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  1. #61
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    Standard AW: Neuwahlen Belgien 13.06.2010 Vlaams Belang

    Belgien hat gewählt : Ein folgenschwerer Sieg



    Politik, 14.06.2010, Knut Pries

    Brüssel. Was die Bildung von Koalitionen und Regierungen anbelangt, sind die Belgier Kummer gewohnt. Nach den letzten Parlamentswahlen vor drei Jahren dauerte es geschlagene 192 Tage, bis der flämische Christdemokrat Yves Leterme als Premier vereidigt werden konnte. Der trat dann allerdings in der Folge insgesamt dreimal zurück, weswegen am vergangenen Wochenende vorgezogene Neuwahlen nötig wurden – und deren Ergebnis macht die Bildung eines tragfähigen Bündnisses schwieriger denn je.

    Denn die beiden Wahlsieger im flämischen Norden und im wallonischen Süden des Landes verdanken ihren Erfolg Kernbotschaften, die miteinander unvereinbar und nur sehr schwer zum Kompromiss zu führen sind.

    Im Norden siegte „der neue flämische Löwe” (die Tageszeitung De Morgen) Bart De Wever. Der hat seiner Gefolgschaft versprochen, sie aus der ungeliebten staatlichen Ge-meinschaft mit den Wallonen herauszuführen, nicht sofort, aber doch auf längere Sicht.

    Im Süden, wo man in Belgien Französisch spricht, gewann hingegen der Sozialist Elio Di Rupo. Dessen Klientel hat ihre Stimme bei der Linken abgeliefert, um genau das zu verhindern, was De Wever und seine Gesinnungsfreunde im Schilde führen.

    Wenn die beiden, die in völlig unterschiedliche Richtungen wollen, sich zusammentun, könnte unter Beteiligung kleinerer Parteien eine Koalition zusammenkommen, die auch für die fällige nächste Stufe der Verfassungsreform die nötige Mehrheit hat. Nur müsste einer von beiden, de Wever oder di Rupo, von seinen Versprechungen abrücken. De Wever erklärte, er sei bereit, auch einem Wallonen den Job an der Regierungsspitze zu überlassen – „aber nur im Zusammenhang mit den fälligen großen Reformen”.

    Die NVA wird vermutlich 27 der insgesamt 150 Parlamentssitze (88 davon reserviert für die Flamen) bekommen und ist damit stärkste Fraktion in der Kammer. Die PS von Elio Di Rupo dürfte im amtlichen Endergbnis, das am Montag noch nicht vorlag, ein Mandat weniger haben.
    Flamen in der Mehrheit

    De Wever hat überdies eine enorm starke Stellung, weil er 750 000 so genannte Vorzugsstimmen einheimste, mit denen der belgische Wähler seine persönliche Präferenz für einen Politiker ausdrücken kann. Die radikalen flämischen Separatisten des Vlaams Belang gehörten zu den Verlierern und fielen von 16 auf zwölf Mandate zurück.

    König Albert II. muss nun entscheiden, wen er mit der Regierungsbildung (oder in einer ersten Phase mit vorbereitenden Konsultationen) beauftragt. Am Montag nahm er zunächst den Rücktritt Letermes entgegen, dessen Christdemokraten von 26 Parlamentsmandaten auf 17 abstürzten und damit nur noch viertstärkste Kraft im Abgeordnetenhaus sind. Anschließend wollte der Monarch auch den 39-jährigen Historiker De Wever empfangen.

    Flandern stellt 60 Prozent der 10,5 Millionen Belgier und steht wirtschaftlich deutlich besser da als die Wallonie und Brüssel, wo zwischen 17 und 21 Prozent der Menschen keine Arbeit haben. In Flandern liegt die Arbeitslosigkeit bei sieben Prozent.
    http://www.derwesten.de/nachrichten/...id3112214.html
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  2. #62
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    Standard AW: Neuwahlen Belgien 13.06.2010 Vlaams Belang

    14. Juni 2010, 20:42, NZZ Online
    Belgien vor schwieriger Regierungsbildung


    Belgien steht nach den Parlamentswahlen am Scheideweg. Das Land erwartet nach dem Sieg der flämischen Nationalisten eine schwierige Regierungsbildung. Der Wahlgewinner und Separatist Bart De Wever von der Neu-Flämischen Allianz (N-VA) sprach am Montag bei König König Albert II. vor.

    (sda/Reuters/afp/dpa) Entgegen dem Protokoll erschien der erklärte Republikaner De Wever ohne Krawatte zur Audienz, wie auf Pressefotos zu sehen ist. Der 39-Jährige will offenbar nicht Premier werden und den Spitzenposten einem Französischsprachigen - wahrscheinlich Elio Di Rupo von den Sozialisten (PS) - überlassen.

    De Wever hatte jüngst erklärt, er wolle nicht Regierungschef in einem vereinten Belgien werden, weil er dann Wahlversprechen aufgeben müsse.

