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30.04.2009, 12:50
Das Berliner Zentrum Moderner Orient (ZMO) veranstaltete in Zusammenarbeit mit den Universitäten ...
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Wissenschaft
Zwang oder Wahl? Die Verhüllung des weiblichen Körpers im Islam
Das Berliner Zentrum Moderner Orient (ZMO) veranstaltete in Zusammenarbeit mit den Universitäten Frankfurt/Oder, Hamburg und Halle einen Vortrag über die Theologie und Politik des „Hidschab“.
http://www.igmg.de/typo3temp/pics/65a6df3db3.jpg (http://www.igmg.de/index.php?eID=tx_cms_showpic&file=uploads%2Fpics%2FZiba_Mir-Hosseini.jpg&width=500m&height=500&bodyTag=%3Cbody%20bgColor%3D%22%23ffffff%22%3E&wrap=%3Ca%20href%3D%22javascript%3Aclose%28%29%3B% 22%3E%20%7C%20%3C%2Fa%3E&md5=bf293751beb9fdace5ee3a4d4465ec63)
Veranstaltungsort war die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften am historischen Berliner Gendarmenmarkt. Gehalten wurde der Vortrag von Dr. Ziba Mir-Hosseini, einer durch zahlreiche Veröffentlichungen zu Geschlechterfragen im Islam (javascript:void(0);) bekannt gewordenen Wissenschaftlerin und Dokumentarfilmerin aus London.
Der Hidschab (die Verhüllung der Frau) sei die nach außen hin sichtbarste Praxis im Islam (javascript:void(0);), so Mir-Hosseini gleich zu Beginn ihrer Ausführungen. Mal als Sinnbild für weibliche Emanzipation, mal als Symbol für die Unterdrückung der Frau stehe der Hidschab nun seit über einem Jahrhundert im Mittelpunkt ideologischer Kämpfe zwischen Traditionalismus und Moderne. Für "Islamisten" sei er in erster Linie Ausdruck von Identität und religiöser Authentizität. Die Verhüllung des Körpers sei ein göttliches Gebot, das zur Beschützung von Frauen sowie zur Bestimmung ihrer gesellschaftlichen Stellung diene. Für säkulare Feministinnen hingegen repräsentiere der Hidschab nichts Anderes als die Unterdrückung der Frau. Er sei eine patriarchalische Verfügung und spreche den Frauen das Recht über die Kontrolle ihrer eigenen Körper ab.
Die Leidenschaft, mit der dieses Thema debattiert werde, verdeutliche die symbolische Bedeutung des Hidschabs, betonte Mir-Hosseini immer wieder. Ihr gehe es jedoch nicht darum herauszufinden, wie sich der Islam (javascript:void(0);) dazu äußere, zumal der Islam (javascript:void(0);) selbst nicht spreche, sondern immer nur Menschen, die von sich behaupteten, dies für den Islam (javascript:void(0);) zu tun. Ihr Anliegen sei vielmehr die Analyse der unterschiedlichen Diskurse, die sich um das Thema Hidschab drehten. Das intensive Studium klassischer Texte des islamischen Rechts sei allerdings auch zu diesem Zweck unabdingbar gewesen. Denn nur eine langfristige Betrachtung könne aufzeigen, wie sich im Laufe der Zeit sowohl der Inhalt, als auch die Relevanz des Gegenstands gewandelt habe. Erst dadurch werde eine angemessene Beurteilung auch der zeitgenössischen Diskurse ermöglicht.
Wenn man sich nun die Literatur von der Klassik bis in die Gegenwart anschaue, so falle zuallererst die Mannigfaltigkeit in den Herangehensweisen auf. Die Einschätzungen bezüglich der Verhüllung des weiblichen Körpers variierten je nach historischem und kulturellem Kontext. „Denn unser kulturelles Umfeld, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse prägen auch unser Verständnis von Religion“, so Mir-Hosseini.
