenstellung eingeschlagen wurde, die sich im Krimkrieg entschied«, machte Hans-Joachim Schoeps mit als erster Historiker wieder bewusst, nachdem der Krimkrieg aus dem Bewusstsein der Deutschen verschwunden war. Moltkes Triumph über die ruhm- bedeckten Generäle Frankreichs wie Bazaine, Trochu, Mac Mahon, Canrobert, alles Krimkriegsveteranen, verdeckte die Erinnerung an Preußens »unheroische« Rolle im Krieg von 1853-1856, der sich doch nur durch das Verdienst Friedrich Wilhelms IV. nicht zu einem Weltkrieg ausgeweitet hatte, mit der Mitte Europas als Schlachtfeld.
    Napoleon III. aber schien nach seinen außenpolitischen Erfolgen jener großen Gefahr zum Opfer gefallen zu sein, vor der Friedrich


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    Nietzsche in seinen Unzeitgemäßen Betrachtungen die Deutschen des Bismarckreiches warnte, der Hybris und Selbstverblendung, weil »die menschliche Natur einen großen Sieg schwerer ertrage als eine Niederlage«. De Gaulle stützte sich dagegen auf Zola, wenn er eine Erklärung für die Niederlage 1870/7 1 in dem Fatalismus seines Oberbefehlshabers suchte, der auf das ganze Heer abfärbte und dem »glühenden Nationalgeist« des Gegners nichts entgegenzustellen hatte.
    Als Helmuth von Moltke im Herbst 1856 Russland besuchte, um an den Krönungsfeierlichkeiten Alexanders II. teilzunehmen, fand er das Land keineswegs in seinem Selbstverständnis gebrochen vor. »0 diese große unvergessliche Zeit der Wiedergeburt des russischen Volkes«, schrieb Tolstoi in einer Erzählung, in der er an die Dekabristen, die von Nikolaus I. brutal niedergeschlagene Revolution der Patrioten von 1825 erinnerte, »wer 1856 nicht in Russland gelebt hat, der weiß nicht, was Leben ist«. Der Krimkrieg, der Russlands Rückständigkeit offenlegte, hinterließ im Gedächtnis der Nation tiefe Spuren, und doch trug gerade die Niederlage entscheidend zu sozialen und wirtschaftlichen Reformen bei, zur Abschaffung der Leibeigenschaft und Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, zur geistigen Befreiung, Universitätsautonomie und Öffnung des Landes. Tolstoi verfasste sein epochales Romanwerk Krieg und Frieden zur moralischen Wiederaufrichtung Russlands, indem er an die Widerstandskräfte des russischen Volkes im Krieg gegen Napoleon 1. erinnerte; so wie Thomas Carlyle sein Buch über Friedrich den Großen an die Adresse seiner Landsleute richtete als das Geschichtsporträt eines Helden in «einer Zeit der Scheinmenschen und Lügner«.
    Ein Außenstehender wie der 48er-Demokrat Julius Fröbel sah 1855 Russland durchaus nicht als Verlierer, sondern als vorübergehend eingeschränkte Nation, die zusammen mit Amerika einmal die »beiden Pole der politischen Welt« bilden würde, zwischen ihnen das westliche Europa als »Übergang in der Mitte«. Sei doch der »gegenwärtige Krieg der erste geschichtliche Vorgang, in welchem an die Stelle eines politischen Gleichgewichts von Europa ein politisches Gleichgewicht der Welt zu treten beginnt«. Dabei konnte er sich sogar auf Alexis de Tocqueville berufen, der schon 1835 die Aufteilung der Welt in die zwei Supermächte prophezeit hatte.
    Wenn der Krimkrieg eine Geschichtslektion enthält, dann ist es die Lektion vom Friedenskongreß in Paris, der eben kein Versailles war


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    und das geschlagene Russland nicht als einen mit der Kriegsschuld behafteten Aussätzigen behandelte, an dem es Rache zu nehmen gelte.
    Die Friedensmacher von 1856 waren klüger und weitsichtiger als die von 1918. »Die frühere Gleichgewichtspolitik rechtfertigte Kriege, wenn sie das Ziel hatten, das gefährdete Gleichgewicht der Staaten zu erhalten oder das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen« (Hellmut Diwald). Es waren begrenzte, niemals totale Kriege, dem Sieger war daran gelegen, den Gegner nicht zu vernichten, da er im nächsten Krieg wieder Bündnispartner werden konnte. Ein Palmerston, der Russland als Großmacht ausschalten und demütigen wollte, war damals noch eine Ausnahme und wurde von den anderen Politikern abgelehnt. Und enthält nicht auch das Kapitel Preußen im Krimkrieg eine Lektion, aus der die Deutschen lernen könnten, daß Neutralitätspolitik keine »Schaukelpolitik« und »kein Spiel mit der Mitte« ist, sondern nationale historische Verpflichtung, nicht den »Spielball der Mächte« abzugeben?
    Unbestreitbar war Napoleon III. die bedeutendste Politikergestalt in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Aber im Gedächtnis der Deutschen blieb nur der geschlagene Imperator haften, der bleich und geschminkt in seiner Kutsche das Schlachtfeld von Sedan verlässt, von seinen eigenen Soldaten mit Hohn und Spott übergossen. Als Witzfigur Wilhelm Buschs ging er durch die deutschen Lesebücher, als der »größte Abenteurer der Weltgeschichte« und »Napolium« mit dem lächerlichen Rübengesicht.
    Selbst die Franzosen, denen 1871 die Demokratie als Geschenk der Geschichte zufiel, schienen lange Zeit die Bedeutung dies Mannes vergessen zu haben, der Frankreich modernisiert und Paris zum Mittelpunkt der Welt gemacht hatte. An der Einschätzung des zweiten Kaiserreiches als Offenbach-Operette wirkte Zola kräftig mit, nur daß er als Grundzug prinzipielle Korruptheit und Imponiersucht angab.
    Selbst bei Fontane, einem so wachen Beobachter seiner Zeit, hat der Krimkrieg kaum Spuren hinterlassen. Im Roman Quitt taucht die seltsame Figur eines Kommunarden auf, der, Mörder, Erfinder und Pionier in einer Person, sich nur im Minensprengen vor Sewastopol hervorgetan hat. Für die Deutschen war der Krimkrieg bald eine Angelegenheit weit hinten in der Türkei wie für Paul Raabes Chronisten


