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Lehrer L
05.02.2011, 12:04
Satire

Sozialist,
Perspektiven eines Berufes ohne Abschluss
Von Corvin Schreckhas

Wem greift es nicht ans Herz wenn er von den hehren Zielen der ach so fortschrittlichen Linken und Grün-Sozialisten hört, ja von der Gnade ihrer intelligenten Geburt und unfehlbaren Weisheit, die selbst Zwerg Allwissend in den Schatten stellt. Wer wünscht es nicht, so wie sie zu sein, Mundwissenschaftler von Steuerzahlers Gnaden, erlesen speisend, begleitet von einem verkosteten, gut temperierten toskanischen Rotwein?

Kann man solch begnadeten Gnädigkeiten mit Erfolg nacheifern? Man kann, – Sozialist ist ein erlernbarer Beruf, wie der des Dachdeckers oder des Schusters. Diese ehrenwerten Handwerksprofessionen verlangen aber nach einem Meister- oder Gesellenbrief; einem gelernten Sozialisten wird niemals ein Befähigungsnachweis abverlangt und das ist sehr vorteilhaft!

Muss nicht eine innere Gewissheit vorliegen, so etwas wie ein proletarisches Klassenbewusstsein? Mithin die Erkenntnis, dass alle Bösen, sprich die Kapitalisten, alle Guten, sprich die Proletarier, peitschen und aussaugen oder wenigstens den ungerechten Lohn ihrer Arbeit stehlen?

Natürlich nicht. Grundvoraussetzung für die Ergreifung des Sozialisten-Berufes bildet die Erkenntnis, dass Privates und Öffentliches strikt zu trennen sind. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass von einem Sozialisten niemand abverlangt so zu leben, wie die von ihm vertretenen Proletarier. Wo kämen wir sonst hin? Wäre es anders, dann hätte es Wandlitz nicht gegeben und wer von den Linken wollte Erich Mielke seine Sozialisteneigenschaft absprechen? Schließlich hat sich Mielke für seine Partei aufgeopfert und für die Kommunisten sogar getötet.

Wichtig ist auch, die privaten Beziehungen links-korrekt zu halten. Einer Eheschließung haftet immer der Makel der Bürgerlichkeit an. Gleichwohl kann sie aus steuerlichen Gründen opportun sein. Auch das ist kein Problem, denn der Sozialist erklärt diese Frage zur reinen Privatsache. In diesem Zusammenhang: Eigene Kinder sollten eine gute Privatschule besuchen. Das ist nur ein scheinbarer Widerspruch zur propagierten linken Einheitsschul-Ideologie. Tatsächlich ist jedem gelernten Sozialisten völlig klar, dass der Sozialismus eine Fehlkonstruktion des menschlichen Geistes darstellt und nirgendwo auf der Welt funktioniert hat. Mit den Qualifikationen, die das propagierte sozialistische Schulsystem produziert, ist notabene kein Staat zu machen. Auch das weiß der gelernte Sozialist und schützt die eigenen Kinder tunlichst vor der linken schulischen Unzulänglichkeit.

Und darum geht es. Sozialist ist ein Beruf. Nur Pfarrer müssen von Berufung wegen an Gott glauben; ersatzweise genügt bei evangelischen Geistlichen das Bekenntnis zu den Dogmen Klimawandel und Gender-Mainstream. Beide pseudoreligiösen Zutaten werden auf dem Tabernakel links-grüner Parteiprogramme konsekriert und der schwindenden Anhängerschaft als gottesdienstliche Zwangsernährung verabreicht. Gerade die Evangelische Kirche hat sich als dumme und milchreiche Amme erwiesen und genau jene Erscheinungen gefördert, die ihr nun hohnlachend den Untergang bescheren. Ein lernender Sozialist erkennt schnell: Pflege die nützlichen Idioten.

Chic und schmückend kann ein revolutionärer Künstlername sein. Alle großen Sozialisten, ja Kommunisten haben sich in diesen Karnevalsreigen eingereiht. Zu nennen sind beispielhaft Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili (Künstlername Stalin), Vladimir Ilyich Ulyanov (Künstlername Lenin), Lew Dawidowitsch Bronstein (Künstlername Trotzki) und Vjaceslav Michajlovic Skrjabin (Künstlername Molotov), letzterer in Personalunion als Pate des gleichnamigen Cocktails, dem demokratischen Argument roter Sturmabteilungen. Karl Marx, unseligen Gedenkens, blieb hingegen Kalle bis zu seinem Dahinsiechen. Doch der lernende Sozialist geht mit der Zeit, sodass heutzutage infantilisierte Vornamen angesagt sind, z. B. Mischa statt Michael, Joschka statt Joseph oder Dany statt Daniel. Das ziert ungemein und die zu bekämpfenden bürgerlichen Medien sind entzückt. Ron Sylent z. B. klingt nach etwas, aber was kommt schon bei einem Roland Stille rüber?

