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06.03.2012, 06:35
Henryk M. Broder: Vergesst Auschwitz!
Posted By kewil On 6. März 2012 @ 06:28 In Antisemitismus,Deutschland,Geschichte | Comments Disabled (http://www.pi-news.net/2012/03/henryk-m-broder-vergesst-auschwitz/print/#comments_controls)

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Henryk M. Broder hat ein neues Buch geschrieben (Abb.), das in einer Woche erscheinen soll: Vergesst Auschwitz!: Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage. Broder geht es schon länger immer wieder um das heuchlerische Gedenken an den Holocaust, wobei man daran absolut nichts mehr ändern kann, während Israel gleichzeitig in allerhöchster Gefahr schwebt und sich da in Deutschland und der EU kein Finger rührt, obwohl man in dieser Angelegenheit sehr viel helfen könnte.
Die WamS brachte einen längeren Ausschnitt aus dem neuen Buch (http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13901851/Die-Endloesung-der-Israel-Frage.html) [2]. Klingt gut:
Es scheint ein Teil des deutschen Generationenvertrages zu sein, dass die Kinder und Enkel das nachzuholen versuchen, was die Eltern und Großeltern versäumt haben. Das kann natürlich nicht funktionieren, schon gar nicht in einem System, das auf Deeskalation und Dialog setzt und Polizisten als “Anti-Konflikt-Berater” in die Straßenschlachten mit der Autonomen Antifa schickt, die man schon rein äußerlich nicht von den Schlägertrupps der Neonazis unterscheiden kann.

Dennoch: Die Freude, einen Castortransport ein paar Stunden aufgehalten zu haben, bringt die Aktivisten gefühlt in die Nähe der Geschwister Scholl. Wer im Bioladen einkauft, fair gehandelten Kaffee trinkt, kalt duscht und seinen Müll trennt, der führt schon “ein widerständiges Leben”.

In diesem Kontext der paradoxen Befindlichkeiten bietet der “Widerstand” gegen die “israelischen Faschisten” und “zionistischen Mörderbanden” eine zusätzliche Gratifikation. Man entsorgt nicht nur die eigene Geschichte vor der Tür der Opfer, man tritt auch zum Schulterschluss mit der Mehrheit der Volksgemeinschaft an. Die Ansicht, dass die Israelis den Palästinensern das antun, was die Nazis den Juden angetan haben, ist in Deutschland inzwischen so weit verbreitet und so akzeptiert, dass “Gaza” und “Warschauer Getto” zu Synonymen geworden sind. Soll damit die Lage der Palästinenser dramatisiert oder das Warschauer Getto verharmlost werden? Beides geht, und das ist das Perfide daran.
Erscheinungstermin: 11. März 2012!



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Vermin Exterminator
08.03.2012, 13:15
in den Nachtstunden bis zum frühenMorgen habe ich dieses Buch ein einem Zug durchgelesen und bereue weder den Kauf noch die Lektüre.

Ein neues Meisterwerk des blitzgescheiten Publizisten - mit sehr spitzer Feder geschrieben ein tiefer Stich in das Wespennest ein grandioser Rundumschlag wider die Gutmenschen und Heuchler aller Couleur - 176 Qual für das verlogene Gesocks querbeet durch alle Lager Parteien!

Kapitel-Überschriften als Vorgeschmack:



Statt eines Vorwortes

Die Klagemauer von Köln oder: Gute Juden, böse Juden

Für eine Welt ohne Zionismus!

Einigkeit und Recht und Gaza!

Fette Judenf**** oder wenn in Brandenburg ein Kanalrohr platzt (gesernt von mir)

Wie der Herr so das Gscherr

I know it when I see it

Hakenkreuz und Davidstern

Eine Obsession - irrational, zwanghaft, unheilbar

Vergeßt Auschwitz - bevor es zu spät ist!

Nachspiel


Einige Zitate, die mir auf Grund ihres Wahrheitsgehaltes gefallen:



So wie die Erinnerung heute praktiziert wird, ist sie eine Übung der Heuchelei, Verlogenheit, Scheinheiligkeit und Opportunismus. Und sie bereitet den Weg für kommende Katastrophen vor. - S. 12

Was in den siebziger Jahren an den Rändern der Gesellschaft vor sich hinköchelte, macht sich heute im Mainstream breit. - S. 21

Es gehört zu den Ritualen des Antisemitismus, daß seine Subjekte, sobald man sie mit beiden Armen bis zu den Ellenbogen im Mustopf ihrer Aufwallungen erwischt, sofort anfangen, ihre "jüdischen Freunde" aufzuzählen. - S. 27

Die Deutschen sind dermaßen damit beschäftigt, den letzten Holocaust nachträglich zu verhindern, daß sie den nächsten billigend in Kauf nehmen - S. 29

Es gibt zum Antizionismus nur eine Parallele: den Antiamerikanismus. - S. 42

Das ist die Substanz der antizionistischen Anstrengungen, ob sie den Protagonisten bewußt ist oder nicht, sie nehmen die Vernichtung Israels als Preis für ihren inneren Frieden in Kauf. ... - S. 45

Das ist die deutsche Erinnerungskultur im Hardcore-Format: Die Verbrechen an den Juden als Warnung vor den Verbrechen der Juden. ... - S. 49

Die größte deutsche Spezialität ist es, zu wissen, was anderen guttut, und was für sie "kontraproduktiv" ist, ein Talent, das immer dann zum Einsatz kommt, wenn die Holländer, die Dänen oder die Schweden sich bei den Wahlen nicht so entscheiden, wie es die deutschen Kommentatoren für richtig halten. Wir sind nicht nur die Weltmeister der Herzen, wir sind auch die Weltbesten im Erteilen von Ratschlägen. Daheim werden wir mit ein paar Neonazis nicht fertig und bringen keine "grenzüberschreitende" Zusammenarbeit zwischen den Polizeien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zustande, aber draußen in der großen Welt, da verteidigen wir die deutsche Freiheit am Hindukusch, wollen einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der UN haben. Yes, we can! - S. 74-75

Immer unter Berufung auf den Holocaust, der ihnen (Gercke, Gysy, Groth, Höger, Paech und Genossen) die Lizenz gibt, sich als moralische Instanz ausgerechnet gegenüber den Juden aufzuführen. - S. 153

Ich finde es vollkommen absurd, daß jedes Jahr Abertausende von jungen Deutschen durch die Konzentrationslager geschleust werden. Sie sollten besser lernen, daß und warum die Juden ein Recht auf einen eigenen Staat haben. Und wenn aus deutscher Schuld und Scham etwas gelernt werden kann, dann wäre es die Solidarität mit diesem Staat.* - S. 173


Dabei will ich es bewenden lassen.
Mir hat dieses Buch wegen seiner schonungslosen Ehrlichkeit gefallen. :icon_tup:

BRODER, Henryk M.: VERGESST AUSCHWITZ - Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage; Knaus 2012 -ISBN - 978-3-8135-0452-1