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    der Sperlingsgasse. Was ging sie die orientalische Krise an? Und wer vom Krimkrieg reden wollte, dem mochte es bald wie jener ulkigen Figur bei Karl May gehen, einem türkischen Kompanieschreiber, der der Reisegesellschaft, unterwegs von Bagdad nach Stambul, gerne die Geschichte von dem Verlust seiner Nase erzählen möchte, wie er »damals vor Sewastopol im dichtesten Schlachtgewühl und Kugelregen« stand, der jedoch nie mit der Geschichte zu Ende kommen kann, weil sie niemand hören möchte. Die Schriftsteller überließen das Feld dem Konsalik des 19. Jahrhunderts, Sir John Retcliffe, ein Pseudonym, hinter dem sich jedoch kein englischer Lord verbarg, sondern ein schlesischer Lokalredakteur, Kollege Fontanes bei der Kreuz-Zeitung, der in einer tausend Seiten starken Trivial-Triologie den Krimkrieg als die Geschichte von Geheimgesellschaften und Verschwörern verkaufte.
    Bei Theodor Fontane wie bei Karl May blieb Napoleon III., den schon der Berliner Hof verächtlich »Nöppel« genannt hatte, eine komische Figur. Nur Bismarck erkannte ihn als ebenbürtig. Erst Heinrich Mann entdeckte seine tragische Dimension; er beschrieb ihn als einen Verschwörer und Träumer, dem die Kraft ausgeht im Augenblick des Handelns, und der nicht unmenschlich und gefühllos genug ist für die Lenkung eines Kaiserreiches.
    Wie wenig man sich über die Gestalt des zweiten Napoleoniden zu einigen imstande war, bewiesen die Bücher von Alfred Neumann und Heinrich Berl Mitte der 30er Jahre. Berl, aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen, schrieb seine Biographie als Schlüsselwerk, als gründliche Abrechnung mit der Diktatur Hitlers, so frappierend erschienen ihm die historischen Parallelen: beide begannen als Verschwörer, beide stürzten die Republik, beide beriefen sich auf die Vorsehung, hatten ungeheuren Erfolg, verschwiegen ihre wahren Absichten; beide machten Krieg und stürzten über diesen Krieg. Beinahe wäre wohl auch der Thomas-Mann-Freund Alfred Neumann der Verlockung dieser zu einfachen Gleichung erlegen, als er während der Niederschrift seiner Romantrilogie über das zweite Kaiserreich von »frappanten Analogien mit den Ereignissen unserer Zeit« sprach und so den Nationalsozialismus als neuen Bonapartismus oder Cäsarismus verfälschte. Aber über der Niederschrift seines »Neuen Cäsars« wandelte sich die Geschichte vom Aufstieg des durch die Napoleon-Legende an die Macht geschobenen »falschen Louis« um in die


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    Geschichte des 19. Jahrhunderts, das seine Identität sucht so wie der Emporkömmling nach historischer Legitimation: Napoleon III. als Schlüsselfigur einer ganzen ins Schleudern gekommenen Epoche, für die er ein Außenseiter bleibt, weil er als einziger, sensibilisiert durch den Zweifel an seiner Herkunft, die auf den großen Kollaps zulaufende Fatalität zu durchschauen imstande ist.
    Alfred Neumanns Neuer Cäsar ist in Vergessenheit geraten, der Krim- krieg nur noch eine Marginalie wert wie bei Arno Schmidt, für den The Pininsular War - der Halbinsel-Krieg - auf die Kuriosität zusammenschnurrt, daß ein englischer Soldat einen russischen General nicht erschießt, weil er dessen Notdurft respektiert.
    An den Krieg, der nach seinem Hauptschauplatz benannt wurde, erinnern heute nur noch jene massiven Fördertürme der Zechenanlagen in Belgien und Deutschland, denen der Volksmund die Bezeichnung Malakow-Türme gab, obwohl sie so gut wie keine Ähnlichkeit mit dem berühmten Bollwerk in Sewastopol aufzuweisen haben; vielleicht so benannt, weil sie mit ihrer immensen Mauerstärke an die Widerstandsfähigkeit der russischen Bastion erinnerten oder so etwas wie die Triumphmale des neuen Industriezeitalters darstellten.
    Durch Europa tingelte damals noch eine Weile eine aus Zuaven gebildete Theatertruppe, die bereits im Mai 1855 vor ihren Kameraden als Fronttheatertruppe aufgetreten war, um die Langeweile in den Lagern auf der Krim zu vertreiben: Schauspieler-Soldaten oder Soldaten-Schauspieler, da alle auch während der Aufführung ihre Medaillen trugen und die Vorführung ab und zu absichtlich unterbrachen, um zu ihren Gewehren zu greifen und einen Angriff der Russen abzuwehren, wie es sich während der Belagerung zugetragen haben sollte. Und es erinnerten die Kriegskrüppel an den Krieg, mit denen der Knabe Zola groß wurde wie mit den bramabasierenden Veteranen von Sewastopol.
    In der Erinnerung gab es feine Unterschiede. Im Londoner Stadtplan wird man - im Gegensatz zu Paris - vergeblich eine Malakow-Straße suchen, doch natürlich Alma und Balaklawa finden. Balaklawa machte sogar Mode, denkt man an den Raglan- oder Cardigan Schnitt. Der Irrsinn von Balaklawa brachte es zum Mythos, die Schlacht galt als »letzter Triumph mittelalterlichen Rittertums über die moderne Waffentechnik«, der Schlachtengeist von Balaklawa als Zeichen besonderer angelsächsischer Todesverachtung, immer mit


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    einer gehörigen Portion Leichtsinn verbunden. »Im Geist von Balaklawa« brach Scott total unvorbereitet zum Südpol auf; es »roch nach Balaklawa«, als die Piloten 1942 bei Midway ihren Angriff gegen die japanischen Flugzeugträger flogen: »Nicht ihre Sache war‘s zu fragen, sie mußten‘s tun und ihren Tod ertragen.« Der Festungskrieg prägte die erste »Maginotmentalität« vor 1940. Prominentes Opfer war der US-General Georg McClellan, der langsame Mac, er hatte als Beobachter die Krim besucht und war ganz offensichtlich so beeindruckt, daß er später als Armeeführer im amerikanischen Bürgerkrieg gigantische Erdbewegungen ausführen ließ, um Yorktown fachmännisch zu belagern, ohne zu bemerken, daß der Feind längst abgezogen war.
    Lange Zeit galt der Abenteurer Napoleon III. als der Schuldige am Krimkrieg. Oder Nikolaus I. mit seinem wiederholten »Griff nach den Dardanellen«. Oder das von der öffentlichen Kriegslust beflügelte England des Lord Palmerston-Feuerbrand, der den Krieg kühl riskierte, während der russische Zar nur politisches Poker spielte. Aber wie der Historiker Winfried Baumgart, wohl der beste Kenner der Materie, richtig sagt, läßt sich der Krimkrieg durch keine Formel eindeutig charakterisieren.
    Ein Zeitgenosse hat das schon damals empfunden, als er davon sprach, daß »die Begebenheiten und Entscheidungen das Resultat kleiner und komplizierter Kräfte« gewesen seien. Doch gilt für den Krimkrieg, was für den Ersten Weltkrieg inzwischen sich zu sagen verbietet: daß die Staaten und Regierungen in ihn ‘reingeschliddert sind, sich ‘reinschliddern ließen. Österreich bremste auf halbem Weg, Preußen gelang es, am Rand des Abgrunds stehen zu bleiben, sein Kriegseintritt hätte Europa vollends aus dem Gleichgewicht gebracht.
    Auch der Pariser Kongress gab Europa wie ein halbes Jahrhundert zuvor der Wiener Kongress eine mehr als fünf Jahrzehnte dauernde Atempause bis zur großen Explosion des Ersten Weltkriegs. Doch wurde die Solidarität der Großmächte, das Bewusstsein, ein gemeinsames Haus zu bewohnen, immer brüchiger.
    Natürlich wissen wir, was weiterhin geschah. Noch zweimal wurde die Krim mit Sewastopol als strategischem Schlüsselpunkt Schauplatz fremder Invasionen. 1918 besetzten deutsche Truppen kampflos die Halbinsel, das deutsch-türkische Schlachtschiff Goeben wurde in den Docks von Sewastopol überholt, bis die westalliierten Streitkräfte die