    Am Montag sprach De Wever bereits mit Di Rupo und gab sich versöhnlich: «Ich reiche den Frankophonen die Hand...», sagte er. «Wir haben nun eine Ahnung von der Verantwortung, die wir als Partei übernehmen müssen.»

    Er sei bereit, zum ersten Mal seit 1974 einen Frankophonen an die Spitze der Regierung zu lassen - wenn dafür Flandern mehr Rechte erhalte. «Man muss sich nicht mögen, um miteinander arbeiten zu können», sagte De Wever.
    Weniger Geld für die Wallonen

    Er will auf lange Sicht das wohlhabendere Flandern im Norden, wo Niederländisch gesprochen wird, vom frankophonen Wallonien mit seiner hohen Arbeitslosenrate trennen.

    Kurzfristig fordert die N-VA die Verlagerung wichtiger Kompetenzen vom Zentralstaat an die Regionen. Dies trifft auf den Widerstand der Frankophonen, die sich vor sozialen Einschnitten fürchten. Die Flamen wiederum wollen nicht länger die Rolle des Zahlers übernehmen. Falls sich Nationalisten und Sozialisten nicht zusammenraufen, drohen Neuwahlen und eine Spaltung Belgiens.
    Neun Koalitionen möglich

    Die N-VA errang 27 der 150 Sitze im Parlament und wurde damit stärkste Kraft. Es folgen die französischsprachigen Sozialisten mit 26 Sitzen. Diese hatten am Sonntag ebenfalls dazu gewonnen und sind nun die zweitstärkste Kraft - zusammen mit den flämischen Sozialisten sogar die stärkste.

    Auf Platz drei liegen die französischsprachigen Liberalen (MR) mit 18 Abgeordneten und die flämischen Christdemokraten mit 17 Sitzen. Die übrigen Mandate entfallen unter anderem auf flämische Liberale, den rechtsradikalen Vlaams Belang und die Grünen aus beiden Landesteilen. Mindestens neun verschiedene Koalitionen sind denkbar.

    «Die augenscheinliche Frage ist, ob Bart De Wever wirklich in der Lage ist, in Verhandlungen mit den Frankophonen zu treten», schrieb die französischsprachige Zeitung «La Libre Belgique». Eine wichtige Rolle bei der Regierungsbildung wird auf Staatsoberhaupt Albert II. zukommen.

    Ein langer Koalitionspoker könnte das Land noch tiefer in die Unsicherheit stürzen. Sorgen gibt es wegen der Staatsverschuldung, die 100 Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht. Manche Experten fürchten, dass Belgien mit gut 10 Millionen Einwohnern wie Griechenland in eine Schuldenkrise geraten könnte.
    EU-Ratspräsidentschaft mit Übergangsregierung

    Am 1. Juli übernimmt Belgien zudem die EU-Ratspräsidentschaft. Der belgische EU-Vorsitz sei sehr gut vorbereitet, beruhigte eine Sprecherin der EU-Kommission.

    Die EU rechnet damit, dass die Ratspräsidentschaft von der Regierung unter Ministerpräsident Yves Leterme geführt wird, der geschäftsführend im Amt bleibt. Der Christdemokrat hatte 2007 neun Monate für die Regierungsbildung gebraucht.

    De Wever fordert eine Lösung für den umstrittenen Wahl- und Gerichtskreis Brüssel-Halle-Vilvoorde. Die Auseinandersetzungen um den Neuzuschnitt des Wahlkreises hatten im April zum Sturz der Regierung Leterme geführt.
    http://www.nzz.ch/nachrichten/zueric...1.6091877.html
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  3. #63
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    Standard AW: Neuwahlen Belgien 13.06.2010 Vlaams Belang

    Deutschland|Ausland|Zitate|
    14.06.2010, 21:24
    |

    Protokoll-Verstoß
    De Wever erscheint ohne Krawatte bei König Albert II.
    Der Sieger der belgischen Parlamentswahlen, Bart De Wever, wurde heute vom belgischen König Albert II. zu einer Audienz geladen. Entgegen dem vorgeschriebenen Protokoll erschien De Wever ohne Krawatte. De Wevers Partei Neu-Flämische Allianz (NVA) strebt auf lange Sicht die Unabhängigkeit Flanderns an.

    Wahlen:
    „Schicksalswahl“ in Belgien
    26.04.2010
    Belgien:
    König nimmt Rücktritt des Regierungschefs an
    Belgiens König Albert II. hat am Montag im Palast in Brüssel den flämischen Sieger bei den belgischen Parlamentswahlen Bart De Wever empfangen, der auf lange Sicht die Unabhängigkeit Flanderns anstrebt. Entgegen dem Protokoll erschien der erklärte Republikaner ohne Krawatte zu der Audienz. De Wevers Neu-Flämische Allianz (NVA) war aus der vorgezogenen belgischen Parlamentswahl am Sonntag im flämischen Landesteil als stärkste Gruppierung hervorgegangen, aber die Regierungsbildung dürfte schwierig werden.

    Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis errang die NVA 27 von 150 Sitzen in der Abgeordnetenkammer in Brüssel. Sie gewann damit auch mehr Mandate als die frankophonen Sozialisten (PS, 26 Mandate), die in der Wallonie und Brüssel die meisten Stimmen erhielten. Belgiens Wahl- und Parteiensystem ist zwischen den großen Sprachgruppen zweigeteilt, die sich für die Regierungsbildung aber zusammentun müssen. Diese wird durch Audienzen beim König vorbereitet.

    „Es ist der König, der das Staatsoberhaupt ist, der die Leute einberuft und einen Vermittler benennt“, sagte De Wever. Er wolle Albert II. aber seine „Sicht der Dinge“ erklären, fügte er hinzu. Vor einigen Monaten hatte De Wever das Haus Sachsen-Coburg-Gotha noch kritisiert, aus dem der Monarch stammt. Sie seien in der Geschichte „gegen jede Emanzipationsbewegung gewesen: die flämische Emanzipation, die soziale, die der Arbeiter...“, sagte der studierte Historiker De Wever im Fernsehen. „Also weiß ich nicht, wieso er mein Freund sein sollte.“

    Die NVA fordert umfassende Reformen, darunter die Verlagerung wichtiger Kompetenzen vom Zentralstaat auf die regionalen Einzelteile des Landes. Dies trifft auf den Widerstand der Frankophonen. Der Wahlsieger auf deren Seite, PS-Chef Elio Di Rupo, war ebenfalls am Montag zur Audienz beim König eingeladen.

    Die Ziele von NVA und PS klaffen weit auseinander. Dennoch hat der PS-Chef bei einem Zusammengehen mit De Wever Aussichten auf das Amt des Regierungschefs. Di Rupo erklärte sich zu Verhandlungen bereit. „Ein großer Teil der flämischen Bevölkerung wünscht offenbar, dass sich unser Land auf der institutionellen Ebene weiter entwickelt“, sagte er. Die PS hält indes am Bundesstaat fest. Auch beim Streit um die Minderheitenrechte von Frankophonen in Flandern ist kein Kompromiss in Sicht. Dieser hatte Ende April die Vorgängerregierung gesprengt.

    http://www.focus.de/politik/weitere-...id_519522.html
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  4. #64
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    Standard AW: Neuwahlen Belgien 13.06.2010 Vlaams Belang

    Bart de Wever
    Der Held der Flamen
    Von Thorsten Knuf

    Nationalist Bart De Wever
    +
    Nationalist Bart De Wever (Bild: dpa)
    Am Abend trat der Wahlsieger vor seine jubelnden Parteifreunde. Bart De Wever reckte beide Arme in die Höhe und formte mit den Fingern zwei Victory-Zeichen. Das Doppelkinn trat deutlich hervor, der Bauch rutschte über den Gürtel. De Wever ließ sich vor einer blauen Stellwand mit den Europa-Sternen fotografieren. In dem Kranz fehlte rechts oben allerdings ein Stern. Er war ersetzt durch einen flämischen Löwen.

    Das ist De Wevers Botschaft in Kurzform: Er will ein selbstständiges Flandern in einem vereinten Europa. Für den Staat Belgien ist darin kein Platz mehr. "Die belgische Regierungsebene wird zwischen diesen beiden Stellen verdunsten", heißt es im Regierungsprogramm seiner Partei N-VA. De Wever ist erst 39 Jahre alt. Er ist ein Schwergewicht. Im richtigen Leben, und seit diesem Sonntag erst recht in der belgischen Politik. Bei den belgischen Parlamentswahlen stimmte fast jeder dritte Flame für die N-VA.

    Es ist offen, ob De Wever der neue Premierminister Belgiens wird. Man weiß auch noch nicht, ob seine Partei am Ende überhaupt einen Platz in der künftigen Regierung einnehmen kann. Aber klar ist seit dem Wahlabend, dass niemand De Wever bei den Koalitionsverhandlungen ignorieren kann. Gestern war er schon mal beim König, genau wie der wallonische Sozialist Elio Di Rupo, der seinerseits in den französischsprachigen Landesteilen triumphieren konnte. De Wever will das Ende Belgiens, Di Rupo will den Föderalstaat um jeden Preis erhalten. Jetzt müssen sie sich arrangieren. Ob und wie das gehen kann, weiß niemand.

    Der flämische Nationalist de Wever ist kein Rattenfänger wie der Niederländer Geert Wilders oder Filip Dewinter vom rechtsextremen Vlaams Belang. Das macht ihn für viele Flamen wählbar. Der Wahlsieger ist ein Intellektueller, er spricht fünf Sprachen, natürlich auch fließend Französisch. Seine Promotion in Geschichte brach er zu Gunsten einer politischen Karriere ab.