Typisch für die klassischen Texte sei insbesondere ihr apolitischer Duktus. Zwei Annahmen tauchten darin immer wieder auf, nämlich dass erstens der gesamte weibliche Körper zu verhüllen sei, und zweitens die Präsenz der Frau im öffentlichen Raum die gesellschaftliche Ordnung gefährde. Letztere Idee wiederhole sich auch bei vielen modernen Autoren, wie beispielsweise Maududi, der die „islamische Position“ darin sehe, dass Frauen möglichst aus dem öffentlichen Leben herauszuhalten seien.
An politischer Relevanz habe der Hidschab erst im 19. Jahrhundert gewonnen, als er zum Zeichen des Protests im Kampf gegen die westlichen Kolonialmächte stilisiert wurde. Es sei hier also eine neuartige Form der Argumentation zu erkennen. Die Verhüllung des weiblichen Körpers werde nicht mehr in erster Linie theologisch begründet, sondern ausdrücklich als islamisches Identitätsmerkmal gekennzeichnet. So beziehe beispielsweise der im Jahre 1977 verstorbene iranische Autor Ali Schariati keine Stellung zu der Frage, ob es sich beim Hidschab um eine religiöse Pflicht handele. Ihm gehe es vielmehr um die Demonstration einer revolutionären Grundhaltung. Auffällig sei, so Mir-Hosseini, dass dieser bis in die nahe Vergangenheit andauernde Diskurs nicht etwa von Theologen oder Rechtsgelehrten, sondern von Aktivisten – hierzu zählten sowohl Maududi, als auch Schariati – dominiert gewesen sei.
Heute wiederum zeichne sich ein Hidschab-Diskurs ab, der sich grundlegend von den vorherigen unterscheide. Weder die Beschützung der Frau, noch der Protest stehe nunmehr im Vordergrund, sondern das individuelle Recht einer jeden Frau, sich gemäß ihrer Weltanschauung zu kleiden. Der Hidschab werde heute daher weniger als Pflicht als vielmehr ein persönliches Recht befunden und dementsprechend legitimiert. Parallel dazu entfalte sich zunehmend eine neue Lesart religiöser Quellen. Das klassisch-islamische Bild vom weiblichen Geschlecht werde somit vor enorme Herausforderungen gestellt. Denn muslimische Frauen begännen, bisherige Konventionen in Frage zu stellen und ihre Präsenz im öffentlichen Raum neu zu definieren. Dass sie sich zugleich gegen herrschende Vorstellungen stellten, verleihe dem Hidschab eine neue Bedeutung sowie einen völlig neuartigen symbolischen Wert. (as (javascript:void(0);))
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Das Berliner Zentrum Moderner Orient (ZMO) veranstaltete in Zusammenarbeit mit den Universitäten Frankfurt/Oder, Hamburg und Halle einen Vortrag über die Theologie und Politik des „Hidschab“.
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Veranstaltungsort war die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften am historischen Berliner Gendarmenmarkt. Gehalten wurde der Vortrag von Dr. Ziba Mir-Hosseini, einer durch zahlreiche Veröffentlichungen zu Geschlechterfragen im Islam (javascript:void(0);) bekannt gewordenen Wissenschaftlerin und Dokumentarfilmerin aus London.
Der Hidschab (die Verhüllung der Frau) sei die nach außen hin sichtbarste Praxis im Islam (javascript:void(0);), so Mir-Hosseini gleich zu Beginn ihrer Ausführungen. Mal als Sinnbild für weibliche Emanzipation, mal als Symbol für die Unterdrückung der Frau stehe der Hidschab nun seit über einem Jahrhundert im Mittelpunkt ideologischer Kämpfe zwischen Traditionalismus und Moderne. Für "Islamisten" sei er in erster Linie Ausdruck von Identität und religiöser Authentizität. Die Verhüllung des Körpers sei ein göttliches Gebot, das zur Beschützung von Frauen sowie zur Bestimmung ihrer gesellschaftlichen Stellung diene. Für säkulare Feministinnen hingegen repräsentiere der Hidschab nichts Anderes als die Unterdrückung der Frau. Er sei eine patriarchalische Verfügung und spreche den Frauen das Recht über die Kontrolle ihrer eigenen Körper ab.