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    deutschen Besatzungssoldaten ablösten, und auch sie wieder vertrieben wurden.
    Dann wird Sewastopol ein zweites Mal völlig zerstört: Im Zweiten Weltkrieg ist die Halbinsel der Schauplatz eines militärischen Dramas in zwei Teilen. Fast ein dreiviertel Jahr dauern die Kämpfe auf der Krim, währenddessen die geplante Einnahme »wie ein drohender Schatten« auf dem Leben der Soldaten liegt. Wieder ist vom Garten Eden die Rede und von Iphigenie, von Inkerman, Malakow und dem englischen Friedhof zwischen Balaklawa und Sewastopol. Auf deutscher Seite ist es die stärkste Artilleriemassierung im Zweiten Weltkrieg. Nach einem Monat erbittertem Kampf stürmt die 11. Armee im Juni/Juli 1942 die wohl stärkste Festung der Welt, die mit ihren unterirdischen Bunkeranlagen und neuen Forts an die Maginotlinie erinnert; der Hauptangriff wird nun über die große Tschernajabucht von der Nordseite her vorgetragen.
    So gut wie unbelästigt durch Führerbefehle kann Feldmarschall Man- stein hier seinen eigenen Krieg führen, Sewastopol als vom gigantischen Weltkriegstheater abgeschlossener, eigener Schauplatz. Und doch kein Krieg wie jeder andere!
    Hitler nimmt leidenschaftlich Anteil an der Eroberung der Krim, hier soll einmal die deutsche KdF-Riviera (»Kraft durch Freude«) liegen, auf dem Landweg von Berlin durch eine erstklassige Autobahn zu erreichen, in »Gotenland« umbenannt. Für die »bolschewistische Räuberbande« der Russen ist nur noch die Rolle als Diener der Herrenmenschen vorgesehen. Auf sowjetischer Seite hält der Kriegsberichterstatter Konstantin Simonow in seinem Tagebuch auf der Krim fest, daß »irgendwelche Widersprüche zwischen der Tradition der deutschen Armee und dem Nazismus Manstein keine schwerliche Seelenpein bereiten«. Als ob es keine Seelenpein zwischen Stalinismus und der Tradition der russischen Armee gäbe. Die brutale Deportation der Krimtataren, Lew Kopelew war ihr Zeuge, beschmutzte den sowjetischen Sieg.
    Es sind andere Mythen und Assoziationen, die einen Peter Bamm oder Erwin Damian bewegen, für die die Krim die Landschaft Iphigenies bedeutet; ein Zeichen des Respekts vor der russischen Geschichte ist die Reparatur des Todleben-Denkmals.
    Und dann die mörderische Quittung, als im Frühjahr 1944 die fremden Eroberer selber zu Belagerten werden, als Hitler die Halbinsel


    Seite 315

    zur Festung Krim erklärt und der 17. Armee, die sich vom Kuban Brückenkopf hierher zurückgezogen hat, die Verteidigung auf Dauer, ohne jegliche Handlungsfreiheit, befiehlt - zuletzt der Rückzug in die Ruinenstadt von Sewastopol und ganz zuletzt auf die Landzunge der Chersones am weißen Leuchtturm, dem äußersten westlichen Küstenzipfel, dort wo knapp zwei Jahre zuvor die letzten russischen Verteidiger Zuflucht gesucht hatten, ein exemplarischer Untergang, ein Menetekel für die ganze Wehrmacht. Wieder das entsetzliche Elend der Verwundeten, der Zivilbevölkerung, der Pferde, die massenweise erschossen und von den Klippen ins Meer gestürzt werden, der verzweifelten Soldaten. Auf Befehl des »Führers« wird den wenigen übers Meer entkommenen Soldaten verboten, über den Untergang der Divisionen auf der Krim zu sprechen, wie sich Peter Bamm erinnert.
    Daß der deutsche Kronprinz Manstein zur Bezwingung der Festung gratuliert mit dem Hinweis, ihm sei es damals versagt geblieben, seinerzeit Verdun zu nehmen, ist gar nicht so abwegig. Wie bei Verdun 1916 ist der Festungskrieg um Sewastopol in Wirklichkeit ein riesiger Stellungskrieg, so daß die »belebte Kriegführung unter Menschenopfern verdirbt«. Sewastopol 1855 war eine Vorwegnahme von Verdun, in der mörderischen Monotonie des Materialeinsatzes geht alle Strategie verloren, macht das »stumpfsinnige Gemetzel« Methode, wie Ernst Jünger während des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront meditiert. Der Krimkrieg ist der erste Krieg der Moderne, in dem das Industriepotential und die bessere Infrastruktur den Kriegsausgang entscheiden. Die Anwendung der Dampfkraft revolutionierte auch die Kriegführung. Daß hier sogar die Idee der »Blut- pumpe« auftaucht, auf die 1916 Erich von Falkenhayn, der deutsche Generalstabschef, verfiel, ist eine schaurige Parallelität. Fehlte nur das Maschinengewehr. Mehr als anderswo, heißt es, hätte man hier das Gefühl, über ganze Schichten menschlicher Gebeine zu gehen. Als der Chef des britischen Generalstabs Lord Alanbrooke 1945 während der Konferenz von Jalta das Schlachtfeld besucht, erinnern ihn die heroischen Ruinen von Sewastopol an Verdun, aber in erster Linie denkt er an das historische Schlachtfeld von Balaklawa, zur Verwunderung der Russen: »Und da waren über all das hinaus, als ob dieser kleine Winkel der Welt noch nicht genug menschliche Leiden gesehen hätte, weit und breit Zeichen der jüngsten Kämpfe. Hier


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    neben den Trümmern eines Flugzeuges ein Grab, dort ein zusammen- geschossener Panzer, Kraterreihen an Kraterreihen von Granaten und Bomben, Stacheldrahtgewirr und der übliche Plunder einer Schlacht.«
    Danach wurde Sewastopol wieder Sperrgebiet, um den immer wieder auf den neuesten Stand gebrachten Marinestützpunkt vor den Blicken Neugieriger zu schützen, während schon bald den Argusaugen der Himmelsspione so gut wie nichts verborgen bleibt. Aber die geschichtliche Wende in der Sowjetunion hat selbst vor der rigorosen Geheimhaltungspolitik der Militärs nicht Halt gemacht. Ende August 1988 besucht der damalige amerikanische Verteidigungsminister Carlucci den historischen Boden der Krim, Jalta und Sewastopol, heute Symbol des sowjetischen Anspruchs auf Geltung als Seemacht und damit gleichberechtigte Großmacht neben den USA.
    Noch war dies die Ausnahme. Aber die Geschichtslektion braucht den Lokaltermin. Und wie im Fall der Festung Verdun, mit deren Namen sich die mörderischste Schlacht des Ersten Weltkriegs und die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland ein halbes Jahrhundert danach verbindet, könnte vielleicht gerade Sewastopol die Tatsache in das Gedächtnis zurückrufen, daß Deutschland - damals vertreten durch Preußen - und Russland viel mehr verbindet.