    In Belgien bricht jetzt eine lange Phase der Unsicherheit an. Das Kabinett des abgewählten Yves Leterme führt die Geschäfte, bis eine neue Regierung gebildet ist. König Albert II. wird zunächst eine Person mit Sondierungsgesprächen beauftragen. Erst danach können die eigentlichen Koalitionsverhandlungen beginnen.

    Am Wahlabend sprach De Wever davon, dass alle Parteien jetzt "Brücken bauen" müssten. Gestern forderte er, dass das größte innenpolitische Problem Belgiens gelöst wird, noch bevor eine neue Regierung die Arbeit aufnimmt. Es geht es um die Frage, welche Rechte französischsprachige Bürger in den flämischen Vororten Brüssels künftig haben sollen. De Wever muss nun zeigen, wie ernst ihm das Brückenbauen ist.
    http://www.fr-online.de/in_und_ausla...er-Flamen.html
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  5. #65
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    Standard AW: Neuwahlen Belgien 13.06.2010 Vlaams Belang

    Flämische Separatisten stellen die Schicksalsfrage

    Die "Neue Flämische Allianz" hat die Parlamentswahl in Belgien gewonnen. Die Separatisten stellen eine Maximalforderung.
    Erfolg für Flämische Separatisten
    Von Stefanie Bolzen

    Das Ergebnis der Parlamentswahl in Belgien ist eine historische Zäsur. Nach so vielen Jahrzehnten Zwist zwischen Flamen und Wallonen mag zwar kaum jemand glauben, dass sich das Königreich tatsächlich spaltet. Aber der 13.Juni kann tatsächlich der Anfang gewesen sein.

    Erstmals hat eine nationalistische Partei in Flandern die mit Abstand meisten Stimmen bekommen. Die Wähler straften die visionslosen Traditionsparteien ab, aber auch die Extremisten des Vlaams Belang. Für Stillstand und Demagogie mitten in der größten Wirtschaftskrise gibt es keine Belohnung per Wahlzettel.

    Auch die Parolen der Frankofonen, Bart De Wever sei ein Wolf im Schafspelz, wirkten nicht. Dessen Neue Flämische Allianz (N-VA) will langfristig eine Republik Flandern innerhalb einer belgischen Konföderation. Das aber soll erst kommen, wenn Belgien seine Strukturen grundlegend reformiert hat. Dieses Konzept – und dass sich De Wever klar vom ausländerfeindlichen Vlaams Belang abgrenzt – hat überzeugt.

    Keine Kompromissbereitschaft

    Im Süden Belgiens wiederum bekam ein Mann die meisten Stimmen, der für das genaue Gegenteil steht: für gesamtbelgische Solidarität und starke föderale Strukturen. Mit dem Sozialisten Elio Di Rupo wird De Wever erste Verhandlungen über eine Koalition führen.
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    Eine weitere Partei würde für ein Mehrheitsbündnis reichen. Doch schon am Montag machte der Flame unmissverständlich klar, dass seine Kompromissbereitschaft Grenzen hat: Mit den Verhandlungen müsse auch der Streit um den Wahlkreis Brüssel-Halle-Vilvoorde gelöst werden. Daran ist nicht nur die letzte Regierung gescheitert.

    De Wever stellt Di Rupo damit gleich zu Beginn die Schicksalsfrage. Ohne Staatsreform und eine Stärkung Flanderns keine Verhandlungen. Am Sonntagabend beteuerten die Gewinner beider Seiten, sie wollten Brücken bauen. Es wird sich schnell zeigen, ob es dafür ein Fundament gibt.
    http://www.welt.de/debatte/kommentar...salsfrage.html
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  6. #66
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    Standard AW: Neuwahlen Belgien 13.06.2010 Vlaams Belang

    Friede, Freude, Eierkuchen?
    Flamen hoffen auf Ende der „belgischen Blockade“

    Von Marion Schmitz-Reiners

    Die Auslandspresse prognostiziert seit der Föderalwahl vom vergangenen Sonntag das baldige Ende Belgiens. Tatsächlich hat die konservativ-nationalistische N-VA mit ihrem Chef Bart De Wever am 13. Juni einen überwältigenden Wahlsieg eingefahren. Aber wie sieht es in Flandern selbst aus? Die Stimmung im Landesteil scheint weit weniger radikal, als im Ausland suggeriert wird. Man kann sich sogar einen französischsprachigen Premier vorstellen, wenn nur endlich Bewegung in den Föderalisierungsprozess kommt.