Doch kein Beruf ist ganz ohne Risiko, das gilt auch für den des Sozialisten. Obgleich der gelernte Sozialist weiß, dass er beruflich für etwas nicht Realisierbares eintritt, dies aber mit seiner privaten Gesinnung nichts zu tun hat, kann es doch zur berufsbedingten Verunfallung kommen. Der privat beschulte Sozialist zweiter Generation aus sozialistisch-wohlhabendem Hause weiß genau worum es geht. Für die Discount-Ausgabe des Sozialisten, jenem Links-Gläubigen mit proletarisch-korrekter gesamter Beschulung, bedarf es einer umständlichen und mithin ihm verständlichen Erläuterung.

Gemeint ist der Blick in die Geschichte. Eine solche Betrachtungsweise ist natürlich dekadent, wurde doch Geschichte immer von der verabscheuungswürdigen herrschenden Klasse geschrieben. Aber sie kann dem lernenden Sozialisten als Warnung dafür dienen was ihm blüht, wenn das Experiment Sozialismus gesetzmäßig scheitert und er dabei nicht auf der Hut ist. Beispiel dafür waren die römischen Gracchen. Das verwerflich Patrizische an ihnen war ihre Mutter, eine Tochter des Scipio Africanus. Sie hatte unter anderem zwei Söhne, jenen Tiberius und Gaius. Der Vater, astreiner Plebejer, hatte als Volkstribun geräuschvoll Karriere gemacht. Vermutlich badete er laut. Die Leute mit denen seine Söhne verkehrten waren keineswegs aus dem gemeinen Volk. Daher wusste Tiberius später genau, wie dem römischen Proletariat zu helfen war, denn dieses strömte in die Städte und scherte sich nicht mehr um sein Bauerntum. Viele Höfe lagen verlassen da und die ehemaligen Bewirtschafter mehrten das städtische Proletariat. Volkstribun Tiberius Gracchus wusste wie dieses Problem zu meistern war, nämlich indem man Land und Höfe unter die Leute verteilt: „Die Tiere haben ihre Behausung, ihre Höhle, ihr Lager und wissen, wo sie ihren Kopf zur Ruhe legen können.“ Jene Bauern, die gerade ihre Scholle verlassen hatten, staunten nicht schlecht und dachten gar nicht daran zurückzukehren. Tiberius machte Karriere, doch wie absehbar war sein Projekt zum Scheitern verurteilt. Die Wirklichkeit wollte sich seinem frühen Sozialismus absolut nicht beugen. Der Gracche verspürte auch keine Lust seine Macht als Volkstribun gemäß dem Gesetz abzugeben. Das kostete ihm das Leben, denn die Römer schützten ihre Verfassung und schlugen ihn tot. So war das damals.

Ein anderes warnendes Beispiel bildet die Französische Revolution. Dem Jubelschrei wegen der Entmachtung des despotischen Adels und der Enthauptung des Königs folgte die blutige Nachlese. Wer will schon bestreiten, dass Danton und Robespierre (der Unbestechliche) lupenreine Revolutionäre waren? So mancher aus dem linken Club der Jakobiner verlor erst den und später seinen Kopf. Revolution oder Tod, so hieß die Losung. Der Gemeinwille orientiert sich am Gemeinwohl und hat dabei immer Recht. Ohne Tugend, meinte Robespierre, sei Terror verhängnisvoll, ohne Terror die Tugend machtlos. Als Robespierre neue Säuberungswellen ankündigte, bekamen die hohen Revolutionäre panische Angst vor dem eigenen Fallbeil; schließlich konnten sie selbst betroffen sein. So entledigte man sich der Pestbeule Robespierre indem man ihn einen Kopf kürzer machte. Dass die Französische Revolution in eine kurzatmige Monarchie unter Kaiser Napoleon I mündete, was nun gar nicht ihren revolutionären Ambitionen entsprach, darüber spricht man in den begüterten Sozialistenkreisen nur ungern.

Der angehende Sozialist darf niemals der Versuchung erliegen, an den Sozialismus zu glauben oder diesen gar ernst zu nehmen. Macht sich der Sozialist den Sozialismus zu Eigen, dann kann ihm das gefährlich werden. Mahnend sei an das Beispiel Rumänien erinnert. Ein Fluchtweg ist mindestens so wichtig, wie ein Nummernkonto in der Schweiz für alle Fälle. Man darf niemals vergessen, Sozialist ist ein Beruf und keine Berufung. Allerdings ein Beruf mit beschränkten Risiken, aber auch ein Dachdecker kann vom Dach fallen und sich den Hals brechen. Geht das Experiment Sozialismus wieder einmal schief und vergleicht man dieses Ereignis mit dem Untergang der Titanic, dann wird der gelernte Sozialist lautstark ein Rettungsboot für das Proletariat fordern und sich selbst hineinsetzen.