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    Literaturverzeichnis

    Erwähnt sind nur die wichtigsten Bücher über die politische und militärische Geschichte des Krimkrieges, thematisch gegliedert; allgemeine Geschichtswerke von damals und heute wurden weggelassen.
    Die entscheidenden Einsichten über Florence Nightingale lieferte F. B. Smith, weiterhin D. Thomas über Cardigan (der ihm im Gegensatz zu Churchill Gerechtigkeit widerfahren läßt), Ch. Hibbert über Lord Raglan und das Schlachtenglück, sowie J. B. Conacher über Palmerston.
    Bedanken möchte ich mich am Ende dieses Marathonlaufes durch vier Jahre Vergangenheit bei meinen zahllosen Vorgängern, die über den Krimkrieg geschrieben haben und ohne deren Arbeit und Fleiß das Buch nicht zustande gekommen wäre, und bei allen Freunden, die mich beraten und ermutigt haben. Besonderer Dank gilt meiner Frau, die mich bei den Übersetzungen der ausländischen Quellen und durch das unermüdliche Abschreiben des Manuskriptes so tatkräftig unterstützt hat.


    Kriegsschauplätze Donauraum, Kaukasus und Krim

    Ivo Andri: Omer-Pascha Latas. München 1980
    Der Feldzug in der Krim. Bearbeitet von Anitschkof. Berlin 1857
    Betty Askwith: Crimean Courtship. o. 0. 1985
    Baron de Bazancourt: Der Feldzug in der Krim. Bd. 1 u. 2.
    Pest und Wien 1856
    S. Calthorpe/Cadogan: Cadogan‘s Crimea. London 1979
    Marschall Canrobert: Erinnerungen. Hrsg. v. Pfaff. Berlin 1912
    Kellow Chesney: A Crimean war reader. London 1960
    Ren Guillemin: La Guerre de Crime. Paris 1981
    Christopher Hibbert: The Destruction of Lord Raglan. London 1961
    Georg Klapka: Der Krieg im Orient. Genf 1855
    Alexander W. Kinglake: The Invasion of the Crimea.
    Bd. 1-8. Leipzig 1868
    H. Kunz: Die Schlachten und Treffen des Krimkrieges. Berlin 1889
    E. Kowalewski: Der Krieg Russlands mit der Türkei. Leipzig 1869
    Egon Larsen: Die Zeitung bringt es an den Tag. Stuttgart 1970
    Karl Lanzedelli: Der russisch-türkische Krieg. Bd. 1 u. 2. Wien 1854 u. 1856
    Robert Lidell: Die Stadt am Bosporus. Zürich 1959
    George McClellan: Offizieller Bericht über die Operationen in der Krim. Stuttgart 1859
    Unter dem Doppeladler. Aus dem Hauptquartier des Fürsten Mentschikoff. Mitteilungen eines deutschen Arztes in russ. Diensten. Hrsg. v. Dr. P. Berlin 1855
    Dr. Paul Myrdacz: Sanitäts-Geschichte des Krimkrieges. Wien 1895
    MEW (Marx-Engels-Werke) Bd. 9-12
    W. H. Russell: The War.
    London 1856
    W. H. Russell: The Great War with Russia. London 1895
    Alexander Petrow: Der russ.
    Donaufeldzug. Berlin 1891
    Wilhelm Rüstow: Der Krieg gegen Russland. Zürich 1855 u. 1856 Frhr. v. S.: Neue hervorragende Persönlichkeiten auf dem jetzigen Kriegsschauplatz.
    Leipzig 1855
    Wonderful Adventures of Mrs. Seacole in many lands. Edited by Z.
    Alexander and A. Dewjee. Bristol 1984
    F. B. Smith: Florence Nightingale. Reputation and Power. London 1982
    Lytton Strachey: Macht und Frömmigkeit. F. Nightingale. Berlin o. J.
    Albert Seatot: The Crimean War. A Russian Chronicle.
    London 1977
    Leo Tolstoi: Sewastopoler Erzählungen. Frankfurt/Main 1961
    Eduard v. Todleben: Die Verteidigung Sewastopols. Auszug. Berlin 1865
    E. v. Todleben: Dfense de Sewastopol. I. u. II. Petersburg 1863.
    W. v. Trützschler: Der Feldzug in der Krim. Der Soldatenfreund.
    Feb. 1858
    Donald Thomas: Charge! Hurrah! Hurrah! A Life of Cardigan.
    London 1974
    Philip Warner: The Fields of War. London 1977
    C. Weigelt: Die Belagerung von Sewastopol. Mit besonderer Berücksichtigung der Artillerie. Berlin 1861
    Alfons Wimpffen: Erinnerungen aus der Walachei 1854/56. Wien 1878
    Eugne Woestyn: Guerre d‘Orient. Paris 1856
    Aus dem Krimkrieg. Erinnerungen eines russ. Artillerieoffiziers.
    Preuß. Jahrbücher 40. Bd. Berlin 1877
    Vier Monate der Belagerung von Sewastopol. o. N. Leipzig 1855
    Pictorial History of the Russian War.
    Edinburgh 1856
    De la Conduite de la Guerre d‘Orient. Un officier general.
    Brüssel 1855



    Heer, Kriegsmarine, Seefahrt

    Theodor v. Bernhardi: Vermischte Schriften. Berlin 1879
    Generallt. Graf v. Bismarck: Die Kaiserl. Russ. Kriegsmacht 1835.
    Carlsruhe 1836
    F. Engels: Die Armeen Europas. MEW Bd. 11
    Iwan Gontscharow: Die Fregatte Pallas. Briefe von einer Weltreise. Hamburg 1965
    Israel/Gebauer: Segelkriegsschiffe. Berlin 1982
    Paul M. Kennedy: Aufstieg und Verfall der britischen Seemacht.
    Herford 1978
    Gerhard Ritter: Staatskunst u. Kriegshandwerk Bd. 2. München 1973
    Potter/Nimitz/Rohwer: Seemacht. Herrsching 1982
    Russlands wahre Lage. o. N. Leipzig 1854
    W. Treue: Der Krimkrieg u. d. Entstehung der modernen Flotten. Göttingen 1954
    Der türkisch-russische Kriegsschauplatz topogr. -strateg. beleuchtet. Wien 1854
    Egg, Job u. a.: Kanonen. Gesch. d. Artillerie. Herrsching f975.


