Wiesbadener Kurier 14 Oktober 2009
Von Kerstin Prosch
ISLAM Vortrag im Presseclub auf Einladung der Bürgerliste
Die Standpunkte zu den Menschenrechten "gehören zu den wichtigsten Errungenschaften unserer Zivilisation". Das sagte Ursula Spuler-Stegemann bei einem Vortrag in den Räumen des Presseclubs in der Villa Clementine. Die Fraktion der Bürgerliste hatte die Honorarprofessorin im Fachgebiet Islamwissenschaft am "Centrum für Nah- und Mittelost-Studien" der Universität Marburg eingeladen.
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Spuler-Stegemann "Toleranz nicht um jeden Preis"
Wiesbadener Kurier 14 Oktober 2009
Von Kerstin Prosch
ISLAM Vortrag im Presseclub auf Einladung der Bürgerliste
Die Standpunkte zu den Menschenrechten "gehören zu den wichtigsten Errungenschaften unserer Zivilisation". Das sagte Ursula Spuler-Stegemann bei einem Vortrag in den Räumen des Presseclubs in der Villa Clementine. Die Fraktion der Bürgerliste hatte die Honorarprofessorin im Fachgebiet Islamwissenschaft am "Centrum für Nah- und Mittelost-Studien" der Universität Marburg eingeladen.
Die in der Deklaration der Vereinten Nationen 1948 aufgeführten Menschenrechte finden sich in vielen Verfassungen. In Deutschland sind die Menschenrechte im Grundgesetz verankert. Spuler-Stegemann ist der Ansicht: "Für uns ist das Grundgesetz Norm. Da gibt es kein Zurückweichen." Widerstände der christlichen Kirchen bei den Menschenrechten seien weitgehend ausgestanden. Der Islam erweise sich allerdings weiter als "sehr sperrig".
Auf die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen reagierte er mit eigenen Menschenrechtserklärungen. Beim Lesen sei festzustellen: Individuelle Rechte und Freiheiten sind "null und nichtig, sobald sie dem Gemeinwohl der über allem stehenden Umma, der Gemeinschaft der Gläubigen, und der gewünschten positiv gedachten Zielsetzungen entgegenstehen und diese schwächen".
Männer stehen über Frauen
Frauen seien nach der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam zwar religiös und vor Gott den Männern gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt im Sinne einer säkularen Rechtsordnung. In ihrem Vortrag "Muslimische Frauen und die Gleichberechtigung" verwies Spuler-Stegemann auch auf einige Stellen im Koran. "Die Männer stehen über den Frauen", heiße es in einem Vers.
Ihnen sei auch erlaubt, ihre Ehefrauen zu schlagen. In einem anderen Vers stehe: "Eure Frauen sind euch ein Saatfeld. So kommt zu eurem Saatfeld, wann und wie ihr wollt." Unter den Musliminnen gebe es sowohl Frauen, die im Koran in dieser Form Halt finden, als auch Frauen, die für eine frauenverträgliche Interpretation des Korans eintreten.
Die Professorin stellte ihren zahlreichen Zuhörern mehrere Interpretationen verschiedener Koranstellen vor. Kurz ging die Referentin auch auf Themen wie beispielsweise Zwangsehe oder den sogenannten "Ehrenmord" ein. Ausdrücklich warnte sie vor falsch verstandener Toleranz.
Es sei eben "keine Toleranz, wenn man verfügt, dass in einem Kindergarten kein Schinkenbrötchen verzehrt werden darf, weil das die Gefühle der muslimischen Kinder verletzen könnte". Es sei auch falsch verstandene Toleranz wenn man zulasse, dass junge Musliminnen, die kein Kopftuch tragen, von muslimischen Schulkameraden angepöbelt werden.
Die Zeit des "Strebens nach Harmonie um jeden Preis, bei dem der Preis nur einseitig zu entrichten ist und auf Kosten individueller Freiheiten geht, muss endlich vorbei sein", sagte die Wissenschaftlerin in ihrem Vortrag.




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