Auch den völlig unbegründeten Vorwurf eines luxuriösen Lebensstils, den der gelernte Sozialist häufig hören muss, kann man leicht entkräften. Schließlich verkehrt der Sozialist mit dem Klassenfeind und hat sich im Dienst der proletarischen Sache den dortigen Gepflogenheiten anzupassen. Dies fordert vom Sozialisten eine hohe Ethik, denn den Konsum edler Weine, toskanischer Speisen oder schneller Autos verabscheut er nach außen zutiefst. Der gelernte Sozialist nimmt diese schwere Bürde auf sich und dies immer im Sinne der Proletarier. Daher können das persönliche Eigentum und das Vermögen des Sozialisten niemals verwerflich sein.

Spätestens an dieser Stelle wird dem lernenden Sozialisten klar, dass Sozialismus nur im Kapitalismus funktioniert, denn irgendjemand muss die Rechnung zahlen. Das schafft ein Scheinproblem, nämlich jenes, wie die rote Präsenz in demokratischen Parlamenten verbessert werden kann. Grundsätzlich bieten sich zwei Lösungswege an: Einmal muss ein Unterdrückungspotential ausgemacht werden und die insoweit Unterdrückten sind über ihre Unterdrückung liebevoll aufzuklären. Eleganter ist es hingegen, das eigene Wählerpotential selbst zu schaffen. Im ersten Fall hilft die gesamtbeschulte Journaille mit ihrer bekanntermaßen neutralen und sachkundigen Berichterstattung, im anderen Fall lässt sich ohne persönlichen Aufwand eine Klientel aufbauen, die gut und zu Lasten des Steuerzahlers (wer ist das eigentlich?) versorgt wird. Mundwissenschaftler, Sozialarbeiter, Streetworker, Aussteiger-Manger, Bezirks-Quartiermeister, Gleichstellungsbeauftragte, Migration-Consultants, fachkenntnisreiche Anwälte, Berater jeder Couleur, Kommissarii, Sozialpädagogen, Soziologen, Gender-Mainstream-Beauftragte, öffentlich beauftragte Institute, Gutachter, Experten etc., alle diese Leute und natürlich deren Klientel werden aus ihrer Sicht richtig wählen. Also darf der Strom der Entrechteten und Geknechteten niemals abreißen, denn sonst müsste sich der genannte Personenkreis um produktive Arbeit bemühen. Droht das binnenländische Konfliktpotential zu versiegen, dann muss es von außen importiert werden. Aufgabe aller gelernten Sozialisten ist es daher, diesen Bereich industriell zu organisieren. Das sichert notwendige Konfliktpotentiale, Macht und vor allem Wählerstimmen.

Hat der lernende Sozialist diesen Grad fortschrittlicher Erkenntnis erreicht, dann kann er sich seinem persönlichen Erfolg nur durch Selbstmord entziehen. Seine Tauglichkeit ist erwiesen und ein Diplom erhält er selbstverständlich nicht. Wozu auch? Selbst Taxifahrer und ungelernte Fräuleins machen oder machten persönliche Karriere und besetzen gut dotierte öffentliche Stellen. Man kann der persönlichen Befähigung als Sozialist noch ein Sahnehäubchen aufsetzen. Vorstrafen als Polizistenschläger, Blockierer, Brandstifter oder Schotterer zieren ungemein. Auch eine ehemalige Mitgliedschaft in linksextremen Gruppierungen kann den beruflichen Aufstieg des Sozialisten befördern. Hier gilt allerdings: Man ist nicht Mitglied in einer linksradikalen Vereinigung, man will dort Mitglied gewesen sein und das ist ein gewaltiger Unterschied. Angesichts solcher Qualifikationen verblassen eine langjährige muffige Beamtenlaufbahn oder ein anstrengendes Mathematikstudium.

Nach alledem kann festgestellt werden: Sozialist ist ein beschwerdefreier, erlernbarer Beruf mit Zukunft und eine echte Alternative für Berufsversager aus gutem Haus.

Vermin Exterminator
05.02.2011, 12:11
Bohemiers der gefährlicheren Varianz, Salon-Bolschewisten -pflegte mein Großvater zu sagen -, parasitäre, politisierende Parteigänger.

Lehrer L
05.02.2011, 12:17
Bohemiers der gefährlicheren Varianz, Salon-Bolschewisten -pflegte mein Großvater zu sagen -, parasitäre, politisierende Parteigänger.

So etwas sagt man doch nicht ...:-D