    Polit, und militär, Geschichte

    Raymond Aron: Clausewitz. F/M 1980
    Gordon Craig/A. George: Zwischen Krieg und Frieden. München 1984
    Ludwig Dehio: Gleichgewicht und Hegemonie. Krefeld o. J.
    Daniels/Delbrück: Gesch. d. Kriegskunst. Berlin 1928
    Deutsche Militärgeschichte 1648-1939. Hrsg. v. Militärgeschichtliches Forschungsamt. München 1983
    J. Fuller: Die entartete Kunst, Krieg zu führen. Köln 1964
    Heinz Goliwitzer: Gesch. d. weltpolit. Denkens. Göttingen 1982
    Ferd. O. Micksche: Vom Kriegsbild. Stuttgart 1976
    William McNeill: Krieg und Macht. München 1984
    Hermann Stegemann: Der Krieg. Stuttgart 1940


    Orientalische Frage / Osmanisches Reich / Palästina / Politischer Verlauf des Krimkriegs

    Aktenstücke zur orientalischen Frage. Hrsg. v. J. v. Jasmund. Bd. 1-3. Berlin 1856
    Akten zur Geschichte des Krimkriegs. Hrsg. v. Winfried Baumgart. München 1979 -1988
    Der Krieg gegen Russland im Jahr 1854. Berichte. Aktenstücke. Beilagen. Leipzig 1855
    Felix Bamberg: Geschichte der orientalischen Angelegenheiten. Berlin 1892. Und: Türkische Rede. Leipzig 1857
    Winfried Baumgart: Der Friede von Paris. München 1972
    Hans-Georg Beck: Das byzantinische Jahrtausend. München 1978
    Adolf Beer: Die orientalische Politik Österreichs seit 1774. Prag 1883
    Constantin Bulle: Geschichte des zweiten Kaiserreiches und des
    Königreiches Italien. Berlin 1889
    Alex Carmel: Christen als Pioniere im Heiligen Land. Basel 1981.
    Und: Palästina-Chronik. Ulm 1978
    F. H. Geffcken: Zur Geschichte des orientalischen Krieges. Berlin 1881
    Das Heilige Land in Augenzeugenberichten. Hrsg. v. P. Gradewitz. München 1984
    Joseph v. Hammer: Geschichte des Osman. Reiches. Pest 1833
    Egon Heymann: Balkan. Berlin 1938
    Carl Hilty: Die orientalische Frage. Bern 1896
    W. v. Keppler: Wanderfahrten und Wallfahrten im Orient. Freiburg! Breisgau 1902
    Ulrich Klever: Das Weltreich der Türken. Bayreuth 1978
    Joseff Matuz: Das Osman. Reich. Darmstadt 1985
    MEW (Marx-Engels-Werke) Bd. 9-12. Berlin 1960 Helmuth von Moltke: Unter dem Halbmond. Erlebnisse in der alten Türkei. Tübingen 1981. Und: Der russ.-türkische Krieg in der europäischen Türkei 1828/29. Berlin 1877
    Gerard de Nerval: Werke. Reisen in den Orient. München 1986
    Adolf Rein: Die Teilnahme Sardiniens am Krieg und die öffentl. Meinung in Italien. Leipzig 1910
    Steven Runciman: Die Eroberung von Konstantinopel 1453. München 1966. Und: Kunst und Kultur in Byzanz. München 1978
    Gregor Schöllgen: Imperialismus und Gleichgewicht. Die orientalische Frage. München 1989
    Alfred Stern: Geschichte Europas. Stuttgart 1920
    Amand von Struve: Der Krieg im Orient. Leipzig 1854 Barbara Tuchman: Bibel und Schwert.
    München 1983
    H. W. V. Temperley/L. M. Penson: Foundations of British Foreign Policy 1792-1902.
    London 1966
    Fritz Wagner: Cavour und der Aufstieg Italiens im Krimkrieg. Stuttgart 1940


    Tagebücher / Erinnerungen / Briefe

    Christian Frhr. v. Bunsen: Aus seinen Briefen u. Erinnerungen. Leipzig 1871
    Aus dem Briefwechsel F. W. IV. mit Bunsen. Leipzig 1873
    Leopold von Gerlach: Denkwürdigkeiten. Berlin 1896
    Somerset Calthorpe: Briefe aus dem Hauptquartier. Berlin 1857
    J. A. Fronde: Das Leben Thomas Carlyles. Gotha 1887
    Paul Graf v. Hatzfeld: Nachgelassene Papiere. Boppard a. Rh. o. J.
    Prinz Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen: Aus meinem Leben. Berlin 1905
    Graf Joseph v. Hübner: Erinnerungen. Berlin 1904
    Wilh. v. Kügelgen: Lebenserinnerungen in Briefen. Leipzig 1925
    Briefe des Staatskanzlers Fürst Metternich. Hrsg. b. C. J. Burckhardt. München 1934
    Aus den Briefen des Grafen Prokesch von Osten. Wien 1896
    Kriegsminister Graf v. Roon: Denkwürdigkeiten. Breslau 1892
    Humphry Sandwith: Geschichte der Belagerung von Kars. Braunschweig 1856 Werner von Siemens: Lebenserinnerungen. Berlin 1916
    Heinrich Schliemann: Briefe. Hrsg. v. E. Meyer. Bd. 1 u. 2. Berlin 1953 und 1958
    Wilh. v. Stieber: Spion des Kanzlers. Stuttgart 1978
    Frhr. Christian v. Stockmar: Denkwürdigkeiten. Braunschweig 1872
    Leo Tolstoi: Tagebücher 1897-1910. München 1979
    Königin Victorias Briefwechsel und Tagebuchblätter. Berlin 1908


    England

    Richard Aldington: Wellington.
    Zürich 1950
    Evelyn Ashley: The Life of Viscount Palmerston. London 1876
    Robert Blake: Disraeli.
    F/M 1980
    Winston Churchill: Aufzeichnungen zur europäischen Geschichte. Stuttgart 1964
    J. B. Conacher: Britain and the Crimea. London 1987
    Erich Eyck: Gladstone. Zürich 1938
    Paul Holzhausen: Bonaparte, Byron und die Briten.
    F/M 1904
    Theodor Lücke: Wellington. Leipzig 1938
    Lucille Jremonger: Lord Aberdeen. London 1978
    Kingsley Martin: The Triumph of Lord Palmerston.
    London 1963
    Hans Joachim Netzer: Albert v. Sachsen-Coburg-Gotha. München 1988
    K. H. Wocker: Königin Victoria. Düsseldorf 1978


    Napoleon III.