    „Veni, vidi, vici“ titelte am Tag nach der Wahl die konservative Tageszeitung „De Standaard“. Für den linksorientierten „De Morgen“ ist Bart De Wever „Der neue Flämische Löwe“. Und die „Gazet van Antwerpen“ dichtet das Kürzel N-VA in „Nieuwe Vlaamse Afgod“ um – De Wever ist der neue flämische Abgott.



    Der Jubel über den Sieg der Nationalisten ist in Flandern ein allgemeiner. Aber es wird auch gewarnt. Peter Vandermeersch, Chefredakteur des „Standaard“, nennt die Wahl „historisch“, denn niemals in der Geschichte Belgiens hätte eine flämisch-nationalistische Partei ein Drittel aller Wählerstimmen eingefahren, wodurch die N-VA sogar zur größten Partei Belgiens wurde (der Stimmenanteil der wallonischen PS lag ebenfalls bei 30 Prozent, aber die Wallonie hat nur die Hälfte der Einwohner Flanderns, Anm.d.Red.). Deshalb sei es, so Vandermeersch, von entscheidender Bedeutung, dass der Süden des Landes das Wahlergebnis ernst nähme. Wenn Flandern, Brüssel und Wallonien „nicht weiter im Morast versinken“ wollen, gäbe es keine Alternative zu „einer Vernunftheirat zwischen Elio Di Rupo und Bart De Wever“.



    Ausweg aus der Blockade?



    Eine Regierungskoalition, in der die völlig ungleichen Partner N-VA und PS (Parti Socialiste) die erste Geige spielen, ist auch für die in Bart De Wevers Heimatstadt erscheinende „Gazet van Antwerpen“ der Ausweg aus der Blockade, die Belgien seit 2007 lähmt. Bart De Wever und Elio Di Rupo, so Chefredakteur Paul Geudens, seien „wie Feuer und Wasser“. Dennoch könnten sie sich zusammenfinden: „Beide sind es ihren Wählern schuldig, das Wahlergebnis in konkrete Aktionen umzusetzen.“



    Der Kommentator unterstreicht, dass Di Rupo in seiner Wahlrede betont habe, man könne den Willen der flämischen Wähler nicht negieren, während De Wever sich bereit gezeigt habe, „Brücken zu bauen.“ Wer unter diesen Voraussetzungen Premier würde, so die urflämische Zeitung, die lange Zeit dem Vlaams Belang nahe stand, das sei von untergeordneter Bedeutung. Ein verblüffendes Statement, das aber die Stimmung im Landesteil widerspiegelt.



    „Lehrling und Zauberer in Personalunion“



    Der linksorientierte „De Morgen“ analysiert die Gründe für den Sieg De Wevers. Sie lägen erstens am Versagen von Yves Leterme, zweitens an der standhaften Weigerung der französischsprachigen Parteien, einen Schritt in Richtung einer weiteren Staatsreform zu tun, und drittens in der Person De Wevers selbst, dem „smartesten und intelligentesten Politiker seiner Generation“. Diese positive Einschätzung ist immerhin erstaunlich für eine linke Zeitung. Und wie geht es nun weiter? Da wird „De Morgen“ vorsichtig: De Wever könne versuchen, eine Zweidrittelmehrheit auf die Beine zu stellen, die eine große Staatsreform möglich macht, aber er könne sich auch einfach quer legen und warten, bis Belgien unregierbar wird. „Die einzige Frage, auf die heute niemand eine Antwort weiß, ist: Was will De Wever selber?“



    Für „Het Nieuwsblad“, die auflagenstärkste Zeitung Flanderns, ist De Wever Lehrling und Zauberer in Personalunion. Er müsse in den nächsten Wochen eine Menge „emotionaler Intelligenz“ an den Tag legen. Und er dürfe vor allem nicht vergessen, dass auch in der Wallonie ein haushoher Sieger aus den Wahlen hervorgegangen sei. Aber auch hier die Hoffnung, dass „mit der PS zu verhandeln sei“. Wenn auch in engen Grenzen, fügt der Kommentator realistisch hinzu.



    Als Mensch überzeugend



    „De Standaard“ geht voller Sympathie auf die Person De Wevers ein. Anders als Yves Leterme, der nach seinem Wahlsieg im wörtlichen Sinne auf dem Tisch tanzte, sei der Historiker sich der Vergänglichkeit eines jeglichen Triumphes nur allzu bewusst. So verbot er den übermäßigen Einsatz flämischer Flaggen während seiner Wahlrede. „Nemo antes mortem beatus“ (Niemand ist vor dem Tod glücklich), schrieb De Wever kurz vor der Wahl in der gleichen Zeitung. Überhaupt beglückt er Freund und Feind gerne mit lateinischen Zitaten. Seinen Triumph schwächte er mit einem „Respice post te! Hominem te memento“ ab (Sieh hinter dich! Sei dir immer bewusst, dass du ein Mensch bist). Aber es geht auch schlichter. So antwortete er auf die Frage eines Journalisten nach den Konsequenzen seiner erfolgreichen Teilnahme an dem beliebten Fernsehquiz „De slimste mens” (Der klügste Mensch), die ihm massenhaft Sympathien eintrug: „Nun weiß wenigstens ganz Flandern, dass ich wie ein toter Fisch aussehe”.



