Mobilmachen gegen rechte Hassprediger
Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 29.03.2010
Protest Tausende Demonstranten haben in Duisburg vor anti-islamischer Stimmungsmache gewarnt. Von Jürgen Zurheide
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Der Polizeihubschrauber kreist unentwegt über dem Versammlungsort, sein Lärm übertönt die Lautsprecher immer mal wieder. Der Redner mit österreichischem Akzent müht sich, gegen diese Kulisse anzusprechen, aber so recht will ihm das nicht gelingen. Die wenigen Menschen auf dem Platz halten Transparente in die Luft, die mal davon künden, dass man etwas gegen "linken Meinungsterror" habe, dann wieder machen sie mobil gegen Moscheen, die sie für eine Bedrohung des Abendlandes halten. "Stopp Islam! Minarettverbot jetzt!" haben sie in großen Lettern hinter der Rednerbühne plakatiert, Stimmung kommt trotzdem nicht auf. Nur unwesentlich mehr als 100 Demonstranten von Pro NRW haben den Weg nach Duisburg-Marxloh gefunden, etliche von ihnen kommen aus Belgien und Österreich.
Eigentlich wollten sie vor der Moschee dort hinten in der Warbruckstraße protestieren, doch das wird die Polizei nicht zulassen. Schon an der nächsten Straßenkreuzung ist Schluss für sie, die Beamten lassen die rechten Protestler nicht vor das Gotteshaus. Damit es niemand mit Gewalt versucht, hat man zwei Wasserwerfer aufgefahren, die werden jedoch nicht gebraucht. Mehr als 3000 Polizisten sichern an diesem Wochenende die Moschee der Merkez-Gemeinde in Duisburg-Marxloh ab, denn neben den Rechten von Pro NRW hat sich auch die NPD für einen eigenen Protestzug angekündigt, aber auch bei ihnen finden sich nur wenig mehr Menschen ein als bei der tiefbraunen Konkurrenz. Dabei hatte man am Vortag bei einem "Anti-Islam Kongress" in Gelsenkirchen noch von mehr als 2000 Teilnehmern gesprochen, die zur Protestveranstaltung kommen wollten.
"Ihr seid hier nicht willkommen, wir wollen keine ungebetenen Gäste in Duisburg", schallt es von der anderen Seite der Absperrung herüber, denn rings um die Moschee haben sich an diesem Sonntagvormittag viele Menschen versammelt, um gegen die Rechten mobilzumachen. Einträchtig steht der christdemokratische Oberbürgermeister der Stadt neben seinem sozialdemokratischen Vorgänger, dazu gesellen sich die Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl und ihr Kollege von der Linkspartei. Alle applaudieren, als Josef Krings, das ehemalige Stadtoberhaupt, ausruft: "Wer seine Heimat liebt, denkt international und ist solidarisch."
Der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte die Demonstration organisiert und darauf geachtet, dass die wahlkämpfenden Politiker keine Hauptrolle bei der Protestveranstaltung spielen. Obwohl auch SPD-Chef Sigmar Gabriel gekommen ist, darf er nicht auf die Bühne, sondern muss sich mit einer Statistenrolle unter den gut 5000 Demonstranten zufriedengeben. Weil er das wusste und - wie die SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft - im Übrigen auch wenig Wert darauf legt, sich mit dem Linken-Chef fotografieren zu lassen, bleibt er am Rande stehen. Seinen Auftritt hatte er ohnehin schon zuvor, als er die Merkez-Moschee besuchte. Vom Vorsitzenden des Moscheevereins lässt er sich etwas über das "Wunder von Marxloh" berichten und hört aufmerksam zu, als man ihm erzählt, warum es vor Ort - anders als in Köln - kaum Proteste gegen den vor kurzen fertiggestellten Neubau gegeben hat. "Wir sind liberal, weltoffen, transparent und bildungsorientiert", lobt sich Muhammed Al und verspricht seinem Berliner Gast, auch künftig gegen fundamentalistische Tendenzen in den eigenen Reihen vorzugehen.
Gabriel hört die Botschaft gerne und nickt, als ihm seine Gastgeber dafür danken, gemeinsam gegen die "rechten Hassprediger da draußen" aufzustehen. "Das ist nicht Ihr Problem", wird der SPD-Chef hinterher versichern, "das ist auch unser Problem und deshalb bin ich hier". Am Ende wird er dann alle Anwesenden auffordern, auf jeden Fall zu wählen: "Je mehr zur Wahl gehen, desto weniger werden diese rechten Spinner eine Chance haben."
http://www.stuttgarter-zeitung.de/st...sprediger.html




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