    Octave Aubry: Das zweite Kaiserreich. Zürich o. J.
    Heinrich Berl: Napoleon III. Demokratie und Diktatur. München 1946
    Constantin Bulle: Geschichte des zweiten Kaiserreiches u. d. Königreiches Italien. Berlin 1889
    T. B. A. Corley: Napoleon III. Ein demokratischer Despot. Stuttgart 1970
    Chateaubriand: Erinnerungen. München 1968
    Heinrich Euler: Napoleon III. in seiner Zeit. Würzburg 1961 Konstantin Frantz: Masse oder Volk. Potsdam 1933
    Louis Girard: Napoleon III. Paris 1987
    Golo Mann: Schloß Arenenberg. Nachtphantasien. Frankfurt/Main 1982
    Die napoleonischen Ideen. o. N. Quedlinburg 1855
    Louis Napoleon Bonaparte. Die Sphinx auf dem französ. Kaiser- thron. o. N. Hamburg 1859
    Napoleon III. and the Second Empire. Hrsg. v. Samuel Osgood. Lexington 1973
    Napoleon III: Procs en appel. Le Figaro Littraire 5. 1. 1987
    Napoleon III.: Europas Frieden. Berlin 1856
    Alfred Neumann: Neuer Cäsar. Roman. Amsterdam 1934
    Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteuer und Imperator. Hamburg 1956
    Stockmar/Geffcken: Der Staatsstreich v. 2. Dez. 1851. Leipzig 1870
    H. v. Sybel: Napoleon III. Berlin 1873
    David Stacton: Die Bonapartes. Wien 1968
    H. v. Treitschke: Histor. u. polit. Aufsätze Bd. 3, Leipzig 1905
    Jean Tulard: Napoleon oder der Mythos des Retters. Tübingen 1978


    Preußen/Österreich

    Kurt Borries: Preußen im Krimkrieg. Stuttgart 1930
    Franz Eckhart: Die deutsche Frage und der Krimkrieg. Berlin 1931
    Heinrich Friedjung: Der Krimkrieg und die österreich. Politik. Stuttgart 1911
    Waltraut Heindl: Graf Buol-Sch. Wien 1970
    Hans-Joachim Schoeps: Der Weg ins Kaiserreich. Berlin 1970
    Hans-Joachim Schoeps: Das andere Preußen. Berlin 1981


    Russland/Nikolaus I.

    J. Sh. Curtiss: Russia‘s Crimean War. Durham 1979
    Astolphe de Custine: Russische Schatten. Nördlingen 1985
    Erwin Hölzle: Russland und Amerika. München 1953
    Werner Keller: Ost minus West = Null. München 1960
    Bruce Lincoln: Nikolaus I. München 1981
    Lothar Ruehl: Russlands Weg zur Macht. Düsseldorf 1981
    Theodor Schiemann: Geschichte Russlands unter Kaiser Nikolaus I.
    Bd. 1.-4. Berlin 1904-1914
    Viktor Schklowski: Leo Tolstoi. Wien 1981
    Jurij Semjonow: Die Eroberung Sibiriens. Berlin 1937
    Henri Troyat: Tolstoi. Wien 1981
    Patriotisch, Antiislamisch, Proisraelisch, Für ein Europa der Nationen und der Christlich-Jüdisch (-Heidnischen) Identität pro-Köln Pro-Nrw Pro-Berlin Pro-Deutschland

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    Standard AW: German Werth Der Krimkrieg : Geburtsstunde der Weltmacht Russland

    Personenverzeichnis

    Abdul Meschid I. (osman. Sultan) 37f, 54, 76, 113, 240
    Aberdeen, George H. Lord (eng!. Premierminister) 30, 52, 69, 72f, 75f, 84ff, 91, 95, 98, 101, 232, 238
    Airey (eng!. General) 194, 199, 267
    Alanbrooke (engl. Feldmarschall) 309, 316
    Albert (Prinzgemahl der Queen Victoria) 11, 45, 64, 75, 85, 87, 94, 104, 110, 164, 237f, 305
    Alexander I. (russ. Zar) 41, 49, 70, 82, 242
    Alexander II. (russ. Zar) 243, 273, 279, 290, 295, 297, 304, 310
    Ah Pascha, Mehmet (osman, Großwesir, Außenminister) 26f, 300
    Aupick (franz. Gesandter an der Pforte) 25, 27
    Bamberg, Felix 68
    Bamm, Peter 315
    Baraguay d‘Hilliers (n. Lavalette frz. Gesandter an der Pforte) 86, 113
    Bazaine (franz. General) 309
    Bazancourt, Baron de 93, 120, 133, 139, 154, 173, 182, 206f, 211, 250, 270 f
    Berl, Heinrich 312
    Bernhardi, Theodor v. 43
    Bismarck, Otto Fürst v. (preuß. Gesandter am Dt. Bundestag in F/M) 101, 225, 229, 299, 309
    Bosquet (franz. General) 152ff, 169, 196, 198, 20Sf, 250, 264, 268, 279f, 282
    Bourquenay, Francois-Adolphe Graf v. (franz. Gesandter in Wien) 66, 125, 162, 254, 300
    Bonin, Adolf v. (preuß. Kriegsminister) 128 Bruck, Karl Ludwig Freiherr v. (österr. Internuntius bzw. Botschafter an der Pforte) 68, 96, 125, 217
    Brown (engl. General) 140, 154ff, 187, 210, 267
    Brunnow, Philipp Baron v. (russ. Gesandter in London) 64, 84, 87, 98, 300 f
    Budberg, Baron v. (russ. Politiker) 89, 101 Buller (eng!. General) 155, 203
    Bunsen, Christian Carl Josias Frh. v. (preuß. Botschafter in London) 9, 12f, 17ff, 21, 64, 81, 84, 106f, 128
    Burgoyne (eng!. General) 109, 180, 214, 248
    Busch, Wilhelm 311
    Byron, Lord 10, 73
    Calthorpe, Somerset (engl. Stabsoffizier) 132f, 137, 156, 158f, 168, 187, 197, 219ff, 232, 237, 257, 262, 264f, 267, 270, 283
    Campbell (engl. General) 190f, 267

    Cambridge, George W. Herzog v. (eng!. General) ulf, 154, 158, 167, 183, 186, 190, 198, 204, 210, 290
    Canrobert (franz. General, Oberbefehlshaber der franz. Krimarmee) 121, 137, 140, 154, 172, 190f, 200, 205f, 208, 242, 246ff, 251, 259—262, 269, 305
    Cardigan, James Earl of (Kommandeur der Leichten Brigade) 133f, 142, 171, 190, 193-199, 230ff, 288, 313
    Carlyle, Thomas 10, 111, 256 Castelbajac (franz. Gesandter in Petersburg) 65
    Castlereagh (ehem. eng!. Premierminister) 18

    Cathcart (eng!. General) 173, 193f, 197f, 205
    Cavour, Camillo de (ital. Politker) 225f, 271, 300
    Chateaubriand (franz. Diplomat u. Schriftsteller) 15 f
    Chosrew Pascha (osman. Politiker) 58
    Chrzanowski (poln. Emigrant) 111
    Clarendon, George W. Lord (eng!. Außenminister) 56, 59, 63, 68f, 75ff, 80f, 83f, 86f, 94, 98, 106, 160, 226, 228f, 233, 240, 254—257, 295—298, 300, 302ff
    Codrington (eng!. General) 155f, 158, 204
    Cowley, Henry Earl (engl. Gesandter in Paris) 31, 84, 300
    Custine, Adolphe 149