    „Nil volentibus arduum“



    Mit einigem Optimismus kann man sich vorstellen, dass die beiden Vollblutpolitiker De Wever und Di Rupo gut miteinander zurechtkommen. Und beide sind vom Wählerwillen hinreichend getragen, um sich - so merkt die "Gazet van Antwerpen" an - Zugeständnisse an die jeweils andere Seite erlauben zu können. Erstaunlich erscheint vor diesem Hintergrund die Schwarzmalerei der Auslandspresse, die als Ergebnis der Wahl die baldige Spaltung Belgiens prognostiziert. Die N-VA setzt, so Bart De Wever, auf Evolution anstatt auf Revolution. Und könnte ein Belgien zweier weitgehend autonomen Regionen nicht eine Vorreiterfunktion in Europa haben? "Nil volentibus arduum" (Nichts ist unmöglich für jene, die es wirklich wollen), auch dieses Zitat wurde mittlerweile in Flandern zum geflügelten Wort.
    Erstellt oder aktualisiert am 15. Juni 2010.
    http://www.belgieninfo.net/artikel/v...ierkuchen.html
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    * 16.06.2010

    Belgiens leiser Tod
    Drei Beeskes zum Abschied

    Schmatzende Küsschen, Papp-Sandwiches mit Gouda, ein absurder Sprachenstreit und ein toter König als letzter Kitt der Gesellschaft – der leise Tod Belgiens. Eine Familiengeschichte. VON PHILIPP GESSLER

    Fahne auf dem Palast bedeutet: "Der König ist zu Hause". In Belgien gibt es den Spruch: "Der König ist der einzige Belgier". Foto: Eduardo – Lizenz: CC-BY-SA

    Belgien kann nicht sterben. Belgien ist schon gestorben. Es passierte leise, ohne Leiden, an einem Morgen im April. Da starb meine Großmutter, meine Bonnemaman, die bald 104 Jahre alt geworden wäre. Als sie 100 Jahre alt geworden war, habe ich über sie in der taz geschrieben, als Kopf und Sinnbild einer flämisch-belgischen Familie, in der sich die Geschichte des kleinen, seltsamen Landes im Westen spiegelte. Und als wir Bonnemaman kürzlich zu Grabe trugen, in einer kleinen Dorfkirche nahe Gent, schoss mir der Gedanke durch den Kopf: Stirbt hier vielleicht die letzte Belgierin?

    Witze über Belgien, über die ich lachen muss, kenne ich, solange ich denken kann. Die bei "Asterix bei den Belgiern" von Uderzo und dem großen Goscinny sind clever und fein - und doch fand ich auch sie ein klein bisschen fies. Damals, in den siebziger und achtziger Jahren, machte man Witze über die beleuchteten Autobahnen, die man angeblich vom Mond aus noch sehen kann, über die besten Fritten der Welt aus belgischen Fritteusen und über den absurden Sprachenstreit. Und schon damals hieß es: Diesen Staat wird es nicht mehr lange geben.
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    Ich lachte darüber und dachte: Ihr habt doch keine Ahnung! Belgien, das ist so real wie die schmatzenden Küsschen, die ich regelmäßig von meinen über 20 Cousins auf die Wangen bekam, wenn ich sie alle paar Monate mal bei Familientreffen begrüßen konnte. So real wie die Papp-Sandwiches mit köstlichem alten Gouda, die es dort gab. So real auch wie das Sprachgemisch aus Französisch und Flämisch mit all dem Wortwitz und Reichtum, der sich daraus ergeben konnte.

    Ein Beispiel ist das sicherlich schönste und wichtigste belgische Wort, das ich kenne. Es ist "Beeskes" - eine Kombination vom französischen "baisers" (Küsse) und der allgegenwärtigen flämischen-niederländischen Verniedlichungsform "-ke", also: Küsschen. Es gab und gibt immer viele Beeskes in Belgien. (Pro Person drei übrigens, immer drei!) Hinreißend gespielt mit dem belgischen Sprachmansch hat auch Jacques Brel, der seine Heimat so geliebt wie gehasst hat. Sein wunderbares Lied "Marieke" hat die Zeilen: "Zonder liefde warme liefde / Waait de wind c'est fini."

    Kurz: Belgien lebte! Und das manchmal mehr als das kalte Deutschland, in dem ich aufwuchs, weil meine belgische Mutter ihrem deutschen Ehemann an den Main folgte. Belgien lebte, aber wie lange noch? Darüber grübelte ich erstmals, als der kluge und bescheidene König Baudouin I. vor 17 Jahren starb und zweisprachige Autoaufkleber in Belgien auftauchten, etwa mit der Parole: "Belgier! Gedenkt eures toten Königs! Haltet zusammen!" Schon damals hieß es in halb ernst gemeinten Witzen: Dies war der einzige und letzte Belgier. Ein toter König als letzter Kitt einer Gesellschaft? Komisch, dachte ich mir.