Die Leidenschaft, mit der dieses Thema debattiert werde, verdeutliche die symbolische Bedeutung des Hidschabs, betonte Mir-Hosseini immer wieder. Ihr gehe es jedoch nicht darum herauszufinden, wie sich der Islam (javascript:void(0);) dazu äußere, zumal der Islam (javascript:void(0);) selbst nicht spreche, sondern immer nur Menschen, die von sich behaupteten, dies für den Islam (javascript:void(0);) zu tun. Ihr Anliegen sei vielmehr die Analyse der unterschiedlichen Diskurse, die sich um das Thema Hidschab drehten. Das intensive Studium klassischer Texte des islamischen Rechts sei allerdings auch zu diesem Zweck unabdingbar gewesen. Denn nur eine langfristige Betrachtung könne aufzeigen, wie sich im Laufe der Zeit sowohl der Inhalt, als auch die Relevanz des Gegenstands gewandelt habe. Erst dadurch werde eine angemessene Beurteilung auch der zeitgenössischen Diskurse ermöglicht.
Wenn man sich nun die Literatur von der Klassik bis in die Gegenwart anschaue, so falle zuallererst die Mannigfaltigkeit in den Herangehensweisen auf. Die Einschätzungen bezüglich der Verhüllung des weiblichen Körpers variierten je nach historischem und kulturellem Kontext. „Denn unser kulturelles Umfeld, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse prägen auch unser Verständnis von Religion“, so Mir-Hosseini.
Typisch für die klassischen Texte sei insbesondere ihr apolitischer Duktus. Zwei Annahmen tauchten darin immer wieder auf, nämlich dass erstens der gesamte weibliche Körper zu verhüllen sei, und zweitens die Präsenz der Frau im öffentlichen Raum die gesellschaftliche Ordnung gefährde. Letztere Idee wiederhole sich auch bei vielen modernen Autoren, wie beispielsweise Maududi, der die „islamische Position“ darin sehe, dass Frauen möglichst aus dem öffentlichen Leben herauszuhalten seien.
An politischer Relevanz habe der Hidschab erst im 19. Jahrhundert gewonnen, als er zum Zeichen des Protests im Kampf gegen die westlichen Kolonialmächte stilisiert wurde. Es sei hier also eine neuartige Form der Argumentation zu erkennen. Die Verhüllung des weiblichen Körpers werde nicht mehr in erster Linie theologisch begründet, sondern ausdrücklich als islamisches Identitätsmerkmal gekennzeichnet. So beziehe beispielsweise der im Jahre 1977 verstorbene iranische Autor Ali Schariati keine Stellung zu der Frage, ob es sich beim Hidschab um eine religiöse Pflicht handele. Ihm gehe es vielmehr um die Demonstration einer revolutionären Grundhaltung. Auffällig sei, so Mir-Hosseini, dass dieser bis in die nahe Vergangenheit andauernde Diskurs nicht etwa von Theologen oder Rechtsgelehrten, sondern von Aktivisten – hierzu zählten sowohl Maududi, als auch Schariati – dominiert gewesen sei.
Heute wiederum zeichne sich ein Hidschab-Diskurs ab, der sich grundlegend von den vorherigen unterscheide. Weder die Beschützung der Frau, noch der Protest stehe nunmehr im Vordergrund, sondern das individuelle Recht einer jeden Frau, sich gemäß ihrer Weltanschauung zu kleiden. Der Hidschab werde heute daher weniger als Pflicht als vielmehr ein persönliches Recht befunden und dementsprechend legitimiert. Parallel dazu entfalte sich zunehmend eine neue Lesart religiöser Quellen. Das klassisch-islamische Bild vom weiblichen Geschlecht werde somit vor enorme Herausforderungen gestellt. Denn muslimische Frauen begännen, bisherige Konventionen in Frage zu stellen und ihre Präsenz im öffentlichen Raum neu zu definieren. Dass sie sich zugleich gegen herrschende Vorstellungen stellten, verleihe dem Hidschab eine neue Bedeutung sowie einen völlig neuartigen symbolischen Wert. (as (javascript:void(0);))
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