    Dannenberg (russ. General) 201f, 206f, 222
    Daumier, Honor 247
    Disraeli (engl. Politiker) 238
    Diwald, Helimut 311
    Dort, Gustave 247
    Drouyn de Lhuys (franz. Außenminister) 27, 29, 32, 59, 66, 72, 255, 257
    Droysen, Joh. Gustav 123
    Ducos (franz. Marineminister) 109
    Dundas (engl. Admiral) 135, 140, 183f, 290


    Engels, Friedrich 23, 49, 73, 90ff, 169, 180
    Euler, Heinrich 16
    Falkenhayn, Erich v. (preuß. General) 316
    Fenton, Roger 251, 265f
    Ficquelmont, Graf v. (österr. Diplomat) 87, 95
    Fontane, Theodor 13, 15, 19—23, 288f, 306, 311f
    Forey (franz. General) 120
    Fossati, Caspare 38, 50 Frantz, Konstantin 23
    Franz Joseph 1. (österr. Kaiser) 65, 68, 79ff, 82, 102, 105, 125, 164f, 21Sf, 218, 224, 241, 255, 296f
    Freytag, Gustav 42f
    Friedrich II. von Preußen 33, 106, 111
    Friedrich Wilhelm III. (König von Preußen) 80 Friedrich Wilhelm IV. (König von Preußen) 38, 50, 79ff, 102-105, 125, 127f, 160, 163ff, 214, 216, 218, 227ff, 241, 294ff, 299, 309
    Fröbel, Julius 310


    Gaulle, Charles de 310
    Gauthier, Thophile 47
    Gerlach, Leopold v. (preuß. General, Generaladjutant von F. W. IV) 21, 50, 82f, 116, 124, 126, 128f, 131, 160, 164, 214f, 218, 230, 279, 293, 295
    Gladstone, William (engl. Politiker) 73, 95, 255
    Goethe, J. W. 147
    Gontscharow, Iwan 39f, 291
    Gortschakow, Alexander Michael Fürst (russ. Gesandter in Wien) 11, 126f, 162f, 218, 253f, 256, 296f, 300
    Gortschakow, Michael Fürst (russ. General, Oberbefehlshaber der russischen Truppen im Donauraum und auf der Krim) 88f, 126, 129, 243, 272-275, 277, 279, 283, 285, 290 Gortschakow, Peter Fürst (russ. General) 152, 158, 201, 205f
    Grach, Friedrich (preuß. Offizier in türk. Diensten) 118
    Grillparzer, Franz 14
    Groeben, August Graf v. (preuß. General) 227


    Hamelin (franz. Admiral) 93, 115, 136, 170, 183, 185
    Hatzfeld, Maximilian Graf v. (preuß. Gesandter in Paris) 301

    Haussmann, George, Eugne 71
    Haynau (österr. General) 14
    Hebbel, Friedrich 15
    Heine, Heinrich 18, 47, 49
    Helene (russ. Großfürstin) 51, 244
    Hess, Heinrich Freiherr v. (öster
    reich. Feldzeugmeister (FZM), Chel des Generalstabs) 161

    Hitler, Adolf 312, 315
    Hugo, Victor 22, 70
    Hübner, Joseph Alexander Freiherr v. (österr. Gesandter in Paris) 31f. 61, 71, 84, 98f, 112, 128, 131, 161f. 213—216, 240, 292, 296, 300, 304


    Joseph II. (österreich. Kaiser) 146
    Jünger, Ernst 213, 316

    Katharina II. (russ. Zarin) 146
    Kinglake, Alexander William (engl. Schriftsteller) 131, 143, 159, 187, 190
    Kiriakow (russ. General) 153
    Kissilew, Paul Graf (russ. Botschafter in Paris) 31, 84f, 98
    Klapka, Georg (ungar. General, Emigrant in türk. Diensten) 169
    Konstantin, Großfürst (russ. Admiral) 41
    Kopelew, Lew 315
    Kornilow (russ. Admiral) 57, 177, 186, 249, 270
    Kügelgen, Wilhelm v. 163, 240


    Lacour (franz. Botschafter) 59
    Lamarmora (Kriegsminister von Sardinien u. Piemont, Oberbefehlshaber der ital. Krimarmee) 271, 274f
    Lavalette (franz. Gesandter an der Pforte) 27, 29
    Leiningen, Graf v. (österr. Sonderbeauftragter) 53 f
    Ligne, Joseph v. (österr. Diplomat) 146 f
    Liprandi (russ. General) 189, 194, 196, 199, 202, 250, 274
    Lüders (russ. General) 134

    Lucan, George Lord (Kommandeur der eng!. Kavallerie auf dem Krim) 134, 171, 190, 192-195, 199, 232
    Lyons (eng!. Admiral) 183, 223


    MacMahon (franz. General) 281, 309
    Mahmut II. (osman. Sultan) 36f


    Mann, Heinrich 312
    Mann, Thomas 312
    Manstein, Erich v. 315f
    Manteuffel, Edwin Freiherr v. (preuß. Offizier, Flügeladjutant von F. W. IV u. Sonderbeauftragter) 125, 216, 228
    Manteuffel, Otto v. (preuß. Ministerpräsident u. Außenminister) 21, 23, 82f, 102, 105, 128,218, 228f, 279, 288f, 295, 299f Marx, Karl 23,37,49,53, 6Sf, 73, 87, 114, 122, 132, 238, 240
    May, Karl 312
    McClellan, George (amerik. Offizier) 169, 314
    Mehmet Ah (osman. Statthalter in Agypten, »Der ägypt. Pascha«) 35, 62
    Mehmet II, der Eroberer (osman. Su!tan) 47f, 68
    Menschikow, Alexander Fürst (russ.
    Admiral, Marienminister, Sonderbeauftragter, Oberbefehlshaber der russ. Truppen auf der Krim) 53, 57-64, 66, 71, 80, 150f, 153, 157, 159, 165-168, 170f, 176f, 199, 201f, 208f, 243, 258, 277
    Menzel, Wolfgang 48
    Metternich, Klemens Fürst (österr. Kanzler) 14, 19, 34, 52, 64, 72f, 81, 257
    Meyendorff, Peter Freiherr v. (russ. Gesandter in Wien) 6Sf, 79, 127
    Mickiewicz, Adam 293
    Mo!tke, Helmuth Graf (preuß. General) 32, 34, 43, 56, 89, 117, 309f

    Morny, Charles Auguste (franz. Innenminister ) 296
    Moustier (franz. Gesandter in Berlin) 227
    Murawew (russ. General) 291