    Und ich dachte natürlich auch an meine Bonnemaman, die königstreu auf dem Kaminsims ihrer Wohnung über dem Kouter, dem Blumenmarkt von Gent, das Foto des Königs mit seiner Gattin Fabiola stehen hatte. Gleichberechtigt mit den Bildern ihrer toten Geschwister, Kinder und ihres Mannes, meines Bonpapas, der für sie alles war.

    In keiner anderen Wohnung in Belgien habe ich jemals das Bild des Königspaares gesehen - und vielleicht war es ja ein schlechtes Omen für sein Land, als Baudouins Bruder und Nachfolger Albert II. bei seiner Krönung vor Rührung und Anspannung nur rumstottern konnte. (Übrigens war Belgien mal eines der modernsten und demokratischsten Länder Europas - zugegeben, das war vor etwa 160 Jahren, aber das sollten gerade linke Belgien-Witzereißer doch mal gnädigerweise bedenken. Karl Marx floh vor der preußischen Obrigkeit nach: Brüssel! So!)

    Aber Geschichte ist offen, das wissen wir Deutschen, und dass das mit Belgien vielleicht doch eines Tages böse enden könnte, ahnte ich vor allem bei den Familienfesten zu den runden Geburtstagen Bonnemamans in Gent. Denn da erlebte ich es immer häufiger, dass manche meiner flämischen Cousins oder Cousinen kaum mehr einen französischen Satz herausbrachten, ja eine ziemlich intelligente, sehr gut ausgebildete Cousine aus Flandern bat mich, doch mit ihr Englisch statt Französisch zu reden, das fiele ihr leichter.

    Die Zweisprachigkeit Belgiens, dieser Schatz in einer globalisierten Welt, schwindet nach und nach, gerade bei der jüngeren Generation. Wie tragisch! Bonnemaman sprach beide Sprachen hervorragend. Obwohl ihre Muttersprache Flämisch war, verbrachte sie mit Mann und Schwester Jahre ihres Lebens damit, Scrabble auf Französisch zu spielen - übrigens mit etwa einer halben Whiskey-Flasche pro Abend, aber das nur nebenbei.

    Wie sehr der Sprachenstreit das Land zunehmend auseinanderriss, wurde mir auch an einem anderen Detail deutlich: Meine Mutter war in den vierziger und fünfziger Jahren auf einem katholischen Mädcheninternat von Nonnen in Gent. Es war natürlich sehr streng und fromm, aber in gewissen Dingen auch ziemlich fortschrittlich, ja fast elitär. So sollten alle Mädchen zum Abitur geführt werden, was in diesen Tagen alles andere als selbstverständlich war. Und die Nonnen beschlossen schon damals: Unsere Schülerinnen sollen neben Französisch, das in der Öffentlichkeit als eine Art Hochsprache galt, auch Flämisch im Unterricht lernen, obwohl es eher als Bauernsprache verschrien war. Denn das französischsprachige Wallonien war seinerzeit der blühende Teil Belgiens, Flandern dagegen eher die rückständige Region.

    Das aber hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Niedergang nicht zuletzt der Schwerindustrie in Wallonien komplett umgekehrt: Während Flandern mit so reizvollen Städten wie Gent, Antwerpen und in gewisser Weise auch dem Touristenmagnet Brügge der dynamischere, modernere Landesteil wurde, stieg Wallonien ab. Es entstand so etwas wie eine "flamish-pride"-Bewegung, deren hässlichste Seite der fremdenfeindliche "Vlaams Belang" ist.

    Mein Cousin Jean gehörte stets der aufstrebenden flämischen Elite an. Schon mit 40 Jahren konnte er sich nach dem Verkauf seiner Computerfirma zur Ruhe setzen, und natürlich sprach er immer Flämisch. Aber er ist klug und weiß, was wichtig ist im Leben: Seine zweite Frau, eine bekannte Rechtsanwältin, spricht möglichst nur Französisch, aber das stört ihn nicht groß. Übrigens beschloss das frühere Internat meiner Mutter vor ein paar Jahren, seine Entwicklung vom Kopf auf die Füße zu stellen: Nun fördert diese Schule das Französische, da die Nonnen den Eindruck hatten, es gehe derzeit im Meer des Flämischen unter. Auch das ist absurd wie so vieles in Belgien, dass Nonnen in Flandern am fortschrittlichsten sind oder sein wollen.