    Nachimow (russ. Admiral) 92, 177, 187, 248, 252, 270
    Napier, Charles (engl. Admiral) 113f, 131
    Napoleon I. 15, 18, 20ff, 26, 29f, 31, 82, 86, 97, 130, 146, 257, 261, 264, 269 Napoleon III. 12, 15—19, 21—23, 26, 30ff, 44, 59, 70f, 80, 82, 84—87, 98ff, 123ff, 127, 131, 135, 154, 160f, 165, 21Sf, 218, 225, 227f, 230, 238, 240—243, 246f, 254, 256f, 259, 279, 287, 289, 292—298, 301—304, 309, 311—314
    Prinz Napoleon 122, 261
    Nesselrode, Karl Robert Graf (russ. Außenminister u. Staatskanzler) 51f, 57, 62—67, 70, 74, 79, 93, 241, 253, 295, 300
    Neumann, Alfred 312
    Newcastle, Herzog (engl. Kriegsminister) 135, 230, 238
    Niebuhr, Barthold Georg 228
    Niel (franz. General) 246f, 251f, 269, 273, 279
    Nietzsche, Friedrich 253, 293, 310
    Nightingale, Florence 233—237, 244f
    Nikolaus I. (russ. Zar) lif, 29-31, 41, 44, 51—58, 61, 64, 70, 76, 79-82, 85f, 91, 97—103, 106f, 123—129,147, 163, 200, 207, 215, 224, 240f, 256, 277, 291, 310, 314
    Nolan (engl. Stabsoffizier) 194ff, 199


    Omer Pascha (osman. General) 53, 90, 113, 118, 122f, 130, 161, 215, 250f, 271, 291
    Orlow, Aleksej Fürst v. (Generaladjutant des russ. Zaren) 101, 300f
    Osten-Sacken, Graf v. (russ. Gene- ral) 222, 248, 250, 272


    Palmerston, Henry Viscount (engl. Politiker) 14, 24, 26, 29f, 54, 73, 75f, 84—89, 95, 106f, 127, 217, 227, 232, 238f, 241, 243, 257, 290, 292, 295, 297, 314
    Paskiewitsch, Fürst v. (russ. Feldmarschall) 56, 63, 88, 116, 126f, 129, 201, 277
    Pelissier, Jean-Jaques (franz. General, Oberbefehlshaber der franz. Krimarmee nach Canrobert) 248, 261, 263f, 266—269, 280, 283, 290
    Persigny, Jean Herzog v. (franz. Gesandter in London) 59, 72, 298
    Pourtals, Albert Graf v. (preuß. Sonderbeauftragter) 83, 102

    Prokesch-Osten, Anton Graf v. • (österr. Präsidialgesandter beim Dt. Bundestag in Frankfurt am Main) 81f, 95, 161, 165, 217
    Proudhon, Pierre Joseph 17


    Raabe, Paul 311
    Raglan, Fitz Roy Somerset Lord (Oberbefehlshaber der engl. Krimarmee) 112, 121, 130f, 134—137, 142ff, 151f, 154—158, 166ff, 170ff, 180f, 183, 187, 190, 193, 196, 199f, 204ff, 208, 210, 213, 232, 237f, 246f, 251, 263, 266—269, 313
    Ranke, Leopold v. 227

    Reschid Pascha (osman. Außenminister, Großwesir) 37, 62, 69
    Retcliffe, John 312
    Richelieu, Herzog v. (franz. Politiker in russ. Diensten) 146, 148
    Roon, Albrecht Graf v, (preuß. General) 109
    Rose, Oberst (engl. Geschäftsträger in Konstantinopel) 29, 59, 75
    Russell, John Lord (engl. Politiker, Premier vor Aberdeen) 54f, 75f, 239, 255f
    Russell, William Howard (TIMES-Korrespondent) 143 f, 158 ff, 181,
    187, 190, 197, 230, 279, 281, 283ff
    Rüstow, Wilhelm (preuß. Militärschriftsteller, Emigrant) 50, 97, 262, 268, 272


    Saint-Arnaud, Leroy de (franz. Marschall u. Oberbefehlshaber der franz. Krimexpedition) 109ff, 112f, 119ff, 123, 129—132, 135—141, 143, 151—154, 157, 167f, 170, 172, 177, 213
    Sandwith, Humphrey 94
    Scarlett (engl. General) 191 f
    Scott, Paul 314
    Schilder (russ. General) 117f
    Schliemann, Heinrich 114f
    Schmidt, Arno 313
    Schoeps, Hans-Joachim 309
    Schwarzenberg, Felix Fürst zu (österr. Ministerpräsident vor Buol) 65, 81
    Seacole, Mary 245—247
    Seebach, Albin Leo Graf v. (sächs. Gesandter in Paris) 295
    Seymour, George Hamilton (engl.
    Gesandter in Petersburg) 41, 51—56, 63, 65, 85, 99, 150
    Siemens, Werner v. 242f
    Simonow, Konstantin 315
    Simpson, James (Oberbefehlshaber der engl. Krimarmee nach Raglan) 239, 287
    Stratford Canning, Lord de Redcliffe (engl. Gesandter an der Pforte) 24, 26, 54, 59—63, 66, 68f, 76, 85, 94f, 121
    Suwurow (russ. General) 90


    Talleyrand, Auguste de (franz. Politiker) 146
    Tennyson, Alfred 288

    Thackeray, William 20, 39, 288
    Thiers, Adolphe 72
    Thouvenel, Eduard (franz. Gesandter an der Pforte) 235, 294
    Titow (russ. Gesandter an der Pforte) 27
    Tocqueville, Alexis de 124, 310
    Todleben, Eduatd Graf v. (russ. General) 118, 149, 171, 177—180, 182, 185f, 194, 248f, 270, 315
    Tolstoi, Leo 79, 126, 175, 222ff, 257ff, 273, 277, 279, 283, 285, 310
    Trochu (franz. General) 121, 136f, 282f, 309
    Turner, William 39
    Twain, Mark 307


    Usedom, Karl v. 226

    Vaillant (franz. Kriegsminister) 111, 290
    Vauban 179
    Victoria (Königin von Großbritannien und Irland) 11, 14, 30, 76, 85ff, 95, 98, 104, 109, 111, 164, 208, 228, 232, 237f, 241, 287, 294, 298, 305


    Walewski, Alexandre Graf v. (franz. Außenminister nach Drouyn de Lhuys) 30, 76, 295f, 298, 300f
    Wellington, Arthur Herzog v. (engl. Feldherr u. Politiker) 9f, 19f, 52, 55, 72, 86f, 112, 122, 144, 155, 180, 205, 239f, 269, 306
    Werther, Karl Freiherr v. (preuß. Gesandter in Petersburg) 214
    Westmoreland, Lord (engl. Gesandter in Wien) 79, 127, 254
    Wilhelm, Prinz von Preußen (der spätere Kaiser Wilhelm 1.) 21, 79, 104, 128, 164
    Wilhelm, deutscher Kronprinz 316
    Williams (engl. General) 291


    Zola, Emile 310f

    Patriotisch, Antiislamisch, Proisraelisch, Für ein Europa der Nationen und der Christlich-Jüdisch (-Heidnischen) Identität pro-Köln Pro-Nrw Pro-Berlin Pro-Deutschland


 
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