    Teilungsprozesse

    Bonnemaman ist tot nach einem langen, schönen Leben, und mittlerweile bin ich mir auch nicht mehr so sicher, ob nicht eine friedliche Teilung des Landes nach dem Vorbild etwa der Tschechischen Republik und der Slowakei die beste Lösung für Belgien wäre. Ich weiß nicht, wie realistisch das ist, und sicherlich würde ein solcher Prozess lange dauern, nicht zuletzt weil es ja noch das Königshaus gibt, das Bonnemaman so liebte.

    Als ein gutes Argument für die Aufspaltung Belgiens erscheint mir die organisierte Verantwortungslosigkeit, die sich in der Politik aus der Masse an sprachlich getrennten Ebenen der Exekutive ergibt. Im Kleinen erlebte ich die Überforderung des Staates schon vor 20 Jahren. Jahrelang wollte er mich in seine ruhmreiche Armee einziehen, obwohl ich der Brüsseler Bürokratie mehrmals brieflich nachwies, dass ich doch schon Zivildienst beim Nato-Partner Deutschland gemacht hatte.

    Mittlerweile glaube ich, dass das politische Chaos in Belgien, das im Kern auf dem Sprachenstreit gründet, schwerwiegende Folgen für das tägliche Leben aller Bürgerinnen und Bürger hat. Es ist kein Zufall, dass die Kriminalität in Brüssel schon fast sizilianische Ausmaße angenommen hat. Das ist ein Zustand, den die EU-Verwaltungsspitze auch ab und zu vor der politischen Führung der belgischen Hauptstadt bemängelt, nicht zuletzt weil man um die Sicherheit ihrer Beamten fürchtet. In einem Staat, der in seiner Politik und Verwaltung wegen des Sprachenstreits so zersplittert ist, dass niemand mehr wirklich Verantwortung trägt, kann die Kriminalität aufblühen. Auch Bürgersinn wächst dort kaum.


    Bei der Beerdigung von Bonnemaman im April sprach meine Schwester ein paar Sätze am Sarg. Sie ist in Belgien geboren, in Deutschland aufgewachsen - und eine deutsche EU-Beamtin in Brüssel geworden. Meine Schwester war in der vielköpfigen Trauergemeinde die Einzige, die sich die Mühe machte, ihre Ansprache sowohl in Französisch wie auf Flämisch (und ein wenig auf Deutsch) zu halten. Ich bin sicher, unserer Bonnemaman hat das sehr gut gefallen.

    http://www.taz.de/1/politik/europa/a...-zum-abschied/
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    Standard AW: Neuwahlen Belgien 13.06.2010 Vlaams Belang

    ZUR PERSON: Totengräber oder Retter?

    * Artikel Bilder (1)

    An Bart De Wever scheiden sich in Belgien die Geister. Denn der Vorsitzende der Flamen-Partei N-VA fordert die Unabhängigkeit Flanderns.

    Seine Gegner nennen ihn einen "Brandstifter" und "Totengräber", seine Anhänger halten ihn für den "Retter Flanderns". Bart De Wever spaltet Belgien wie kein anderer Politiker. Der 39 Jahre alte Vorsitzende der Neu-Flämischen Allianz (N-VA) ist Flanderns populärster Politiker und Sensationssieger der belgischen Parlamentswahl. Von einer Randpartei hat er die N-VA zur stärksten Kraft in Flandern gemacht, wo drei von fünf Belgiern leben. Nun kommt ihm die zentrale Rolle bei der Regierungsbildung in Belgien zu.

    Der studierte Historiker trifft den Nerv seiner Landsleute im Norden, weil er die zentrale Frage nach der Zukunft des Landes stellt. Seine Antwort darauf ist einfach und klar: Die Region Flandern muss als flämische Republik unabhängig werden - in einem konföderalen Europa. "Die belgische Regierungsebene wird zwischen diesen beiden Stellen verdunsten", heißt es im Programm der Partei.

    Dabei ist De Wever kein Rechtspopulist. Der 39-Jährige grenzt sich ideologisch deutlich von den Rechten ab und verfolgt kein fremdenfeindliches Programm. Mit hetzerischem Gedankengut will De Wever nichts zu tun haben. Auf diese Weise wurde die N-VA für breite Bevölkerungsschichten wählbar. Zugleich hat sie dem rechtsradikalen Vlaams Belang, mit dem die N-VA nur die Forderung nach der Unabhängigkeit teilt, Stimmen abgejagt. De Wevers zur Schau gestellte Bescheidenheit, gepaart mit Selbstironie kommt gut an. Er nannte seinen Erfolg einen "unerwarteten Sieg" und fügte hinzu: "Ich bin ein sehr ruhiger Mann. Man muss keine Angst vor mir haben." Das sehen viele Beobachter anders. Der frühere belgische Premier Mark Eyskens warnte: "Hinter ihm stehen extrem harte militante Anhänger."
    http://www.swp.de/goeppingen/nachric...art4306,522032
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